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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der Chef wurde ´ermutigt´, nach Tonga umzuziehen, doch sein Ersatz ist ein Alptraum ...

"Wie haben sie das angestellt?" fragt der PJ, nachdem er zur Arbeit kam und sieht, wie der Chef seine Sachen packt ...
 
"Ich?" frage ich unschuldig. "Nichts habe ich angestellt!"
 
Der PJ wartet geduldig, bis ich mit der Wahrheit herausrücke.
 
"Also, es könnte sein, daß ich ihn geringfügig verängstigt habe ..."
 
"Wie ´geringfügig´ war das denn?"
 
Ich bemerke gewisse Zeichen von Traurigkeit in seinem Tonfall, mit denen ich mich später befassen werde. Natürlich, der Chef ist mittlerweile formbar wie frische Knetmasse, doch man sollte immer bedenken, daß Veränderungen positiv wirken können.
 
"Nun, ich könnte gesagt haben, daß es langfristig besser und sicherer wäre, in Tonga zu leben statt hier in Großbritannien."
 
"Wie bitte?"
 
"Es fing wohl damit an, daß der Chef wissen wollte, wie weit wir mit unserem Jahr 2000-Projekt sind. Ich denke, er ahnte, was in Wirklichkeit dahinter steckt - ein idiotensicherer Plan, um sich für fünf Monate im Büro zu verschanzen und danach mit einem Lächeln, den Worten: ´Alles in Ordnung´ und einem Stapel Rechnungen für Beratungen wieder herauszukommen."
 
"Und?" fragt der PJ.
 
"Und deshalb habe ich ihm gesagt, daß es wirklich keinen Grund zur Besorgnis gibt."
 
"Wieso?"
 
"Weil ich ihm sagte, daß die Welt unter dem Jahr 2000-Virus leidet. Und daß alles schon im Jahr 1999 vorbei sein wird, wie Nostrodamus und die meisten religiösen Gruppen das vorhersagen."
 
"Und er hat das geglaubt?"
 
"Nun, sie wissen ja, wie wahrscheinlich es ist, daß er mir vertraut ..."
 
"Sie meinen, nachdem sie ihm empfohlen haben, den Toaster mit unter die Dusche zu nehmen, um am Morgen beim Frühstück Zeit zu sparen?"
 
"Das und dem Empfehlung, Magnete als Diskettenhalter zu benutzen, ja. Wie auch immer, ich habe ihn daran erinnert, daß die älteren Nuklearverteidigungseinrichtungen aus der Zeit des Kalten Krieges von Computern kontrolliert werden, darunter auch die, die so programmiert wurden, daß sie den Startvorgang einleiten, wenn sie die Verbindung zum Pentagon verlieren."
 
"Und?"
 
"Und es ist doch offensichtlich, daß kurz nach 23:59 Uhr am 31. Dezember 1999 der Wert für die seit der letzten erfolgreichen Verbindungsaufnahme verstrichene Zeit dank der Datumsarithmetik sich von einer Minute zu tausenden negativen Minuten ändern wird ..."
 
"... und - Start!" vollendet der PJ.
 
"Sie haben es erfaßt!"
 
"Und er hat ihnen geglaubt?"
 
"Nun, beim Prüfen der Protokolldaten fiel mir auf, daß er ein regelmäßiger Besucher einiger Webseiten ist."
 
"Sie meinen die Homepage der Liebhaber von Spitzenunterwäsche?"
 
"Unter anderem, ja, aber wichtiger ist, daß er auch ´Nostrodamus sagt´-Seiten und solche mit Warnungen vor Gefahren des Nuklearwaffen besuchte. Ausgestattet mit diesen Informationen war es leicht, mit seinen Ängsten zu spielen."
 
"Und jetzt geht er nach Tonga?"
 
"Dahin oder an einen anderen Ort, der absolut ohne jegliche strategische Bedeutung, dafür aber sicher davor ist, etwa 10 Minuten nach Mitternacht von einer alten Rakete aus den 60er Jahren getroffen zu werden."
 
"Aber sie glauben doch nicht wirklich, daß das passieren kann?"
 
"Schon möglich. Aber wen kümmert das? Ich werde in der Silvesternacht betrunken wie ein Stinktier auf der Party feiern. Nebenbei - mein guter Wille, andere zu beraten, wird neue Tiefstände erreicht haben - dank meiner hervorragend finanzierten Aussage: ´Jetzt ist alles in Ordnung.´"
 
"Also arbeiten sie an unserem Jahrtausend-Projekt?"
 
"Seit dem heutigen Morgen bin ich nur noch damit beschäftigt."
 
"Und womit werden sie es abschließen?"
 
"Das werden sie in genau fünf Monaten sehen ..."
 
Eine Woche später stehen die Dinge schlechter als erwartet. Der alte Spruch ´Der Teufel, den du kennst, ist besser als ein Tritt in die Rippen an einem kalten Morgen´ bewahrheitet sich einmal mehr. Der Ersatz für den Chef ist schlimmer, als dieser es jemals war. Er hat mir mein Jahr 2000-Projekt abgenommen und unsere Software- und Hardware-Zulieferer damit beauftragt, ihre Waren zu testen. Ich könnte heulen ...
 
... wenn ich nicht das Root-Passwort, Kontrolle über die Telefonvermittlung und einen beinahe psychopatischen Haß auf Manager hätte.
 
Nach ein paar Tagen sieht der neue Chef wirklich krank aus. Ganz offensichtlich hat ein Fehler in der Vermittlungsanlage dafür gesorgt, daß die Hälfte der Einwahlnummern aus unserem Modem-Pool auf sein Privattelefon umgeleitet wird. Und die andere Hälfte landet auf seinem Handy.
 
Als sei dies nicht schon schlimm genug, lief sein Telefon auch heiß, nachdem er seinen wöchentlichen Bericht in unserem Intranet veröffentlicht hatte, in dem aus ´Version Control Server´ ein ´Virgin Control Server´ wurde. Offenbar haben einige der jüngeren Erbsenzählerinnen angefragt, wie er denn diesen Jungfräulichkeitstest durchführen will ... 
 
Der PJ und ich schlagen die Zeit damit tot, daß wir die internen Uhren unserer Ausrüstung auf den 31.12.1999 setzen. Nach dem Ärger, den wir mit dem E-Mail-Server verursacht haben, ist es wohl Zeit, erneut unser siebenmonatiges Jahr 2000-Projekt vorzuschlagen.
 
Veränderung ist wirklich gut.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 05.11.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.