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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Ein Disput mit der Kantine fesselt den B.O.F.H. an Porzellan und läßt den Chef den Genuß von Bohnen bereuen ...

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Und unglücklicherweise hat die Betriebskantine es mir zum Mittagessen serviert. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ein kranker Mann.
 
Es scheint, als sei das Abkommen über die friedliche Koexistenz zwischen mir und der Kantine in der fünften Etage durch meine zufällige Bemerkung zum PJ (Leider konnten sie sie hören.), daß ihr neues Motto - wie das der Luftwaffe - wohl ´Der Tod kommt von oben´ lautet, zerbrochen.
 
Selbstverständlich ist das Menu du Jour nicht schlimmer als jemand in einer Todeszelle dies erwarten würde, doch trotzdem hätte ich auf ihrer ´Diätmahlzeiten´-Webseite im Intranet die Ankündigung von ungarischem Gulasch nicht in ungarischen Klebstoff ändern und auf das Geflügelklein Diarrhöe verzichten sollen. Manche Menschen haben eben keinen Humor.
 
Der Chef duldet es natürlich, denn er weiß, daß jeder Mitarbeiter mit Selbstachtung sich erst dann krankmelden würde, wenn der Tod vor der Tür stand und seine Dienste angeboten hat. Das zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen in unserer Firma.
 
Nein, wenn ich schon den ganzen Tag auf Porzellanoberflächen zubringen muß, dann tue ich das während der Arbeitszeit. Seine häufigen Besuchen lassen keinen Zweifel daran, daß der Chef es darauf anlegt, ein paar Stunden auf meiner Arbeitszeitabrechnung streichen zu können. Doch meine Anwesenheit, auch wenn es mir schlecht geht, wird fortgesetzt.
 
Die einzige Sache, die ich nicht ganz verstehe, ist, wie sie mir die tödliche Dosis verabreichen konnten. Im Normalfall bin ich sehr vorsichtig mit dem Essen (erste Regel - kein Fisch, kein Geflügel, kein Schwein), so daß mir der entscheidende Hinweis noch fehlt.
 
Das selbstgefällige Grinsen und die auffällige Anteilnahme der Kantinenmitarbeiter an meinem Schicksal bestätigen meine Zweifel, als ich die Brottheke direkt ansteuere, um mein Krankenmahl zu holen. Ein Schlachtplan wird dringend gebraucht. Und ausgebrütet.
 
Kaum hat der Chef den Platz nach seinem ´Vier Stück von allem´-Menü verlassen, starte ich Phase 1. "Nun, ich weiß nicht recht ..." wende ich mich an den PJ, als einer der Kantinenmitarbeiter, der sich unbeobachtet fühlt, heranschleicht. "... aber der Chef vermutet, daß mein Zustand mit dieser Kantine zusammenhängt. Er sagte, daß in irgendeiner Gasse in Soho bessere hygienische Bedingungen herrschen würden als an diesem Platz."
 
"Wirklich?" fragt der PJ perfekt die Rolle des Dr. Watson spielend.
 
"Nun, ich weiß nicht", antworte ich und bemerke die aufmerksam gespitzten Ohren im Hintergrund, "... aber der Chef haßt diese Kantine. Die Angestellten sollten froh sein, wenn sie noch eine Anstellung als Toilettenreiniger in einem Kebab-Restaurant bekämen, hat er mir erzählt."
 
Während ich am nächsten Tag schon zum elften Mal dem Ruf der Natur folge, richtet der PJ den Monitor der Überwachungsanlage ein. Heutige Bildquelle ist der ´Thermostatsensor´ neben der Bedientheke.
 
Der Chef kommt kurz vorbei, um zu sehen, ob wir schon Mittagspause machen, doch der PJ erklärt ihm durchaus wahrheitsgemäß, daß ich ein paar Notfall-Maßnahmen überwache.
 
Ich komme rechtzeitig zurück, um dem Chef dabei zuzuschauen, wie er sein Tablett füllt. "Keine besonderen Vorkommnisse." kommentiert der PJ.
 
"Ja. Nichts außergewöhnli ..." murmle ich, als mir etwas auffällt.
 
Unter dem Vorwand, eine Schale Tapetenleim für Rindfleisch (angeblich Bratensoße) auszutauschen, schmuggelt ein Kantinenmitarbeiter einen zusätzlichen Teller Bohnensuppe auf das Tablett. Vergeßlich wie er ist, schleppt der Chef sein Tablett zu seinem Platz und bindet sich das alte Taschentuch um den Hals.
 
"Sollten wir ihn nicht warnen?" will der PJ wissen.
 
Das zynische Glänzen meiner Augen beantwortet seine Frage.
 
Problemursache identifiziert, Phase 1 abgeschlossen.
 
Der nächste Tag gehört zu denen, die diese Arbeit so angenehm machen. Der Chef hat sich krankgemeldet. Man sagt sich, daß er es noch in die Metrostation geschafft hat, bevor sein Frühstück wieder hochkam.
 
Die Kantinenbelegschaft ist in der Zwischenzeit mit einer spontanen Gesundheitskontrolle beschäftigt (Ein anonymer Anruf ...), die neben anderen Verstößen echtes Rattenfleisch im Ratatouille entdeckt.
 
Eine Woche später bin ich einigermaßen wiederhergestellt. Freilich habe ich noch ein wenig Angst vor Lebensmitteln. Der Chef ist nach seiner wundersamen Heilung ebenfalls wieder da. Er freut sich hämisch über die Vorteile der Gesundheitspläne der Firma, das Krankengeld, die Vorzüge des Daheimbleibens etc., etc., ...
 
Zur Mittagszeit freut er sich noch mehr, als er seinen Teller vollpackt und sich geradezu lyrisch über die Vorteile äußert, ein bezahlter Angestellter unserer Firma zu sein.
 
Seine Begeisterung wird auch nicht gebremst, als der PJ ihm dabei hilft, seine tägliche Portion Bohnensuppe auf dem Tablett zu verstauen.
 
Am Nachmittag redet der PJ einmal mehr mit ihm durch die verklemmten Türen des Lifts. In meiner Eile, ihn aus seiner Lage zu befreien, habe ich den Hebel des Notfalltüröffners abgerissen, so daß wir den Wartungsdienst anrufen mußten.
 
"Wie lange brauchen die denn noch?" heult der Chef. "Es kann nicht mehr lange dauern!" rufe ich ihm zu und winke dem PJ, daß er dem Service-Mann noch eine Tasse Kaffee machen soll, während ich den letzten Eintrag in der Liste der möglichen Verletzungen der Nutzungsbedingungen des Lifts vornehme.
 
Ich gebe ihm noch maximal 10 Minuten ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 29.10.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.