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| bastard operator from hell | ||
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Der Duft einer Umstrukturierung liegt in der Luft, als der B.O.F.H. das Herumkratzen auf einer CD zur Beseitigung von Viren empfiehlt ...
Wenn ich jedesmal fünf Pfund bekommen hätte, wenn der IT-Chef glaubte, die Unfähigkeit von Managern durch eine ´Neustrukturierung der Abteilung´ beseitigen zu können, wäre ich heute ein reicher Mann. Es ist nicht so, daß er besonders trickreich dabei vorgeht. Vielmehr scheint ihm der Aufsichtsrat immer nur deshalb zuzustimmen, weil sie eine neue Anordnung der Beschäftigten sehen, die sie vorher nie zu sehen bekamen. Und das Meisterstück in dieser Woche ist die Bildung von Nutzergruppen, die von kompetenten Vertrauenspersonen betreut werden - was bedeutet, daß jedes Mitglied unserer Abteilung sich um eine andere Gruppe kümmern muß. Und weil er ein boshafter und rachsüchtiger Bastard ist, hat der IT-Chef mir eine Gruppe Vertriebsberater zugeteilt - Leute, deren technischer Sachverstand dem von Tomatensträuchern gleicht, deren soziale Fähigkeiten ´einzigartig´ sind. Der PJ hat es etwas einfacher, ihm teilt man eine Gruppe von Nutzerbetreuern zu, die schon wissen, daß man uns nur dann anruft, wenn man Verbrennungen dritten Grades liebt. Die Anrufe kommen prompt - ungefähr in dieser Art: "Der Drucker des Nutzers funktioniert nicht, deshalb muß das Netzwerk defekt sein". Und wenn man dann schließlich die Schritte zur Fehlersuche hinter sich hat, stellt sich heraus, daß das Papierfach leer ist. Zur Mittagszeit klingelt mein Handy, ein Berater schildert sein Problem, und mir wird klar, daß der IT-Chef meine persönliche Handy-Nummer weitergegeben hat. Ich mache mir im Geist eine Notiz, daß diese Indiskretion gerächt werden muß. Doch in der Zwischenzeit muß ich mich um den Berater kümmern. "Die Software, die ich auf dem Rechner eines Nutzers installieren will, bricht immer mit einem Schreibfehler ab." jammert er. "Glauben sie, daß die Festplatte voll sein könnte." "Hmmm", antworte ich nachdenklich. "Was haben sie installiert?" "Office, ein Spracherkennungsprogramm, ein 3D-Design-Programm und die Online Enzyklopädie. Ist das zuviel?" "Nein, natürlich nicht!" rufe ich. "Das ist doch nur ein Bruchteil von dem Platz, der auf dem 386er des Nutzers zur Verfügung steht. Nein, ich glaube, es ist schlimmer." "Schlimmer?" höre ich es am anderen Ende mit vereinten Stimmen fragen, die befürchten, daß dies ihren Erfahrungshorizont (Drücken der Return-Taste und das Einlegen von Disketten) übersteigt. "Ja, ich glaube, daß wir es mit einem weiteren Fall von Rückwärts-Maskierung einer CD-ROM zu tun haben." "Was ist passiert?" "Nun, diese Maskierung wirkt wie ein Filter, der dafür sorgt, daß die installierte Software nur noch mit Programmen des gleichen Herstellers funktioniert. Wenn sie versuchen, die Software eines anderen Herstellers zu installieren, kommt es zu Fehlern. Alle großen Firmen handeln heute so - Marketingtaktik, sie wissen schon." "Na sowas! Was soll ich tun?" "Nun, welche CD-ROMs haben sie?" "Ganze Ladungen. Unsere gesamte Software ist auf CD." "Hmmm, das ist möglicherweise schlimmer als ich dachte. Es überrascht mich, daß sie bisher noch keine Probleme hatten." "Da sie es erwähnen, mir fällt ein, daß die Enzyklopädie ziemlich langsam bei der Installation war. Könnte das etwas damit zu tun haben?" "Zweifellos. Da wirkt offensichtlich der Anti-Installationsvirus." "Was soll ich nun tun?" "Ich weiß nicht recht - wissen sie, was wir machen, wenn wir Computer-Bänder löschen wollen?" "Sie zerkratzen sie?" "Genau. Und das tun sie mit den CD-ROMs. Wenn sie allerdings die Daten erhalten und nur den Virus entfernen wollen, dann zerkratzen sie natürlich nur ein kleines Stück auf den CDs. Das Stück, auf dem sich die Daten befinden, die anzeigen, mit welcher Software die CD-ROMs nicht funktionieren." "Wie?" "Nun, sie haben doch ein chirurgisches Skalpel aus Keramik bei sich?" Dummy-Mode ein. "Nein?" "Oh, dann nehmen sie eine Rasierklinge. Sie müssen zwei möglichst eng beieinanderliegende Kratzer rund um die CD entlang der sogenannten ´Inhaltsspur´ machen. Dann kann die Software nicht mehr prüfen, ob sie funktionieren darf." "Wirklich?" "Aber sicher", antworte ich voller Überzeugung. "Mir können sie doch vertrauen." "Also soll ich das bei allen CDs machen?" "Bei jeder CD, die sie finden können." "Aber wir haben Hunderte davon." "Machen sie das nach der normalen Arbeitszeit, dann werden sie für die Nachtarbeit Überstundenzuschläge bekommen", appelliere ich an seine Habgier. "Ja!" sagt er und zählt in Gedanken die Pfundnoten. "Aber denken sie daran, es niemandem zu sagen." füge ich hinzu. "Denn sonst wollen auch die anderen sich daran beteiligen. Wenn sie den IT-Chef allerdings schon morgen früh überraschen wollen ..." "Kein Sterbenswort", ruft er. "Und wenn sie gerade dabei sind ..." sage ich. "Ja?" "Der Abteilungsleiter hatte übrigens ebenfalls Probleme mit einigen seiner Musik-CDs - wenn sie noch Zeit haben, dann ..." Der Rest ist - natürlich - Geschichte. Das Jammern, das Zähneknirschen, die prompten Hinauswürfe - ganz zu schweigen von der Zerstörung verschiedener teurer Sammler-Ausgaben von Jazz-CDs. Ich sehe eine Umstrukturierung am Horizont aufziehen. |
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© Simon Travaglia, 22.10.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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