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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Es sieht so aus, als hätte der B.O.F.H. sich selbst ein Bein gestellt, doch der PJ steht ihm mit einem listigen Plan zur Seite ...

Wenn ich die Worte ´Virtuelle Vorstandssitzung´ noch einmal höre, muß ich jemanden verprügeln.
 
Der verdammte Chef hat es geschafft, das kindliche Interesse des Geschäftsführers an einem Videokonferenzsystem wiederzuerwecken. Im Normalfall würde ich aus diesem Anlaß ja bei dem Gedanken daran, noch mehr Firmengeld verpulvern zu dürfen, lächeln, doch wir haben einfach nicht genügend Leitungskapazität, um ein solches System im gesamten Unternehmen einzurichten.
 
"Warum?" fragt der PJ, der den Geruch eines Nagetiers wittert.
 
"Ah. Nun, ich muß ihnen sagen ..."
 
"Daß sie unsere Leitungskapazitäten an andere weiterverkauft haben, oder?"
 
"Nein, nicht ganz. Nein."
 
"Sie haben den ISP-Service (Internet Service Provider [thomas w.]) unserer Firma aufgegeben?"
 
"Nein, den habe ich vor ewigen Zeiten verkauft."
 
"Sie haben ihn verkauft!"
 
"Genau, ich habe den Kundenbestand und den Domainnamen an einen anderen Zulieferer verkauft. Zu sehr lukrativen Bedingungen."
 
"Und sie haben mich nicht daran beteiligt?"
 
"Nein. Ich habe nicht einmal meinen Anteil ausgezahlt."
 
"Was haben sie dann mit dem Geld angestellt?"
 
"Sie meinen: Was habe ich mit dem ´Venture Kapital´ gemacht?"
 
"Wie bitte?"
 
"Es ist ausreichend, wenn ich sage, daß wir die einzigen Partner der InterTelecom International sind, einem Anbieter sehr billiger Telefontarife ..."
 
"Wie?"
 
"Und unser neuester Kunde ist ein Unternehmen mit Außenstellen in der gesamten Welt. In einer dieser Außenstellen stehen sie gerade."
 
"Sie verkaufen unsere Leitungskapazität wieder zurück an die Firma? Wieso hat sich die Firma darauf eingelassen?"
 
"Nun, erinnern sie sich an den großen Ausfall des Netzwerks bei den Erbsenzählern?"
 
"Welchen Ausfall?"
 
"Den, als der Chefbuchhalter erklärte, daß wir besser nicht mehr telefonieren sollten, statt weiter Unsummen für Anrufe ins Ausland auszugeben. Wir sollten dafür besser einen freien Anbieter nutzen."
 
"Ja, aber ich dachte, sie hätten eine Art Notfallplan gehabt und die Sache wieder gerichtet ..."
 
"Das habe ich getan. Und sie werden bestimmt gern hören, daß die InterTelecom International alle anderen Anbieter leicht ausstechen konnte, da die Gebühren unheimlich niedrig sind."
 
"Was bedeutet, daß wir unserer Firma Leitungskapazitäten stehlen!"
 
"Stehlen klingt so negativ. Wir sorgen nur dafür, daß die ohnehin vorhandenen Leitungen zu 100 Prozent genutzt werden - dafür sollte uns die Firma belohnen. Und das tut sie immer dann, wenn wir unserer Bonuszahlungen von InterTelecom International bekommen."
 
"Clever." stimmt der PJ widerwillig zu. "Aber wo liegt das Problem?"
 
"Wenn wir das Konferenzsystem anschaffen, bekommen wir Probleme mit der Auslastung der Leitungen."
 
"Sicher. Aber wir wissen doch, daß das nichts weiter als ein Spielzeug ist, das in den ersten Tagen benutzt wird, dann aber in Vergessenheit gerät."
 
"Das hoffe ich", erwidere ich.
 
"Dann habe ich einen Vorschlag ..."
 
Eine Woche später wird sehr, sehr teure Technik unter den wachsamen Augen des Chefs in die Firma gebracht. Der PJ ist in unsere Außenstelle in die USA geflogen, während eine Hilfskraft in Rom die Stellung für die Tests hält.
 
Die Tests sind gerade beendet, als der Geschäftsführer herunterkommt und gleich elektronische Grüße an den PJ und die Hilfskraft schickt. Die Antwort erfolgt prompt und in guter Qualität, so daß der Chef und der Geschäftsführer sehr zufrieden mit sich selbst wirken.
 
"Jetzt würde ich gern zu den restlichen Außenstellen sprechen." sagt der Geschäftsführer.
 
Drüben im Vermittlungsraum sorgt eine Vermittlungseinheit plötzlich dafür, daß eine Sicherung durchbrennt und die Leitung unterbricht.
 
Die angerufenen Außenstellen erscheinen auf dem Monitor - ziemlich körnig und unscharf, würde ich sagen. Die versammelten Mitarbeiter lauschen, als der Geschäftsführer eine kurze Rede über die Wunder der Technik hält. Ein paar Kommentare wandern hin und her, bevor der Geschäftsführer ´auflegt´.
 
"Was meinen sie?" fragt der Chef.
 
"Nun, der Test sah sehr gut aus, doch die Bilder aus den Außenstellen sahen nicht besonders schön aus."
 
"Stimmt", gebe ich zu. "Das ist ein Problem mit Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression."
 
"Was?" witzelt der Chef.
 
"Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression. Es handelt sich um ein bekanntes Experiment aus der Quantenphysik, bei dem Katzen in Kisten mittels Video überwacht wurden. Je mehr Katzen beobachtet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Quantenstörungen bei der Videokomprimierung kommt."
 
"Das kommt mir irgendwie bekannt vor", verrät sich der Chef.
 
"Wie können wir das ändern?" fragt der Geschäftsführer.
 
"Nun, die einzige Chance besteht darin, daß wir auf die Kompression verzichten, was allerdings bessere Leitungen mit höherer Kapazität erfordert ..."
 
"Kümmern sie sich um die Sache", antwortet der Geschäftsführer, der während der Arbeitszeit offensichtlich ein paar Folgen ´Star Trek´ zuviel gesehen hat.
 
Der Chef unterzeichnet ein paar Bestellungen und schleimt mit dem Geschäftsführer nach draußen.
 
Ich gehe in das benachbarte Zimmer zum PJ und der Hilfskraft und zeige ihnen die Bestellungen. Dann kümmere ich mich um die Sicherung in der Vermittlung.
 
"Soll ich den Telefon-Dienstleister anrufen?" fragt der PJ.
 
"Ja, und sagen sie ihnen, daß InterTelecom International expandieren möchte ..."
 
Ein Fisch, ein Faß, ein Gewehr.
 
Was könnte einfacher sein ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 15.10.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.