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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Wenn der Chef versucht, den B.O.F.H. mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, ist es Zeit, Notfallplan A zu starten, sich zurückzulehnen und das Feuerwerk zu genießen ...

Ich mache mir wirklich Sorgen um den Chef. Sein Verhalten ist irgendwie unbeschreiblich - und zwar seitdem er in der vergangenen Woche auf dem Weg zu einer Präsentation mit seinen mühsam erstellten Folien über ein herumliegendes Kabelstück stolperte.
 
Traurigerweise sind dabei seine Folien zum Thema ´Externe Auftragsarbeiter und fest angestellte Mitarbeiter - Wege zur Verringerung der Lohnausgaben´ ein wenig durcheinandergekommen, was seinem Vortrag wohl nicht besonders förderlich war ...
 
Es ist mir auch nicht entgangen, daß er meinen Tip, seine Folien vor dem nächsten Vortrag zu numerieren, ignorierte. Auch den Hinweis des PJ, daß es Programme zur Erstellung von Präsentationen gibt, die sich selbst um die richtige Reihenfolge kümmern und billiger sind, läßt er ungehört verhallen.
 
Man könnte beinahe annehmen, daß er die Folien heimlich und nicht auf einem Firmen-PC angefertigt hat, damit niemand etwas von seinem Vortragsthema erfährt.
 
In diesem Fall wäre allerdings die Benutzung des Foliendruckers, der 98% seiner Lebenszeit ungenutzt herumsteht, keine gute Methode, um von den eigenen Aktivitäten abzulenken.
 
Besonders schlimm ist, daß einer seiner Gedanken seinen Weg in eine mottenzerfressene Ecke im Gehirn des IT-Chefs gefunden hat - seitdem ist unser Leben nur noch mit Kummer und Leid verbunden.
 
In dem Bemühen, eine weitere Prämie von den Erbsenzählern zu bekommen, hat der IT-Chef dem Plan unseres Chefs zugestimmt, den PJ und mich Arbeiten für andere Firmen erledigen zu lassen ...
 
Sicher, nach den ersten paar Netzwerk-Zusammenbrüchen und einigen seltsamen Sicherheitsproblemen gingen die Wünsche nach unserer Hilfe etwas zurück - und gegen Null. Doch der Chef ließ sich auch dadurch nicht davon abbringen, es uns heimzuzahlen. Wir kommen gerade wieder einmal in unser Büro zurück, wo uns drei große Kisten begrüßen, die unübersehbar auf dem Boden stehen.
 
Meine Sinne für furchtbar teures Equipment flattern, als mein Blick auf den Namen des Herstellers und die Produktbezeichnung fällt, die eine Seite einer der Kisten schmücken. Natürlich war auch der PJ nicht gerade langsam bei der Wahrnehmung der Technik, die dem Heiligen Gral im Netzwerkbereich entspricht.
 
Wir stehen wie betäubt vor den Kisten und schweigen andächtig, als der Chef ´zufällig´ hereinschlendert und uns anspricht.
 
"Ja", sagt er selbstgefällig. "Es ist genau das, was sie denken. Neueste und beste Switch- und Routertechnik von Teranet, vollkommen ausgerüstet mit Karten für alles, was von RS232 über ATM bis zu Gigabit Ethernet heute auf dem Markt zu haben ist. Sagen sie einfach etwas und es wird in dem Gerät stecken. Und sie sind als glückliche Tester auserkoren worden!"
 
"Ein Test?" frage ich und blicke auf eine Ausrüstung, die ausreichend für einen kleinen Telefonnetzbetreiber ist.
 
"Ja, verdammt. Sie haben die nicht etwa angenommen, ich hätte ihnen das Zeug gekauft? Sie werden dafür bezahlt, daß sie diese Technik einem unabhängigen Test unterziehen und einen Bericht darüber schreiben. Dann schicken wir die Technik selbstverständlich wieder zurück an den Hersteller - natürlich nachdem dieser die Vollständigkeit überprüft hat ..."
 
Dieser Bastard.
 
"Dieser Basterd", flüstert auch der PJ, als der Chef hinausmarschiert.
 
Der Chef, ich kann es kaum zugeben, hat das Undenkbare getan - er hat uns einen Schlag versetzt, den uns nur ein richtiger Manager versetzen kann. Er weiß genau, daß die Rückgabe dieser wunderbaren Schatztruhen nach dem Test und der Umstieg auf unsere alte Technik auf uns ungefähr die gleiche Wirkung haben wird wie der Umstieg von einem Rolls Royce auf einen R 5. Ein Schlag tief unter die Gürtellinie.
 
Einen Tag später können der PJ und ich der Versuchung nicht mehr widerstehen - wir spielen mit der neuen Technik. Sie ist leider nicht so gut, wie man es erwartet - sie ist besser.
 
Der Chef macht alles zunichte - er füttert den Einzug des Reißwolfs sowohl mit unserem Bericht als auch mit unserer Einkaufsempfehlung und läßt uns dann stehen, um grinsend in die Kantine zu verschwinden.
 
"Das können die doch nicht machen!" jammert der PJ, als die Leute des Herstellers die Technik wieder einpacken.
 
"Alles in Ordnung, ich bin sicher, wir werden irgendwann derartige Technik bekommen." versuche ich ihn zu beruhigen.
 
"Ja, wenn sie so verdammt alt ist, daß sie nur noch als Kühlung taugt."
 
"Gut", murmele ich. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es mit ein paar Flaschen Bier zum Mittag. Sie mögen doch Bier, oder?"
 
"Das geht heute nicht", platzt er heraus. "Ich habe Sharon gesagt, daß ich sie in der Mittagspause treffe. Und sie hat nur eine halbe Stunde Zeit."
 
Einen Zug an einem Stück Schnur später dämmert es auch dem PJ, als hunderte Papierstückchen wie Konfetti in die Klimaanlage des Erdgeschoßes eingespeist werden. Die Rauchmelder tun, was sie tun sollen, und Notfallplan A läuft an.
 
Wir sichern unsere Zentrale und reihen uns, der PJ, Sharon und ich, in die Schlange der anderen Schafe ein, die das Gebäude über die Notausgänge verlassen. Unterdessen folgt der Frachtlift am anderen Ende des Ganges seiner Notfallprogrammierung und fährt in den Keller.
 
Die drei Kisten mit der Aufschrift ´Weihnachts-Dekoration´ werden nach dem Alarm von der Lagerabteilung ganz bestimmt korrekt gelagert.
 
Ich denke, wir werden sie wiedersehen, wenn der Chef die Verantwortung für das seltsame Verschwinden unheimlich teurer Technik übernommen (und deren Bezahlung organisiert) hat.
 
"Rechts!" rufe ich, als wir ins Tageslicht hinaustreten. "In den Pub. Ich glaube, dort wartet ein Vertreter von Teranet mit ein paar Bieren auf uns."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 24.09.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.