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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Es haben sich einige Beschwerden über den PJ angesammelt - und der B.O.F.H. muß diesen Vorwürfen nachgehen ...

Dies ist ein trauriger Tag für die Netzwerker in der ganzen Welt. Als Netzwerkberater und Vorgesetzter des PJ wurde mir die Aufgabe übertragen, einige Beschwerden, die über den PJ vorliegen, zu untersuchen und angemessene Sanktionen für diese Vorfälle zu empfehlen.
 
Offensichtlich hat der Chef an einem Kurs für ´progressive Personalleitung´ teilgenommen und ist mit einer Wagenladung Handbücher zurückgekommen, die sich mit der Erhöhung der Produktivität und dem Abbau von Streß am Arbeitsplatz befassen. Ich hätte ihm freilich eher die Lektüre von Literatur über die sieben Zwerge und Schneewitchen empfohlen, statt ihn sich mit den wirklichen Problemen des Managements befassen zu lassen.
 
Noch ist es in unserer Etage recht ruhig, so daß ich mich entschließe, diese Ruhe zu beenden. Und natürlich kommt auch prompt ein Anruf aus der Personalabteilung - kaum daß ich um 11 Uhr am Arbeitsplatz erscheine. Bei Gesprächen wie dem bevorstehenden muß immer ein Repräsentant der Personalabteilung anwesend sein, so daß wir uns relativ schnell auf eine Zeit einigen und darauf, daß wir uns in einem ihrer ungenutzten Räume in der fünften Etage treffen. Ups, ich meinte einen Raum für Vorstellungsgespräche.
 
"In Ordnung", beginne ich gleich bei meiner Ankunft. "Ich nehme an, wir wissen, weshalb wir uns heute hier treffen." Ich wende mich an den PJ. "Offenbar liegen drei Beschwerden über sie aus dem letzten Monat vor. Es ist unsere Aufgabe, diesen Beschwerden auf den Grund zu gehen und eine angemessene Antwort zu finden."
 
"Ich verstehe." erwidert der PJ.
 
"Gut, zunächst haben wir hier eine Beschwerde darüber, daß sie einem Mitarbeiter aus der Buchhaltung eine Software-Aktualisierung versprochen, sich aber nicht weiter darum gekümmert haben."
 
"Ja, daran erinnere ich mich." antwortet der PJ.
 
"Erzählen sie es mit ihren eigenen Worten. Wonach hat er gefragt?"
 
"Nun, er rief mich im Büro um 16:50 Uhr an und sagte, daß er WYSIWYG (What you see is what you get [thomas w.]) wolle. Und er wollte es, bevor ich das Büro verlasse."
 
"Was haben sie gemacht?"
 
"Ich habe die Lichter und die Notbeleuchtung auf seiner Etage abgeschaltet."
 
"Und was konnte er sehen?"
 
"Nichts."
 
"Und er bekam?"
 
"Nichts."
 
"Also haben sie seinen Wunsch erfüllt?"
 
"Ich nahm es an."
 
"Ausgezeichnet", rufe ich fröhlich. "Ich glaube nicht, daß ..." legt der Repräsentant aus der Personalabteilung los, doch mein eiskalter Blick läßt ihn sofort wieder verstummen.
 
"Die Fragen stelle noch immer ich, glaube ich. Nun, kommen wir zu der ATM-Sache."
 
"Ja, einer der Erbsenzähler wollte ATM in seinem Zimmer."
 
"Und was taten sie?"
 
"Nun, ich habe unseren Firmenarchitekt gebeten, sein Zimmer in das Erdgeschoß gleich neben den Geldautomaten zu verlegen (ATM - Automatic Teller Machine, Geldautomat [thomas w.])."
 
"Also haben sie seinen Wunsch bestmöglich erfüllt."
 
"Ich glaube, er wollte einen besseren Netzwerkanschluß." erklärt der Repräsentant der Personalabteilung in den Tiefen der Technik verfangen. "Immerhin ist das ja ihr Aufgabengebiet." (ATM - Asynchronus Transfer Mode, ein Netzwerkprotokoll [thomas w.])
 
"Wirklich? Hmm, da könnten sie Recht haben. Aber das werden wir wohl nie genau erfahren, da der Mann die Firma bereits verlassen hat. Offenbar haben ihn die Geräusche des Geldautomaten gestört. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, weshalb er danach gefragt hatte. Seine Pläne, das IT-Budget zu kürzen, konnte er deshalb offenbar auch nicht vollenden ..."
 
"Ein unglücklicher Zufall. Nun gut, die Schuld liegt damit wohl eindeutig bei den Nutzern, die ihre Wünsche nicht deutlich genug äußern. Sie haben ihr Bestes gegeben, auch wenn alles gegen sie zu sprechen scheint. Gut gemacht. Und zum Schluß", fahre ich fort, bevor der Personalabteilungsrepräsentant etwas sagen kann. "Ja, hier haben wir noch die Beschwerde darüber, daß jemand im Korridor hinter der Vermittlungsanlage eingesperrt wurde."
 
"Nun, das war mein Fehler", stimmt der PJ zu.
 
"Ein Datenbank-Mensch wollte prüfen, daß sein Büro korrekt an das FDDI-Netz angeschlossen ist, und muß sich dabei irrtümlich selbst in dem Korridor eingesperrt haben. Ich konnte ihn im Vermittlungsraum nicht sehen und nahm daher an, sie hätten ihn hinausbegleitet."
 
"Ja, das ist ein verständlicher Irrtum", antworte ich. "Das ist mir auch schon passiert. Deshalb sollten wir eigentlich jeden Zugang zur Vermittlungsanlage verbieten."
 
"Das ist doch lächerlich." regt sich Herr Personalabteilung verärgert auf. "Das kann doch gar nicht passieren. Das ist einfach unmöglich!"
 
"Es kann passieren", antworte ich. "In dem Sicherheitskorridor gibt es keine Fenster, so daß man nie wissen kann, ob sich jemand in ihm aufhält. Wir haben diesen Umstand schon mehrfach dem Wachdienst mitgeteilt und nach einer Überwachungskamera gefragt, doch bisher hatten wir leider kein Glück."
 
Es macht mich wirklich sehr traurig, daß er unseren Worten nicht glauben will.
 
"Nun", sage ich etwas später dem PJ. "Ich sehe keinen Anlaß für einen Tadel. Wie wäre es mit einem Bier im Pub?"
 
"Ausgezeichnet." erwidert der PJ. "Soll ich den Sicherheitskorridor prüfen?"
 
"Nein, ich bin sicher, jemand hat ihn herausgelassen, als wir einen Tee in der Kantine tranken. Sorgen sie nur dafür, daß die Temperatur niedrig genug ist, nur für den Fall, daß es in der Nacht eine Hitzewelle gibt."
 
Netzwerk-Grundsatz Nummer 4: Gelegenheiten sind, wie die Zigarren des Chefs, dazu da, ergriffen zu werden ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.09.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.