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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Meinungen über die nötige Notfall-Ausstattung gehen auseinander - bis der B.O.F.H. den Beweis für deren Notwendigkeit erbringt ...

Der PJ und ich studieren Kataloge mit Computerzubehör, als der Chef in unser Büro hereinplatzt. Er hat sich offenbar vorgenommen, einen Anteil vom Budget für die Notfall-Systeme zu fordern, welches dem PJ und mir hinter seinem Rücken zugewiesen wurde.
 
Wir waren natürlich auch recht gut, als wir die Installation einer ´redundanten´ Satellitenschüssel an der Rückseite des Firmengebäudes empfahlen und selbstlos deren Ausrichtung auf ein etabliertes ´Testsignal´ einer niederländischen TV-Station forderten, um der Firma Geld zu sparen.
 
"Was glauben sie eigentlich tun sie hier?" regt der Chef sich auf und wedelt mit einem kräftigen Stapel aus Anforderungsformularen für Notfall-Systeme aller Art, die der PJ und ich ihm vorlegen ließen.
 
"Was meinen sie?"
 
"Die Empfehlung einer weiteren Satellitenschüssel. Wir benutzen nicht einmal die, die wir schon haben."
 
"Ja, aber wenn wir eine an jeder Seite des Gebäudes haben, dann haben wir einen redundanten Zugang zur Außenwelt, wenn die Sendeantennen einmal ausfallen sollten - wie das zum Beispiel bei einem Erdbeben passieren könnte ..."
 
Natürlich ist ein Erdbeben noch unwahrscheinlicher als daß der Chef eine Runde ausgibt, aber sorgfältige Planung erfordert nun einmal die penible Beachtung der kleinsten, obgleich unwahrscheinlichen, Details.
 
Für ein paar Sekunden muß er mit sich kämpfen, um dies zu schlucken. "Machen sie sich doch nicht lächerlich! Wir haben gar keine USV an der Rückseite des Gebäudes."
 
"Ja, aber ich glaube, daß ich das auf Seite 2 erhähnt habe, zwischen der redundanten Espresso-Maschine mit einem zusätzlichen Akku und dem Notfall-Lagezentrum mit einer kompletten Wohnungseinrichtung."
 
"Wenn sie auch nur einen Moment daran glauben, daß die Firma ihnen beiden eine Stadtwohnung bezahlt, in die sie Frauen abschleppen können, dann sollten sie sich lieber andere Gedanken machen", knurrt er. "Und was ihre verdammte Kaffee-Maschine angeht ..."
 
"... nehmen sie die, die gleichzeitig drei Tassen zubereiten kann." vollendet der Geschäftsführer den Satz, als er hereinkommt.
 
"Und da sie noch immer in der Planungsphase sind, dachte ich mir gerade, daß dies hier eine gute Farbe für den Teppichboden im Notfall-Lagezentrum wäre", erklärt er und hält ein Stück eines Axminster-Teppichs hoch, dessen Straßenpreis oberhalb jeder rechtfertigbaren Summe liegt. "Das ist genau der richtige Farbton, der den Stress in einer Belastungssituation vermindern dürfte."
 
Und genau der richtige Farbton, wenn ich mich nicht irre, um dafür zu sorgen, daß die Chancen des PJs und mir, außerhalb der Ferien des Geschäftsführers einen Blick auf ihn zu werfen, ziemlich gering sind. Nun, im Dienste der höheren Sache müssen Kompromisse gemacht werden.
 
Und die höhere Sache in dieser Woche ist die Sicherung von Exklusivität. Natürlich ist die Stadtwohnung an sich schon großartig, doch selbst mit der auf dem Dach geplanten ´wassergekühlten Speichereinrichtung´, selbstverständlich komplett mit einem Sprungbrett, werden der PJ und ich nur mit weiterer Technikaufrüstung glücklich sein.
 
Der Chef verzieht sich - jahrelange Erfahrung hat ihn gelehrt, die Niederlage zu erkennen, wenn sie an seiner Tür klingelt -, um unsere weiteren Vorschläge zu prüfen.
 
"Was zum Teufel soll das sein?" schreit er fünf Minuten später und fuchtelt mit der Empfehlung, die Thin Wire-Verkabelung zu ersetzen. "Das wird ein Vermögen kosten. Und das ist bestimmt kein Notfall."
 
Seltsamerweise ist es ein paar Sekunden einer. Ein verzwickter Terminierungsfehler schlägt zwei Etagen über uns zu, der die Server der Personal-Abteilung vom restlichen Netzwerk isoliert.
 
"Ah, wir brauchen jemanden für Überstunden", sagt der Chef mit gespielter Zwanglosigkeit.
 
"Dann muß das der PJ erledigen. Ich habe in einer halben Stunde einen Termin mit meinem Arzt."
 
"Oh", erwidert der PJ erwartungsgemäß. "Ich spüre die ersten Zeichen einer Migräne und glaube nicht, daß ich damit allein klarkomme."
 
"Aber jemand muß es doch tun - die Server der Personal-Abteilung sind vom Netzwerk abgeschnitten!"
 
"Das ist doch nicht das erste mal, also kein besonderes Problem", sage ich unschuldig.
 
"Aber nicht, wenn am nächsten Tag die Lohnschecks fällig sind! Als das schon einmal geschah, randalierten die Angestellten und zerstörten den Platz! Das war eine richtiger Notfall!" Der Chef verstummt, als er erneut das bekannte Klingeln an seiner Tür hört.
 
Als Netzwerkprofi begeistert es mich immer wieder, daß selbst die vereinte Geschwindigkeit von FDDI, CDDI und ATM schneckenlangsam gegenüber der Geschwindigkeit ist, mit der sich schlechte Neuigkeiten verbreiten.
 
Der Chef gibt auf. "Wieviel?"
 
Müde holt er seine Geldbörse hervor.
 
"Wofür? Für unser Schweigen oder für die Reparatur?"
 
"Beides."
 
"Geben sie sie uns am besten gleich ganz. Wir geben ihnen dann morgen, was übriggeblieben ist."
 
Ein Thin Wire-Kabel und einen Gedächtnisverlust unsererseits später können der PJ und ich einen Stapel Anforderungsformulare mit dem ´Genehmigt´-Stempel und der Unterschrift des Chefs betrachten. Neben einer Stadtwohnung, niederländischer Pornographie und neuen Kaffee-Maschinen geht ein weiterer Traum von mir in Erfüllung - das Ende von Thin Wire ist nahe.
 
"Das müssen wir feiern. Kellner, ihren besten Champagner, bitte. Und wenn das Bargeld aus dieser Börse verbraucht ist, nehmen sie einfach die Kreditkarten."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.09.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.