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| bastard operator from hell | ||
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Ein wenig Sabotage ist nötig, um die System-Abteilung und den Chef zu schlagen ...
Wir befinden uns in der zweiten Woche der PR-Veranstaltung, und es ist endlich etwas ruhiger geworden. Die Leute rufen uns kaum mehr wegen der ´garantierten Antwort´ an. Vermutlich hängt das irgendwie damit zusammen, welche Antwort sie garantiert bekommen. Die Fanatiker der System-Abteilung liegen mit ihrer Hardware in der Popularitäts-Hitparade weit vor uns, der Netzwerk-Abteilung, nachdem sie die Nutzer dadurch bestochen haben, daß sie ihnen ein Terrybyte an Festplattenplatz offerierten und ein elektronisches ´Helft euch selber´ an uns schickten. Wenn wir jetzt jeden Rechner mit 100 Megabit Ethernet-Karten an das Netz anschließen würden, wären unsere Chancen, sie zu überholen, relativ gering. Die System-Abteilung muß geschlagen werden. Das Terrabyte Fesplattenplatz kommt als erstes dran - etwa 20 sorgfältige ´Behandlungen´ mit dem Gefrierspray und dann mit dem Hitzestrahler entlang der Festplattenelektronik dürften für einen märchenhaften ´Zufallsfaktor´ bei der Datensicherheit sorgen. In der Zwischenzeit versucht unser Chef, sich beliebt zu machen, indem er eine kräftige Speichererweiterung des Applikationsservers ankündigt, um wirkliche Verfügbarkeit zu erreichen. Dabei ignoriert er freilich die Ergebnisse der Prüfung durch die Software zur Schwachstellenanalyse, die eindeutig die mangelhafte Arbeitsgeschwindigkeit vor den Monitoren als Ursache ausgemacht hatte. Nun, manchen kann man nicht helfen. Natürlich versucht ein paar Stunden später ein Ingenieur, in unseren Serverraum einzudringen. "Was zum Henker tut er da?" frage ich. "Was meinen sie?" Der PJ ist momentan etwas durcheinander. "Sollte er nicht irgendwo im Lift feststecken?" "Ja, natürlich! Das war mir völlig entfallen. Ah, sie wollen sicher in die 5. Etage." Er deutet auf einen Lift, den nur das Personal und sehr dumme Leute benutzen. Zehn Minuten später ist der Ingenieur zurück. "Dort steht kein verdammter Server!" stößt er hervor, offenbar ein wenig über die kleine Verzögerung erregt, die die Liftprobleme hervorgerufen haben. "Server?" reagiert der PJ. "Ich dachte, sie wollten die Stahlträger in der 5. Etage reparieren." Der Ingenieur schaut ihn unfreundlich an, dann fragt er nach dem Prozessor, der mit neuen Speicherchips ausgerüstet werden soll. Der PJ zieht seine Nutzerkarte durch den Schlitz des Kartenlesers am Eingang der Serverraums. Der Kartenleser antwortet mit dem fürchterlichen ´Zutritt verweigert´-Piepen. Ich versuche es mit meiner Karte, doch habe ich auch keinen Erfolg. "Die Sicherheitsleute haben anscheinend wieder Probleme. Wir warten besser, bis sie wieder am Netz sind. Kaffee?" "Klingt wie ein verdammtes Anfängersystem." kommentiert der Ingenier und folgt dem PJ nach draußen. Kaum sind sie draußen hole ich das Skalpel hervor und entferne das Paketklebeband im Kartenleser wieder. Fünf Minuten später versuche ich es mit meiner echten Zugangskarte, und wir betreten den Serverraum. "So, dieses Baby bekommt also 2 Gigabyte", sagt der Ingenieur und greift nach dem Ausschalter des Applikationsservers. "NEIN!" rufe ich von panischem Schrecken gepackt. "Dieser Server soll nicht aufgerüstet werden. Es geht doch um diesen." Dabei deute ich auf ein System, das so alt ist, daß neben ihm ein 286er hochmodern wirkt. "Sie machen Witze." "Nein. Wieso?" "Zwei Gigabyte für diesen Server würden die Hälfte dieses Raumes in Anspruch nehmen, sofern der Speicher überhaupt adressiert werden könnte, was aber nicht möglich ist." "Aber warum haben ihre Leute das System dann an uns verkauft?" mischt sich der PJ ein. "Das haben wir ganz bestimmt nicht gemacht. Ich bin hier, um diesen Rechner aufzurüsten." Der Ingenieur wird langsam ärgerlich - was die kleinen Äderchen auf seiner Stirn beweisen. "Aber dieser Server braucht keinen zusätzlichen Speicher." "Sehen sie, es gibt hier offensichtlich einige Unklarheiten", sagt der Ingenieur. "Ich muß mit ihrem System-Chef reden." "Der ist leider krank." Ich glaube nicht, daß ich ihm etwas über die Hautentzündungen des armen Mannes berichten werde, die selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit der vor einer Woche erfolgten irrtümlichen Lieferung von Lampen, die sonst in Bräunungsstudios eingesetzt werden, steht. Wir haben damals Wind von der geplanten Kriegserklärung mit dem Terrybyte Speicherplatz gehört. Der PJ hatte zufällig die Telefonanschlüsse überwacht. Natürlich nur mit der Absicht der Serviceverbesserung. Eigentlich ist es unnötig zu sagen, daß einige der etwas klügeren Mitarbeiter Sonnenbrillen und Pullover trugen - selbst als die Zetralheizung plötzlich begann, mitten im Sommer kräftig zu heizen. "In Ordnung", gibt der Ingenieur angesichts unseres Widerstandes auf. "Mein Chef wird Kontakt mit ihnen aufnehmen." Zehn Minuten später ist er gegangen, wobei er uns mit ein paar uralten MFM-Festplatten verläßt, die mit Paketklebeband in seinen Speichererweiterungs-Modulen fixiert wurden. "Ich denke, daß die Kamakuza Speicherbausteine AG den Chef mit einem Anruf und einem Angebot beglücken sollte, dem er nicht widerstehen kann." erkläre ich dem PJ und wiege die neuen Speicherbausteine in der Hand. "Wo ich gerade von Arbeitsspeicher spreche - könnten die beiden Zentralrouter nicht auch bessere Prozessoren brauchen?" Am Ende der Woche hat das Image unserer Abteilung neue Spitzenwerte erreicht. Dank des Gewinns, den wir aus dem Verkauf ungenutzter Speicherchips erzielen konnten, haben die für die Bewertung der Beliebtheit wichtigsten Leute nun 100 Megabit Ethernet-Karten. Unterdessen treffen sich der "Geschäftsführer" der Kamakuza Speicherbausteine AG und der "Geschäftsführer" der Kamakuza Router-Erweiterungen AG im Pub. "Wer hat diese Runde gewonnen?" fragt der PJ. "Sie, oder?" "Ja, ich glaube schon." seufze ich, als ich an die Theke gehe. Das Geschäftsführerdasein besteht leider nicht nur aus Spaß und Freude. Der Bankrott lauert an jeder Theke, wenn man dieses Geschäft richtig betreibt ... |
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© Simon Travaglia, 02.07.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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