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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. lernt nie aus ...

Ich habe mich in den Rechnerraum zurückgezogen, um mit einer Keule den Internet-Überwachungsmonitor des Chefs zu bearbeiten, als eine wichtige E-Mail eintrifft und mein E-Mail-Eingangs-Überwachungsprogramm veranlaßt, mich über eine Mitteilung auf mein Handy zu alarmieren.
 
Das könnte eine ernste Sache sein!
 
Und das ist es. Kaum war ich aufgebrochen, um das Mittagessen für den PJ und mich zu besorgen (Bier und Geflügel-Kebab), bin ich zurück im Büro, um die Nachricht zu entschlüsseln.
 
"Sie wurden auch von der Verschwendungsüberwachung alarmiert?" fragt der PJ aufgeregt und verdirbt mir damit ein wenig den Spaß an der Sache.
 
"Ich lese die Nachricht gerade. Irgendwelche herausragende Neuigkeiten?"
 
"Nuuuunnnn ..." zögert der PJ und versucht, das Formular zur Beantragung einer Weiterbildungsmaßnahme auf Firmenkosten vor mir zu verbergen. "Ich glaube, es ist besonders WICHTIG, daß ich an diesem Seminar über ´Fortschgeschrittene Internet-Sicherheit in herausragenden Netzwerk-Umgebungen´ teilnehme, das nächste Woche in Hawaii stattfindet. Schließlich habe ich im vergangenen Jahr das Seminar ´Einführung in Methoden der Internet-Sicherheit in herausragenden Netzwerk-Umgebungen´ besucht UND muß mich weiterbilden, um dem Stand der Technik folgen zu können."
 
"In der Tat", antworte ich. "Das war doch dieses Seminar, bei dem auf einen Tag mit echter Weiterbildung drei Tage folgten, an denen die Getränke und allerlei Unterhaltung von den Zulieferern bezahlt wurden?"
 
"Die zwei schlimmsten Wochen meines Lebens!" stimmt der PJ zu. "Ich mußte so früh aufstehen!"
 
"Vor 11:00 Uhr?" frage ich mit unterdrücktem Sarkasmus.
 
"Genau."
 
"Die Bar öffnete erst um 11:00 Uhr?"
 
"Jaaaa."
 
"Mit den vier Tagen, die TATSÄCHLICH für Vorträge draufgingen?"
 
"Hmmmm."
 
"Und sie meinen wirklich, sie hätten etwas dabei gelernt?"
 
"Was?! Das war harte Arbeit!"
 
"Das kann ich mir vorstellen - dieses schwierige Zählen der verbliebenen Flaschen in der Minibar, um entsprechenden Nachschub zu bestellen."
 
"Es gab nicht nur Spaß und Spiele. Trotzdem, sie müssen es ja wissen - sie besuchten doch dieses Seminar über Funk-LANs!"
 
"Nur um mich fortzubilden, damit wir bei uns die Schlüssel-Vorteile dieser Technologie einsetzen können, um uns einen strategischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, indem wir auch die Synergie-Effekte in der Zusammenarbeit mit leistungsorientierten Abteilungen nutzen."
 
Der Management-Verwirr-Vokabular-Detektor an der Wand gibt nach diesem Satz Rauchzeichen von sich, also versuche ich, die Sache etwas ruhiger anzugehen, bevor der Feueralarm ausgelöst wird.
 
"Und wie HABEN wir die Erkenntnisse umgesetzt?"
 
"Nun, das haben wir nicht getan, das ist doch offensichtlich, nachdem ich gelernt habe, daß es keinen vertrauenswürdigen Standard dafür gibt, die Sicherheit unserer Transaktionen zu gewährleisten!"
 
"Am ersten Tag - und dann?"
 
"Und an den anderen Tagen traf ich mich mit Kunden und Verkäufern, um mich über die aktuellsten Markt-Entwicklungen auf diesem Gebiet zu informieren und auch zukünftige Entwicklungen nicht zu verpassen."
 
"Mit anderen Worten: Sie ließen sich für die nächsten vier Tage an der Bar füttern und mit Getränken versorgen?"
 
"Nein, es war dort einfach zu laut für ernsthafte Diskussionen, die das Thema versprach - also habe ich nur einen Teil meiner Zeit in gastfreundlicher Umgebung verbracht. Die restliche Zeit habe ich damit verbracht, umfangreiche Notizen auf meinem Laptop zu verfassen."
 
"Bis ihr Laptop kaputtging."
 
"Ja, leider wurde er am zweiten Tag zerstört ..."
 
"Wollten sie nicht, das der Laptop später wegen Wasserschäden repariert wird? Und wie sich herausstellte, war es sehr chlorhaltiges Wasser, wie man es in Swimming Pools findet, oder?"
 
"Ja, ich erinnere mich an eine Diskussionsrunde im Pool-Bereich."
 
"Und an die kleine Diskussionsrunde auf dem Golf-Platz vielleicht auch?"
 
"Wieso fragen sie?"
 
"Der Golfball, der im Netzteil steckte ..."
 
"Ich wollte die Leistungsfähigkeit des Funk-LANs in einer dafür nicht vorbereiteten Umgebung testen, ja - und ich muß zugeben, ich war begeistert."
 
"Also spielten sie eine Runde Golf."
 
"Nein, ich habe meinen PDA mit einer Funk-LAN-Karte genutzt, um an verschiedenen geographischen Punkten Informationen darüber zu sammeln, wie gut das Funk-Signal empfangen werden kann und wie gut die Fehler-Korrektur funktioniert."
 
"Sagen wir ... an jedem Loch?"
 
"Ja, das nehme ich an."
 
"Also haben sie eine Partie Golf gespielt?"
 
"Offensichtlich, anders hätte ich ja gar nichts testen können und Zeit verschwendet!"
 
"In der Tat", kommentiert der PJ trocken.
 
Unser Austausch von Argumenten wird von der Ankunft des Chefs unterbrochen, der mit einem frischen Ausdruck wedelt, auf dem sich eine Seminarbeschreibung befindet, was nur bedeuten kann, daß auch er auf der Empfängerliste der Vergeudungs-Überwachung steht. Schade.
 
"Es sieht so aus, als würde ich in diesem Monat eine Konferenz über ..."
 
"Internet-Sicherheit besuchen?" vollendet der PJ.
 
"Hä?"
 
"In Hawaii?" frage ich.
 
"Uh..."
 
"Es hat den Anschein, daß wir es hier mit einem Interessenskonflikt zu tun haben, wenn wir davon ausgehen, daß uns nur begrenzte Mittel für Qualifikationsmaßnahmen zur Verfügung stehen." erkläre ich und bringe die beiden anderen interessierten Parteien ins Spiel. "Und es scheint nur eine Lösungmöglichkeit zu geben."
 
"Eine argumentenreiche Diskussion?" meint der Chef nachdenklich.
 
"Elektroschocker auf Stufe 5?" fragt der Chef.
 
"Nein, nein - keine dieser Methoden kann die wirkliche Eignung des Kandidaten für einen Kurs dieser Art widerspiegeln. Nein, ich würde ein Verfahren vorschlagen, dessen Ergebnis weitaus überzeugender ist ..."
 
Zwei Minuten später ...
 
"ICH HABE GEWONNEN!" freut sich der PJ, während der Chef und ich wenig begeistert aussehen. "Und es war alles so logisch - ich bin der am besten geeignete Kandidat!"
 
"Ja, sie waren sehr überzeugend. Aber woher wußten sie das?"
 
"Das ist doch ganz einfach!" prahlt der PJ. "SIE SIND ein menschlicher Formularfresser, also mußten sie an die Schere oder an Papier denken, da das Dinge sind, mit denen sie vertraut sind. Also mußte ich nur auf die Schere setzen, da sie sich wahrscheinlich für Papier entscheiden würden."
 
"Aber was ist mit dem Stein, den Simon gewählt hat?"
 
"Simpel. Schere und Papier fallen definitiv weg, weil man mit ihnen einen Rechner nicht nachhaltig zerstören kann. Nebenbei, er nimmt immer den Stein."
 
Ich muß zugeben, daß der PJ richtig liegt.
 
"Das war es dann also?" spöttelt der Chef, als der PJ im Gang einen Freudentanz aufführt. "Sie nehmen ihre Niederlage hin?"
 
"Natürlich." antworte ich großzügig. "Der PJ hat fair und verdient gewonnen, mehr muß ich dazu nicht sagen. Er verdient es - so wie ich es verdient hätte, wäre ich erfolgreicher gewesen!"
 
"Nun, ich muß zugeben, daß mich ihr unerwarteter Sportsgeist überrascht!" murmelt der Chef. "Und wenn sie die Größe besitzen, das Schicksal zu akzeptieren, dann tue ich das auch!"
 
Der Chef verschwindet besiegt, plant aber zweifellos, dafür zu sorgen, daß der Name des Flugscheinbesitzers und für die Hotelreservierung kurzfristig geändert werden kann, sollte den PJ ein unvorhersehbarer Zusammenbruch der Technik in unserer Filiale in Wales von der Reise abhalten. Dieser hinterhältige Hund.
 
Mit diesem Gedanken verstaue ich die zweite Portion Hühnchen-Kebab im Schrank neben der ersten Portion, da es nun so aussieht, als müßte ich in der nächsten Woche für beide, den PJ und den Chef, das Mittagessen bezahlen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 08.04.2002, Übersetzung: thomas w., 2002. Für Nathalie.