diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Geliebte Fesseln!

Ich sitze am Schreibtisch und lese eines dieser Online-Magazine, als der Chef hereinstolpert.
 
"Könnten sie diesen Namen auf unserer Website einstellen?" fragt er und reicht mir eine Hochglanzbroschüre, auf der groß unser Firmenname prangt, der ergänzt wird durch die Web-Adresse unseres Konkurrenten.
 
"Das ist aber nicht unser Domain-Name", murmle ich und deute auf den falschen Text.
 
"Ja, ist das nicht eine gute Idee? Wir werben für unsere Leistungen und benutzen die Web-Adresse unserer Konkurrenz, und dann übernehmen wir all ihre Kunden, weil sie alle auf unsere Website kommen werden!!!"
 
"Sie kommen auf UNSERE Website?"
 
"Natürlich! Die Idee hatte ein Kerl aus der Marketing-Abteilung. Wenn wir ihren Namen benutzen, unseren Web-Server aber anweisen, jeden Besucher zu übernehmen, der ihre Website besucht, dann bekommen wir all ihre Kunden!!!"
 
Die Sache macht mir langsam Spaß ...
 
"Nur noch einmal zur Verdeutlichung - wir benutzen ihre Web-Adresse und lenken damit all ihre Kunden auf unsere Website?"
 
"Indem wir unseren Server anweisen, so zu tun, als sei er ihr Server, genau."
 
"Und das funktioniert - wie?"
 
"Auf die gleiche Weise, wie sie neulich unseren Server so eingestellt hatten, daß es aussah, als sei er der ´www´- und ´jobs´-Server. Virtuelle Websites, sie wissen schon."
 
"Ach so, natürlich! Doch warten sie! Ich habe eine bessere Idee - Warum geben wir nicht vor, microsoft.com zu sein? Dann würden wir all Besucher zu uns locken - und das sind bestimmt mehr, als wir sonst haben! Und wenn die Leute dann automatisch nach Produktaktualisierungen suchen, die Windows unsicherer machen, sehen sie unsere Werbung!"
 
"Sie glauben, daß das funktionieren könnte?!" keucht der Chef.
 
"So gut wie der erste Plan!" erwidere ich.
 
Und bevor ich die Chance bekomme, meinen Fuß noch etwas weiter in die offene Tür zu stoßen, ist er verschwunden, um mit den Leuten vom Marketing seinen neuesten Plan zu besprechen.
 
Der PJ wirft mir zweifelnde Blicke zu, was nur bedeuten kann, daß er glaubt, ich schaufle mir meine eigene Grube ...
 
Eine halbe Stunde später beginne ich zu glauben, daß er richtig liegt. Der Chef ist zurück mit einer langen Liste von DotComs, die von den Marketing-Leuten aufgestellt wurde, um sie für unsere Produkte zu nutzen.
 
"Cisco.com - sehr gut, Yahoo und Hotmail - ausgezeichnet, ja, das ist wirklich eine gute Liste. Ihnen ist aber bewußt, daß die sich beschweren werden ..."
 
"Wirklich?"
 
"Ja. Und dann gibt es rechtliche Probleme - wir haben ja nichts mit deren Angeboten zu tun - der Ärger würde nie aufhören. Das gleiche gilt für Websites von Regierungen und Ministerien."
 
"Oh", schluckt der Chef betroffen und fragt sich zweifellos, wie er die schlechte Nachricht weitergeben soll.
 
"Trotzdem schlage ich vor, daß wir Adressen benutzen, die viele Besucher haben, aber kein so gutes Verhältnis zur Justiz haben."
 
"Aber sie meinten doch, wir können microsoft.com nicht benutzen."
 
"Stimmt, ich dachte ja auch an Porno-Seiten."
 
"Porno-Seiten?"
 
"Ja, Pornographie-Anbieter. Sie haben unheimlich viele Besucher und meist ein nicht gerade glückliches Verhältnis zur Justiz."
 
"Haben die wirklich so viele Besucher?"
 
"Nun, allein aus unserem Netzwerk heraus gibt es mehr Zugriffe auf Porno-Seiten, als unsere Website überhaupt vom Rest der Welt bekommt."
 
"Wirklich?"
 
"Ja! Ich kann ihnen die Protokolle zeigen, wenn sie wollen! Sie wären überrascht, wer so alles was besu ..."
 
"Das wird nicht nötig sein", gibt er ertappt auf. "Und welche Websites sollten wir nehmen?"
 
"Natürlich die populären."
 
"Und das wären?"
 
"Oh, das weiß ich nicht. Ich müßte erst eine Untersuchung starten, um diejenigen herauszufinden, die besonders viel Inhalt bieten."
 
"Wie lange würde das dauern?"
 
"Schwer zu sagen, viel Zeit jedenfalls - zwei, vielleicht auch drei Tage."
 
"Ich muß Programme installieren!" rft der PJ und gibt sich keine Mühe, seine Ablehnung zu verbergen.
 
"Ich denke, die Programme können warten", antwortet der Chef.
 
10 Minuten später ...
 
"DREI TAGE FREI, UM PORNO-SEITEN ZU BESUCHEN!" ruft der PJ. "ICH LIEBE MEINE ARBEIT!"
 
"Ich glaube, sie mißverstehen da etwas", erwidere ich. "Wir suchen Websites, deren Namen wir benutzen können, um für unsere Leistungen zu werben, was bedeutet, daß sie die Websites nach folgenden Kriterien bewerten werden: Anzahl der Besucher; Originalität und Umfang des Angebots; spezielle Inhalte und Reichhaltigkeit. Und wenn sie dann die Websites nach diesen Kriterien beurteilt haben, SCHICKEN SIE MIR DIE LISTE, DA AUCH ICH MEINE ARBEIT LIEBE!!!!"
 
... Drei Tage später ...
 
"... und unglücklicherweise hat sich herausgestellt, daß man gar nicht vorgeben kann, eine Website zu sein, deren Name schon vergeben ist. Der DNS würde die Anfragen nicht einfach deshalb umleiten, weil sie vorgeben, eine spezielle Website zu sein, die es schon gibt!"
 
"Das ist ja furchtbar!" beschwert sich der Chef. "Also können wir nicht einmal die Adresse unseres Konkurrenten benutzen, nachdem wir all die Werbematerialien gedruckt haben?"
 
"So sieht es aus."
 
"Also war das alles komplette Zeitverschwendung."
 
"Zum großen Teil. Immerhin haben wir eine beeindruckende Liste mit kostenlosen Pornograpie-Angeboten."
 
"Hmmm. Vielleicht können wir wenigstens die zu Marketing-Zwecken benutzen. Schicken sie sie mir doch einfach zu."
 
"DAS GLAUBE ICH NICHT!" unterbricht ihn der PJ.
 
"Sehen sie, ich habe keine Lust, mit ihnen zu diskutieren. Schicken sie mir die Liste, damit ich wenigstens einen Beweis dafür habe, daß ich sie nicht drei Tage lang umsonst auf Firmenkosten habe arbeiten lassen."
 
"50 Pfund."
 
"Das ist ja eine Frechheit! Ich werde sie doch nicht noch einmal dafür bezahlen, daß sie auf Firmenkosten Nachforschungen angestellt haben. Und 50 Pfund sind dafür auch ziemlich lächerlich."
 
"Das stimmt", meine ich. "Die Liste ist mindestens 100 Pfund wert! Mit all diesen Teenager- und Bondage-Seiten, von den mit Webcams ganz zu schweigen, die sie gestern gefunden haben."
 
"Bondage?" murmelt der Chef.
 
10 Sekunden später ...
 
"Und geben sie sie auch all ihren Freunden ..." rufe ich dem Chef hinterher, als ich dem PJ seinen Anteil aushändige.
 
"50 Pfund Prämie!" freut sich der PJ.
 
"Ich glaube, es werden noch 100 Pfund."
 
"Nein, nur 50!"
 
"50 jetzt, aber 50 weitere Pfund, wenn der Chef mich in zehn Minuten bitten wird, die Blockierung verschiedener Web-Seiten aufzuheben. Ich habe unsere Internet-Filter gerade mit unserer neuen Liste gefüttert."
 
"Das ist ja wie ein Traum, oder?" erwidert der PJ. "Nur noch viel, viel besser."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 30.03.2002, Übersetzung: thomas w., 2002. Für Nathalie.