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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. ist nett ...

Es ist 9 Uhr, als ich meine morgendlichen Wartungs- und Pflegearbeiten unterbreche (Kontrolle der Drucker-Ablagen, ob jemand heiße Pornos ausgedruckt hat.) und den Chef sehe, der gegen das Glas des Büroeingangs schlägt.
 
"Könnten sie mich bitte hereinlassen?" fragt er durch das Glas und läßt von seiner bisherige Methode ab.
 
"Ich fürchte, daß ich das nicht darf", antworte ich. "Aus unerfindlichen Gründen glaubt das Sicherheitssystem, daß ihnen der Zutritt zu diesem Büro nicht gestattet ist."
 
"Aber das ist doch grober Unfug!" schnappt er zurück. "Ich darf in jedes Büro! Ich habe mehr Zutrittsberechtigungen als SIE!"
 
"Das scheint nicht ganz den Tatsachen zu entsprechen", antworte ich. "Aber das müssen sie wohl mit den Wachmännern klären."
 
Während der Chef vor Wut schäumt, kommt der PJ in der Begleitung eines Kerls von der Nutzerbetreuung.
 
"Was passiert hier?" will der Kauz wissen.
 
"Der Chef ist ausgesperrt." erwidere ich.
 
"Und sie wollen ihn nicht hereinlassen?" fragt der Kauz und bewegt sich auf den Knopf für die Türfreigabe zu.
 
"Normalerweise: ja."
 
"Aber?" fragt er zögerlich.
 
"Nun, es ist doch möglich, daß er gefeuert wurde und man vergessen hat, uns darüber zu informieren."
 
"Das ist doch Unsinn", ruft der Chef hinter dem Glas.
 
"Könnten wir ihn nicht hereinlassen, um die Angelegenheit zu klären?" fragt der Kauz und ist schon beinahe dabei, den Knopf zu betätigen.
 
"Eine Praxis, die sich schon in verschiedenen Büro-Schießereien bewährt hat ..." antworte ich und starre den Chef intensiv an.
 
"SCHIESSEREIEN?"
 
"Ja, sie wissen, jemand wird gefeuert, kommt am nächsten Tag zurück und schießt seine ehemaligen Kollegen nieder."
 
"Statt sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen ..." fügt der PJ hinzu.
 
"Er sieht sehr zornig aus", murmelt der Kauz leise, als er das purpurrote Gesicht des Chefs sieht.
 
"Also, wollen sie den Eingang noch immer freigeben?" fragt der PJ den Kauz. "Ich meine, eigentlich sind wir ja nicht besonders ängstlich, da unser Büro ja gesichert werden kann, und wenn das nicht reicht, ist der Rechnerraum eine wahre Festung."
 
"Das ist doch Unsinn!" ruft der Chef. "Ich arbeite noch hier und ich habe KEIN Gewehr bei mir! Ich BESITZE nicht einmal ein Gewehr."
 
"Und ein entlassener Mitarbeiter lügt nie", antwortet der Kauz, der auf unser Spiel einsteigt.
 
"Ich könnte doch durch das Glas schießen", murmelt der Chef.
 
"Er droht damit, uns zu beschießen!" rufe ich.
 
"Ich sagte, ICH KÖNNT. Wenn ich ein Gewehr hätte!" ruft der Chef.
 
"Sie könnten es in ihrer Tasche verstecken!" sorgt sich der Kauz.
 
"Ich habe kein Gewehr in meiner Tasche."
 
"Könnten sie ihre Tasche öffnen?" fragt der Kauz.
 
"Ich werde meine Tasche NICHT öffnen!" schreit der Chef und erreicht einen neuen Höchstwert in der Skala der Verärgerung.
 
"Was geht hier vor?!" kommt der IT-Chef vorbei.
 
"Das Sicherheitssystem hat ihn ausgesperrt und er droht damit, uns zu beschießen." erwidert der Kauz.
 
"WAS!?!?"
 
"Keine Angst, das ist Panzerglas und explosionsresistent." füge ich hinzu.
 
"ICH HABE KEIN VERDAMMTES GEWEHR!" ruft der Chef, als der PJ, der Kauz und ich einen Schritt vom Glas weg machen.
 
"Das hat er vorhin auch schon gesagt, bevor er uns durch das Glas beschießen wollte", plappert der Kauz und macht einem Feigling alle Ehre.
 
"Rufen sie den Wachschutz!" kommandiert der IT-Chef im Vorgesetzten-Modus.
 
Da er ein guter Arschkriecher ist, hastet der Kauz eifrig davon, und 30 Sekunden später sehe, ich, daß die Ausweis-Karte des Chefs gesperrt ist.
 
(Das nenne ich Arbeit!)
 
"Sie haben gesagt, sie sind auf solche Fälle nicht vorbereitet, aber sie haben die Polizei gerufen!" berichtet der keuchende Kauz dem IT-Chef.
 
"DIE POLIZEI!" ruft der Chef. "Das ist doch nicht zu fassen! Meine verdammte Karte funktioniert nicht, das ist es!"
 
"Er wird immer aggressiver!" bemerkt der Kauz und übernimmt die führende Rolle in der Angelegenheit. "Sind sie sicher, daß das Glas schußfest ist?"
 
"Ja, das ist es." antworte ich. "Aber haben sie schon einmal daran gedacht, daß es wirklich nur an einem Ausweis-Karte liegen könnte, die defekt ist?"
 
"Warum hat er uns dann gedroht, uns zu beschießen?" fragt der Kauz ganz begeistert von seiner Rolle als Perry Mason. "Und warum hat er sich geweigert, uns seine Tasche zu zeigen? Wer weiß, was er alles darin hat!"
 
Ich unterdrücke (mit einiger Anstrengung) den Wunsch, vorzuschlagen "eine Packung Zigaretten und irgendein buntes Magazin" und spiele erneut die Stimme der Vernunft. "Es könnte nur die defekte Karte sein."
 
"Sieht er aus, wie jemand, dessen Karte defekt ist?" schnappt der Kauz zurück und zeigt auf den Chef, der wirklich schlimm aussieht.
 
"Gut, ich werde ihnen meine Tasche zeigen - stellt sie DAS zufrieden?"
 
"Wenn sie uns ihre Tasche zeigen, dann haben sie ihr Gewehr woanders versteckt. Oder sie haben den Sprengstoff in den Schuhen, wie bei dieser Terrorist!" ruft der Kauz zurück.
 
Ich pausiere, um zu betrachten, was daraus geworden ist, den Chef dazu zu bringen, sich eine neue Ausweis-Karte zu besorgen ...
 
Meine Gedanken werden unterbrochen von der Ankunft bewaffneter Polizisten, die den Chef umwerfen und ihn dazu bringen, sich ausgestreckt nach Waffen durchsuchen zu lassen.
 
Eine halbe Stunde später ist alles vorbei und ein sehr ramponierter Chef betritt sein Büro. Aber es setzt sich nicht hin, was wohl mit einer übereifrigen Vermutung des PJs darüber zusammenhängt, wo er seine gefährliche Waffe versteckt haben könnte ... Augenblicke später steht er vor der Tür meines Büros und klopft an das Glas ...
 
Nein, ich kann nicht anders ...!
 
Ich lasse ihn herein.
 
"Ich ... ähm ... Ich wollte ihnen nur für ihre Bemühungen danken, die Situation zu entspannen", murmelt er. "Die Dinge scheinen völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein, als dieser Trottel von der Nutzer-Betreuung sich einmischte. Und ich frage mich ..."
 
"Ob ich dafür sorgen könnte, daß der Kerl unter einem Müllschacht stehen, wenn zufällig gerade eine Kiste mit Konserven aus der vierten Etage herabfällt?"
 
"Uh ... ja."
 
"Der PJ ist schon dabei ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 08.03.2002, Übersetzung: thomas w., 2002.