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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H.-Führer zum Schreiben von Programmen ...

ICH HASSE ES!!!!
 
Der Chef hat mit einem Kauz aus der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung gequatscht, der so weit von der Realität entfernt ist, daß er von Satelliten umrundet wird, und nun sollen wir unsere eigenen Programme entwickeln ...
 
"Aber das ist eine ganz sichere Sache!" ruft er begeistert aus und malt sich vermutlich den Ruhm aus, den er bei der Verleihung des Preises ´Geek des Jahres´ ernten könnte als der Mann, der der Welt eine neue Alternative schenkte. "Wir schreiben einfach unser eigenes Büro-Paket, das sich mit Microsoft messen kann, und verkaufen es zum halben Preis!"
 
"Messen", wiederhole ich langsam, "mit Microsoft?"
 
"Ja."
 
"Dem Unternehmen, dem ein Gericht eine Strafe aufbrummte, die ungefähr die gleiche Wirkung zeigte, wie ein leichter Schlag aufs Hinterteil mit einer zusammengerollten Ausgabe der Tageszeitung?"
 
"Ja."
 
"Und mit Tageszeitung meine ich einen TEIL der Zeitung - wie etwa das ´Feuilleton´ der Bild oder die weniger langweiligen Spalten der Financial Times oder auch den ´realistischen´ Teil im Anforderungskatalog des Kunden."
 
"Hä?"
 
"Kümmern sie sich nicht weiter darum."
 
"Aber es muß doch möglich sein, ein solches Programm zu schreiben, oder?" fragt der Chef und versucht, sein schlechtes Gewissen zu verbergen.
 
"Das ist möglich, ja, aber vermutlich nur schwer machbar."
 
"Wieso?"
 
"Nun, für den Anfang brauchen wir die Entwickler, ganz zu schweigen von den Marktforschern!"
 
"Marktforschung?"
 
"Ja - wegen der Anforderungen. Wir müssen ja wissen, was die Leute erwarten und was sie wollen."
 
"Oh, sie meinen Interessententreffen, Fragebögen und spezielle Kundengruppen?"
 
"Ich dachte eher an eine Besenkammer mit diffuser Beleuchtung, aber sie liegen auch richtig."
 
"Wir wissen doch, was die Leute wollen", ignoriert der Chef meine Einwände und fährt fort: "Wir brauchen, was wir schon haben. Mit weiteren Sicherheitsfunktionen - nun, mit IRGENDWELCHEN Sicherheitsfunkionen - und billiger. Offenkundig entstehen in erster Linie Kosten für die Organisation der Ausbildung und die Reisen."
 
"Reisen?"
 
"Ja, klar. Wir müssen die verschiedenen Möglichkeiten vergleichen, Kunden besuchen, um zu sehen, wie sie mit Problemen umgehen."
 
>PIEP! PIEP!<
 
>VERGNÜGUNGSREISE-ALARM!<
 
Und so beginnt der feine Prozeß der Aufteilung der Beute ...
 
Der Chef weiß offensichtlich, daß sein Projektvorschlag ungefähr so populär ist, wie ein Windows-T-Shirt unter dem Weihnachtsbaum von Richard Stallman und gibt sich verhandlungsbereit ... Er weiß, wenn er etwas bekommen will, muß er mir etwas anbieten, das ich haben will und das den Regeln der Geheimen Richtlinie zur Aufteilung von Firmengeldern entspricht.
 
"Und wer wird diese Besuche machen?" frage ich und beginne mit einer ganz einfachen Frage die Verhandlungen.
 
"Nun, ich dachte an den Projekt-Chef und eine Begleiterin als Sekretärin und persönliche Assistentin." antwortet er.
 
(Mit anderen Worten: "Ich und die neue Sekretärin aus der Chefetage, der nachgesagt wird, sie sei sexuell sehr offen.")
 
"Uhuh", erwidere ich und sende damit das Standard-Signal für Schwierigkeiten (SSfS) aus.
 
"... und natürlich der Technische Project-Manager."
 
(Entschlüsselt: "Und SIE, damit ich ihren Rat bekomme bei der Diskussion der Realisierbarkeit der Dinge ...)
 
"Und ..." füge ich hinzu und sende mit einem erneuten SSfS die Nachfrage nach weiteren Vergünstigungen (NnwV) aus.
 
"Und möglicherweise noch einen Beteiligten, der wichtig für das Projekt ist."
 
Eine Standard-Floskel für: wen immer sie wollen, damit die Kugel ins Rollen kommt.
 
"Nun, ich habe wirklich gerade daran gedacht, daß ich einen persänlichen Assistenten gebrauchen könnte, wenn ich die vielen gesammelten Daten ordnen und auswerten soll. Und da wir uns an externen Plätzen umschauen wollen, sollte dies auch eine Person sein, die nicht aus der Firma kommt.
 
Der Chef stimmt meinem Wunsch zu und besiegelt mit einem Handschlag das Geschäft ...
 
"Ich kümmere mich um die Formalitäten." murmelt er und Rast mit Warp 5-Geschwindigkeit aus dem Büro.
 
... Später bei der Projektbesprechung beim IT-Leiter ...
 
"... was bedeutet, das wir Lizenzgebühren SPAREN und zugleich auch noch Geld VERDIENEN können. Diese Vorteile werden schnell unsere Anfangsinvestition amortisieren!"
 
"Wirklich?" fragt der IT-Chef. "Aber diese Reisen, sind sie sicher, daß sie wirklich notwendig sind?"
 
"Nun, um ein echtes Gefühl für die Wünsche der Kunden entwickeln zu können, ja."
 
"Aber anscheinend haben sie übersehen, daß da noch administrativ höher angesiedelte Aspekte zu beachten sind, wenn ich da an das Management des Projektes und die Vermarktung denke." sendet der IT-Chef ein SSfS aus.
 
"Selbstverständlich wäre die persönliche Präsenz übergeordneter Interessen wünschenswert." Bietet der Chef an.
 
"Ja." meint der IT-Chef, um noch ein NnwV nachzuschicken: "Und vielleicht ..."
 
"Und jemand, der die vielen Notizen und Beratungstermine organisieren kann." gibt der Chef sich großzügig.
 
Einmal mehr wird das Geschäft per Handschlag besiegelt.
 
"Sie machen Scherze", kommt der PJ herein, der das Feuer witterte. "Was ist mit den Kosten für die Entwicklung und die Analyse der Kundenwünsche?"
 
Es kommt im Leben eines jeden B.O.F.H. der Zeitpunkt, da er für eine Vergnügungsreise einen Freund opfern muß. Das ist traurig, aber wahr - und, in der Liebe und in der Computerbranche ist alles erlaubt. Noch dazu, wenn man gerade im Team ein Ballerspiel spielt und ein Team-Mitglied läuft vor die eigene Pistole ...
 
"Nun, wir brauchen keine Analyse, weil wir wissen, wie die Kunden wollen ..." antworte ich und wiederhole die Antwort des Chefs.
 
Als der PJ seine Chancen auf eine Teilnahme an der Reise sinken sieht, versucht er, mich zu torpedieren.
 
"Und die Entwicklungskosen?" wendet er ein.
 
"Ich weiß, daß es etwas kosten wird, aber das kann ich regeln. Entwicklungskosten können berechnet werden, wenn man die Anzahl der Programmierer und Tester kennt, die Preise für die Entwicklungswerkzeuge und den zeitlichen Aufwand - richtig?"
 
"Ja", nickt der PJ.
 
"Und wenn wir an einer Komponente sparen, dann senkt das die Projektkosten insgesamt."
 
"Richtig."
 
"Nun, ich habe mit diese Open Source-Programme angeschaut, und die kosten gar nichts."
 
"Ja?" fragt der PJ, der die Falle erst bemerkt, als es zu spät ist.
 
"Wenn wir also nun die Zahl der Programmierer und Tester nehmen, die Kosten der Entwicklungswerkzeuge - die gleich Null sind, und dann noch den Zeitaufwand ..."
 
"Jaaaaaa?"
 
"Dann kostet uns das keinen Penny."
 
"Warten sie einem Moment", runzelt der IT-Chef die Stirn und fhrt ein paar Berechnungen im Kopf aus, die ihn sichtlich anstrengen. "Wissen sie, ich glaube, er hat RECHT!"
 
Also ist das Geschäft perfekt, die Reise genehmigt und gebucht. Natürlich, ich erwarte, daß bei meiner Rückkehr meine Zimmerpflanzen vergiftet sind, mein PC wird bis auf das Gehäuse ausgeschlachtet sein und die Hydraulik meines Bürosessels wird ferngesteuert werden ...
 
Aber das ist es wert ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.02.2002, Übersetzung: thomas w., 2002.