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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H.-Führer für die Hilflosen ...

"Hmm." murmelt der PJ, als ich wild auf meiner Tastatur herumhämmere, um mein neuestes Werk zu vollenden. "Wie wäre es mit einer Runde Unreal Tournament? Nur sie, ich und ein paar Nutzer, die glauben, sie könnten Kanonenfutter spielen."
 
"Ich WÜRDE ja gern", kommentiere ich. "Aber ich arbeite an meinem neuen Werk ..."
 
"Wirklich? Brauchen sie noch ein paar Zitate?" fragt er und bringt seine kreativen Säfte in Schwung. "Wie wäre es mit: ´Ein Nutzer braucht das Administratoren-Passwort so dringend wie Nitroglyzerin durchgeschüttelt werden muß.´? Nein? Und das hier: ´Wenn sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, während all ihre Kollegen den Kopf verlieren, liegt das möglicherweise daran, daß ein CD-Brenner in ihrem Rechner steckt.´?"
 
"Nun, das klingt ja gut, aber es paßt WIRKLICH nicht zum Inhalt meines neuen Buches." murmle ich und versuche die richtigen Worte zu finden, um die aktuelle Seite zu vollenden.
 
"Worum geht es denn?" fragt der PJ und blickt mir über die Schulter. "´Wollen sie mit dem Feuer spielen, dann rufen sie uns an´?"
 
"Nein."
 
"´Männer kommen vom Mars, die Nutzer vom Uranus´?"
 
"Nein, aber manchmal scheint es so zu sein."
 
"´Ich bin in Ordnung, sie sind ... im Krankenhaus´?"
 
"Nein ..."
 
"´Zen und die Kunst der Computer-Wartung´?"
 
"Nein ..."
 
"Also arbeiten sie an einem neuen Buch?"
 
"So ist es. Und diesmal ist es nicht eines der üblichen Anleitungsbücher, sondern ein richtiges Buch."
 
"Keine Ansammlung aussageloser Sätze mehr?"
 
"Nun, das habe ich nicht gesagt, ich sagte nur, daß dieses Buch anders ist."
 
"Sie schreiben doch nicht etwa ein ´... für Dummköpfe´-Buch, oder?"
 
"Nein, aber sie sind schon nahe dran", antworte ich und zeige ihm die Titelseite.
 
"WINDOWS XP für IDIOTEN!" liest der PJ hinter mir. "Das mag ich!! Aber fehlt da nicht das ´ist´ im Titel??? Und was steht denn eigentlich drin?"
 
"Oh, das sind nur ein paar Windows XP-Hinweise, die ich auf verschiedenen Websites gefunden und mit einer netten Schriftart versehen habe, hier und da ein paar Unterstreichungen und noch ein bunter Umschlag. Und - das ist die wahre Meisterleistung - ich habe alle möglichen Bildschirmfotos zusammengesucht, um den Inhalt aufzuwerten."
 
"Bildschirmfotos?" fragt der PJ verächtlich.
 
"Ja, gäbe es keine Bildschirmfotos und die große Schriftart, wären nur knapp 40 Seiten zusammengekommen. Aber MIT den Bildschirmfotos und der lesefreundlichen Schriftgröße bekomme ich eine Schönheit mit 200 bis 250 Seiten!"
 
"Das wird doch niemand kaufen. Niemand ist so blöd!"
 
"Seien sie sich da nicht zu sicher. Ich drucke gerade den Umschlag aus. Das Buch basiert auf der Idee, daß es jemanden gibt, der zu dumm ist, selbst einfachste technische Dokmente zu lesen, jemanden, für den selbst die ´... für Dummköpfe´-Bücher zu technisch sind. Jemanden, der sich von bunten Farben beeindrucken läßt, von Bildern und dem Schrifttyp Comic Sans Serif. Und wo wir gerade von ihm sprechen ..."
 
Wir beide schweigen, als der Chef mit einem Gesichtsausdruck hereinmarschiert, der nur zweierlei bedeuten kann - er ist verwirrt oder das Abführmittel, das der PJ in sein Schoko-Eclair geschmuggelt hat, beginnt zu wirken.
 
"MMMMMmmm", murmelt der Chef und steigert die Spannung noch ein wenig. "Weiß jemand von ihnen, was das hier ist?"
 
Er hält das erwähnte farbige Titelblatt hoch, das frisch aus dem ´Nur für das Management´-Drucker kommt, der normalerweise aus Kostengründen für wichtige Dokumente wie Geschäftsberichte, Tortendiagramme und nächtliche Pornographie reserviert ist.
 
"Ah, das ´XP für Idioten´-Buch!" rufe ich. "Ist es gedruckt? Hervorragend, darauf habe ich gewartet!"
 
"Für ´IDIOTEN´?" fragt der Chef.
 
"Das ist sicher eine Marketing-Maßnahme", antworte ich. "Der Verlag, der die Bücher verkauft, will Leute ansprechen, die Dinge wissen wollen, über die andere Bücher einfach hinweggehen."
 
"Ja ..." antwortet der Chef und beginnt sich zu interessieren. "Und wieso drucken sie es dann aus?"
 
"Oh, nun, es ist auf der Website zu einem ermäßigten Preis zu bekommen, weil sie dadurch die Kosten für den Druck, die Verpackung und den Versand sparen. Man muß es nur herunterladen und dann selbst ausdrucken - was auch bedeutet, daß man stets die letzte Überarbeitung bekommt!"
 
"Das IST ja wirklich eine gute Idee", sagt der Chef. "Und wie ist das Buch so?"
 
"Schauen sie es sich doch selber an!" rufe ich und deute auf die zusammengeklauten Daten auf dem Monitor, von denen ich behaupte, sie seien mein Werk.
 
"... Gut ..." murmelt der Chef, als er durch das Dokument blättert und ganz offensichtlich Gefallen an Text-Bilder-Verhältnis findet. "Und wie teuer war es?"
 
"Hundertacht Pfund."
 
"HUNDERTACHT PFUND!!" keucht er.
 
"EMPFOHLENER VERKAUFSPREIS", erläutere ich und spiele mit der Naivität des Chefs. "Aber im Web bekommt man es für ... 100."
 
"Das ist noch immer eine Menge!"
 
"Stimmt, aber sie liefern zusätzlich noch eine ´Fortgeschrittener Idiot´-CD und ein T-Shirt mit."
 
"Ein kostenloses T-Shirt?!" keucht der Chef begeistert. "Und wie kann man es bestellen?"
 
"Nun, sie bestellen es auf der Website der ´Gesellschaft der Informationsvermittler für Technik und Technologie, Abteilung für Entscheidungsträger´ - sie sind doch sicher Mitglied, oder?"
 
"Uh, nein ..."
 
"Wirklich? Alle Leute behaupten, sie seien Mitglied."
 
"Oh. Vielleicht bin ich das, ich weiß es nicht genau. Ich bin Mitglied so vieler Organisationen ..."
 
"Gut, dann besuchen sie einfach die Website, geben ihren Nutzernamen und das Passwort ein und sie werden dann die Bestellung an einen der größten Online-Shops weiterleiten, mit dem sie ein spezielles Abkommen haben. Aber sie müssen heute bestellen, weil es die kostenlosen T-Shirts nur noch heute gibt."
 
"Oh! Gut! Und wenn ich meinen Mitgliedsnamen vergessen habe?" fragt der Chef nervös wie jemand, der auf einen Anruf wartet.
 
"Nun, ich denke, daß ich es für sie bestellen könnte. Allerdings habe ich meine Kreditkarte schon mit all den anderen Büchern, bei denen es ebenfalls T-Shirts gibt, überzogen."
 
"Andere Bücher?" fragt der Chef neugierig. Offenkundig muß er weg, will sich aber die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Firma für seine Kleidung bezahlen zu lassen.
 
"Ja, es gibt eine Serie von zehn Büchern."
 
"Für jeweils 100 Pfund?"
 
"Genau."
 
"GUT!" keucht er begeistert. "Hier ist meine Karte. Bestellen sie sie und sagen sie nur dafür, daß ich eine Rechnung bekomme!"
 
Der Chef rast davon, nachdem er seine Karte auf den Tisch geworfen hat, und ich rufe die DVD-Sektion von Amazon auf.
 
...
 
"Ah, er wird schnell zurückkommen!" sagt der PJ und beobachtet nervös den Korridor, während ich meine 1000 Pfund-Bestellung vollende.
 
"Nein, wird er nicht."
 
"Er wird! Er ist in der Herrentoilette am Ende des Korridors verschwunden!"
 
"Die Toilette, in der es an den Innenseiten der Türen keine Klinken gibt?" frage ich.
 
"Ah!" ruft der PJ aufgeklärt. "Sie Bastard!"
 
"Nein, nein", rudere ich zurück. "Ein BASTARD hätte mit Klebstoff die Türen zugeklebt, damit das arme Schwein ausgesperrt bleibt ..."
 
"Sie sind ein Bastard!" sagt der PJ, der Professionalität erkennt, wo er sie sieht.
 
"Durch und durch und jetzt auf der Suche nach einer Website, die T-Shirts druckt."
 
"Also wollen sie wirklich die T-Shirts drucken?"
 
"Wer würde sich die Gelegenheit entgehen lassen, dem eigenen Chef ein T-Shirt mit einem Idioten-Spruch auf der Rückseite unterzujubeln?"
 
"Welcher Spruch?"
 
"Nun, an diesem Punkt kommen sie ins Spiel. Ich brauche zehn. So schnell wie möglich."
 
"Hm. Wie wäre es mit ´IDIOT´ und einem Pfeil, der nach oben zeigt? Einfach nur ´IDIOT´; ´IDIOT UND STOLZ DARAUF´ ... ?"
 
Und so kommt es ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.10.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.