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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Katastrophenschutz ...

Es ist Donnerstag, Zahltag, und der Chef wirkt irgendwie verändert. Das kommt vermutlich daher, daß er wieder einmal sein Büro verlassen hat und wie ein drittklassiger Schauspieler herumgewandert ist, um zu erfahren, was die anderen von ihm denken.
 
"Morgen, wie geht es ihnen?" flötet er, um sich bei uns einzuschmeicheln.
 
"Hallöchen!" antwortet der PJ und schiebt dem Chef großzügig einen Stuhl hin, damit er sich zu unserer morgendlichen Kaffeerunde setzen kann.
 
"Ahm - ich habe gerade einen Bericht der Rechnungsprüfer gelesen", beginnt er und übersieht dabei die geraqdezu beispiellose Respektsbezeugung durch den PJ.
 
"Tatsächlich? Und was stand in dem Bericht?" fragt der PJ, als würde er sich wirklich für ein Gespräch interessieren und beugt sich vor, um diesen Eindruck noch zu verstärken.
 
"Nun, SCHEINBAR haben wir keinen Katastrophenplan - aber ohne einen solchen Plan wollen die uns nicht als ´Ausgezeichneten Service´ bewerten!"
 
"Diese SCHWEINE!" schluckt der PJ. "Moment, sagten sie nicht, wir hätten einen Katastrophenplan?"
 
"Ja, wir haben verschiedene, um genau zu sein", antworte ich. "Allerdings glaube ich nicht, daß die Prüfer die Angelegenheit jemals mit uns besprochen haben - möglicherweise ist das ja das Problem."
 
"Wirklich?" staunt der Chef. "Nun, dann muß ich wohl gestehen, daß ich tatsächlich mit denen darüber gesprochen habe, aber ich wußte ja nicht, daß sie schon an der Materie gearbeitet haben!"
 
"Nun, ich würde sogar sagen, daß ich einen Teil meines LEBENS darin investiert habe!" antworte ich und betone damit, daß das Thema mir wirklich sehr am Herzen liegt.
 
"Oh, gut. Könnten sie mir dann ein paar der Möglichkeiten nennen?"
 
"Selbstverständlich! Schauen sie auf die Wandtafel. Plan 1 zum Beispiel sieht vor, daß wir im Möbellager im Kellergeschoß ein Feuer legen, das, wenn es sich ausbreitet, sich durch die Wand hindurchfressen und dann im Raum mit den Notstromaggregaten auf einen riesigen Dieseltank treffen könnte. Und wenn der Tank erst einmal ..."
 
"Ah, nein. Ich meinte ..."
 
"In Ordnung, danach haben sie nicht gesucht. Wie wäre es, wenn wir einen wirklich schweren Gegenstand auf die Hauptleitung für das Gas fallen ließen? Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis ein Funke ..."
 
"NEIN! Ich will keine Katastrophe AUSLÖSEN, ich will sie BEKÄMPFEN!"
 
"Also Microsoft ausmustern und Linux anschaffen?"
 
"Bitte?!"
 
"Ich vermute, er meinte eigentlich unsere Katatstrophen-SCHUTZ-Pläne", fügt der PJ hilfsbereit hinzu.
 
"ACH SO MEINEN SIE DAS!" rufe ich aus. "Sie wollen wissen, was wir für Pläne haben, um alles wieder zu richten, wenn etwas schreckliches geschieht!"
 
"JA!" bestätigt der Chef. "Und dafür haben wir nur noch einen begrenzten Zeitrahmen, denn wir müssen vor dem Ende des Monats diese Pläne vorlegen!"
 
"Oh, in Ordnung." murmle ich nachdenklich. "Also wollen sie wissen, was wir machen, wenn es zu einer Katastrophe kommt?"
 
"JA!!!!"
 
"Nun, das hängt ganz offensichtlich von der Art der Katastrophe ab."
 
"Ja, ja, aber wie sieht der Plan im Fall eines großen Feuers aus?"
 
"Nun, als wichtigste und erste Maßnahme wird, sofern wir im Gebäude sind, derjenige von uns die Blockierung für das Feuerlöschgas aufheben, der dem Rechnerraum am nächsten ist."
 
"Und der andere?"
 
"Der rennt zu den Erbsenzählern und leitet sie an, sich von allen Fenstern zu entfernen und sich in die sicheren Bereiche unter den Schreibtischen, in den Türdurchgängen oder Aktenschränken zurückzuziehen."
 
"Uh, ist das nicht die Vorschrift für Erdbeben?"
 
"Nicht für die Erbsenzähler. Bei einem Erdbeben müssen die Erbsenzähler ..." gebe ich vor und an den PJ weiter.
 
"... die Sicherheitsbereiche vor massiven Bücherschränken, unter massiven, großen Objekten oder in der Nähe von Glastüren aufsuchen."
 
"EXAKT!" rufe ich.
 
"Ich glaube nicht, daß sie darüber wirklich richtig nachgedacht haben", kommentiert der Chef.
 
"Oh doch, wir haben an alles gedacht. Schauen sie sich einfach die NOTFALL-INSTRUKTIONEN in der Arbeitsschutzanleitung der Erbsenzähler an. Ich bin besonders stolz auf den Abschnitt über das Verhalten bei Bombendrohungen."
 
"Ist das die Anweisung, nach der die Leute mit fuchtelnden Armen direkt auf die bewaffneten Polizisten zulaufen sollen und dabei ´Ihr kriegt mich nicht lebend, ihr Schweine!´ rufen sollen?" fragt der PJ.
 
"Genau diese!"
 
"Ich LIEBE diese Anweisung!"
 
"Lassen wir das", meint der Chef und zieht es offenbar vor, sich nicht weiter in den Morast hineinzubegeben. "Ich will wissen, wie wir unsere Arbeitsfähigkeit WIEDERHERSTELLEN können, wenn die Gefahr vorüber ist."
 
"Ich glaube, der Plan sieht vor, daß wir zur Arbeit kommen und nach einer Inspektion der Technik und des Schadens im Gebäude entscheiden, was zu tun ist." erwidere ich.
 
"Das ist doch kein Plan!"
 
"Doch, das ist es! Es ist ein sogar ein großartiger Plan!" übertreibt der PJ unsere Verteidigung ein wenig. "Sie haben mich doch selbst auf dieses 3-Tage-Seminar zu diesen Leuten geschickt, damit ich etwas über Katastrophen-Behebung lerne!"
 
"Aber stand da nicht etwas von ... uh ... >blätter< ... ´Rund-um-die-Uhr-Sofort-Service´ in der Beschreibung?" fragt er und deutet auf seine Notizen.
 
"DA STAND WAS?!?! Es gab da diesen Strip-Club am anderen Ende der Straße. Dort wurde sofort ..."
 
"ES GEHT UM DIESEN BANDSICHERHEITS-SERVICE!!"
 
"Ach, der! Ja, das haben sie, glaube ich, einmal erwähnt, aber das ist eine Katastrophe - wir würden unsere Bänder nicht so schnell bekommen, um die Daten hier wiederherzustellen! Abgesehen schon einmal davon, daß wir gar nicht wissen, welche Version der Daten wir dann irgendwann bekämen. WENN wir natürlich in der Liste ihrer Kunden etwas aufsteigen würden, wenn wir deren bester Kunde werden könnten, ginge das vielleicht mit dem Sofort-Service. Aber da müßten wir uns mit einer Investment-Bankengruppe anlegen, soviel Geld haben wir nicht."
 
"Wir können über die Bänder nicht sofort verfügen?" will der Chef wissen und umgeht dabei das wahre Problem wie ein echter Profi. "Aber wir zahlen 3.000 Pfund pro Jahr für diesen externen Bandsicherungsservice! Diese Leute kommen jeden Tag! Manchmal sogar ZWEIMAL! Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen!!!"
 
Nun ist wohl nicht der richtige Augenblick dem Chef zu erklären, das der Typ zwar Bänder liefert und abholt, es sich dabei aber um Bänder seines Video-Verleihs in Bromley handelt.
 
"Und es ist auch ein hervorragender Service!" erkläre ich stattdessen. "Aber wenn es wirklich eine Katastrophe gibt, wären die Straßen für den privaten Verkehr gesperrt, WENN man die Leute vom Bandsicherungsservice überhaupt wieder in IHR Gebäude hineinlassen würde, um für uns die Bänder zu holen. Selbst WENN wir DEREN wichtigster Kunde wären ..."
 
"Also sind wir in jedem Fall angeschmiert?" seufzt der Chef.
 
"Genau - deshalb heißt es ja auch Katastrophe. Wir haben hier nur unsere persönlichen Vorkehrungsmaßnahmen."
 
"Und die wären?"
 
"Wir ruinieren die anderen Vertragspartner, indem wir sie mit Schadenersatzforderungen wegen grober Fahrlässigkeit überziehen, bevor sich die Bandsicherungsleute um uns kümmern können. Dann verstecken wir uns in der Dritten Welt (Liverpool), lassen etwas Gras über die Sache wachsen und schließen dann mit einer anderen Firma einen Vertrag."
 
"Aha ... Könnte ich eine Kopie von diesem Plan bekommen?"
 
"Natürlich, kein Problem!"


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 27.08.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.