diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Nutzer-Betreuung und der Roman ...

Trotz all unserer Bemühungen wurden der PJ und ich wieder einmal gefragt, ob wir für die Nutzer-Betreuung einspringen können. Heute, denn sie haben sich einen freien Tag verordnet, um sich gegenseitig zu versichern, wie gut sie doch sind, und veranstalten eine Gruppenfummelei zur 'Vertrauensbildung'.
 
Normalerweise hätte ich gegen einen solchen Wunsch auch ein wenig protestiert, doch die Verlängerung der Arbeitsverträge steht bevor und sollte es zu einem spürbaren Ausfall kommen, würde das die Wichtigkeit unserer Arbeit noch betonen. Und bis dahin müssen noch ein paar Stunden vergehen, wenn man einem billigen mechanischen Zeitmesser vertrauen kann ...
 
Inzwischen verstaltet die Nutzer-Betreuung Ringelpietz mit Anfassen irgendwo in der Stadt ...
 
Zum Glück verbindet den PJ und mich eine stabile Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruht und durch die Angst vor höheren Stromstärken noch verstärkt wird ...
 
Zurückblickend hat sich die Guter Kerl/Böser Kerl'-Methode vor ein paar Wochen ganz gut bewährt, wobei der PJ der Sieger darin blieb, die Zeit zwischen dem Wechsel der Rollen immer weiter zu verringern, bis ich nur noch manisch depressiv zuschauen konnte. Doch damit ist es nun vorbei, seitdem der Chef die Woche der Professionalität ausgerufen hat. Ich habe ihn gefragt, ob er damit die Professionalität von Jean Reno meint, doch irgendwie hat er mich nicht verstanden ...
 
"Hallo", sage ich und greife zum Hörer, um den ersten Anruf entgegenzunehmen. Die Rufnummern-Identifizierung bringt das "Schwieriger Kunde"-Symbol auf dem Bildschirm - ein Symbol, das der PJ und ich nur wirklich harten Fällen zuordnen, die, um im Jargon der Nutzer-Betreuung zu sprechen, mit oberster Priorität behandelt werden sollen - Pffft!
 
"Hallo, ich frage mich, ob es eine Möglichkeit gibt, meinen Computer zu sichern."
 
"Oh, das tut mir leid, die OS/2-Installations-CD habe ich vor ein paar Wochen verborgt. Warum versuchen sie es nicht mit Netscape 6.0 - ich habe einige gute Berichte darüber gehört."
 
"Und das würde meinen PC sicherer machen?"
 
"SICHERER? Oh, da haben wir uns mißverstanden. Warum nehmen sie nicht 'Arbeitsstation sperren', wenn sie CTRL-ALT-DEL gedrückt haben?"
 
"Weil dann ein Administrator den Schutz umgehen und sich trotzdem anmelden kann. Und damit kann er auf meine privaten Daten zugreifen!"
 
"Also etwa so, wie wenn man das BIOS kurzschließt und dann startet?"
 
"Der Rechner startet nicht ohne Passwort!"
 
"Also müßte man das BIOS komplett löschen und dann den Rechner kurzschließen?"
 
"Das geht nicht. Das Gehäuse ist versiegelt." antwortet er selbstgefällig.
 
Se->Klickklack<-ufz.
 
"Nun, es scheint, als hätten sie an wirklich alles gedacht", fasse ich zusammen und starte eine meiner Eigenentwicklungen, die eine Auflistung der Nicht-Standard-Daten seiner Festplatte auf den Monitor zaubert. "Meinen sie mit 'privat' etwa Sachen wie ... >Klickklick< ... 'Die Sommerromanze' von Sharon Thwaite?"
 
Das unterdrückte Keuchen am anderen Ende der Leitung kann nur eins bedeuten: Zahltag!
 
"Sie verfassen Pornographie für Hausfrauen auf ihrem Rechner?!?"
 
"DAS IST MEINE GESCHICHTE!" geht er in die Defensive.
 
>Klickklack-Klick<
 
"Nun, TECHNISCH betrachtet, gehört die Geschichte der Firma", korrigiere ich ihn. "Was für alle Daten auf den Rechnern der Firma gilt. Das ist Bestandteil ihres Arbeitsvertrages. Aber für 10 Pfund verkaufe ich ihnen die Geschichte!"
 
"Und für eine Tüte Kartoffelchips", fügt der PJ hungrig hinzu. "Salz und Essig!"
 
Ein paar Klicks genügen, ihn davon zu überzeugen, daß die Datei nicht mehr da ist, wo er sie gespeichert hatte.
 
"Sie haben sie gelöscht?"
 
"Haben sie denn eine Sicherheitskopie?" frage ich.
 
"Sicherheitskopien vertraue ich nicht. Die Administratoren machen das doch nur, um sich dann unsere Dateien anzuschauen. Das haben sie auch schon gemacht!"
 
"Natürlich haben sie das", antwortet der PJ und schaltet sich in die Konferenzschaltung ein. "Die machen sowas. Erinnern sie sich noch daran, wie sie mit einer E-Mail gegen den Strafzettel wegen Falschparkens vorgehen wollten? Nur hatte sich die Nachricht auf mysteriöse Weise verändert und zeigte schließlich ein Bild mit zwei kopulierenden Pavianen und der Unterschrift 'Polizisten sind Idioten!'."
 
"Dafür haben sie mich zwei Wochen lang gejagt", jammert er. "Sie haben eine gelbe Linie unter meinen Wagen auf die Straße gemalt und ihn das abgeschleppt. Dreimal!"
 
"Diese Administratoren sind eche BASTARDE, nicht wahr?" murmelt der PJ und unterdrückt ein lautes Lachen.
 
"Das sind sie!"
 
"Geschah das bevor sie sich geweigert haben, den Staub aus ihrem Rechner zu entfernen, weil sie gelesen hatten, davon gehe eine Gefahr aus, oder war das danach?"
 
"Ich ..."
 
"Oder ist das passiert, nachdem sie die Administratoren verpfiffen haben, weil diese ein raubkopiertes Spiel auf zwei Rechnern installiert hatten?"
 
"Das WAREN Raubkopien! Und sie hatten während der Arbeitszeit gespielt! Und sie weigerten sich, mir bei meinem Problem zu helfen."
 
"War das das Problem mit ihrem Monitor, den sie verstellt hatten?"
 
"Ja, aber woher wis ... Oh ..."
 
"Genau", beantwortet der PJ die unausgesprochene Vermutung.
 
"Und jetzt haben sie etwas gelöscht, an dem ich ein Jahr lang gearbeitet habe!" wimmert er.
 
"Nein, nein, wir haben es nur sichergestellt. Wie wir das mit allen Daten machen, die der Firma gehören. Wir sind schließlich Profis! Und das tun wir, bis die Firma kein Interesse an ihnen mehr hat, dann ..."
 
"Sie dürfen sie nicht anrühren! - Das ist die berichtigte Überarbeitung!!! Ich will sie am Nachmittag an den Verlag schicken!" keucht er.
 
"Wenn sie den Ausdruck mit der Post verschicken, warum sollten wir das Manuskript dann sichern?" fragt der PJ.
 
"Weil ich noch in der Post-Zentrale ein paar Briefmarken holen muß!"
 
"Nicht während der Arbeitszeit, oder?!" frage ich und stelle seine Loyalität zur Firma auf die Probe.
 
"Natürlich nicht", lügt er. "Damit hätte ich bis zur Mittagspause gewartet."
 
"Also können wir davon ausgehen, daß die Firma die Daten bis dahin brauchen könnte, aber dann ..." fügt der PJ hinzu.
 
"Ich hole schnell die Kartoffelchips!!!" ruft der Anrufer in den Hörer.
 
...
 
"Es ist nicht besonders aufregend", meint der PJ, der sich den Text anschaut. "Die Sache braucht etwas mehr ..."
 
"Ein zusätzliches Kapitel vielleicht?"
 
"Mit pelzigen Landbewohnern?" fragt der PJ mit teuflischem Grinsen.
 
"Warum nicht! Und ich werde mich darauf konzentrieren, das Vokabular etwas zu erweitern. Mit Worten wie 'Ständer', 'Liebesspender' oder 'pulsierender, geaderter Lusthammer' und so weiter."
 
"Wenn wir damit fertig sind, wird es das Werk problemlos in die Hitliste des Amsterdamer Fetisch-Festivals schaffen!!!" kichert der PJ.
 
"Gute Idee - ich rufe mal eben bei Piet an!!!"
 
Es stimmt schon, was man sagt - man MUSS sich seine Träume verwirklichen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.09.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.