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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und der Sicherheitsspezialist ...

Eines Tages kommen der PJ und ich nach der Mittagspause, die wir nur unterbrochen haben, um mit den Leuten vom Wachdienst das Glas zu heben, zur Arbeit, um den Chef dabei zu sehen, wie er und der Chef der Sicherheitsabteilung die Köpfe zusammenstecken.
 
Das gefällt mir nicht.
 
Und tatsächlich steht solches Verhalten weit oben auf der Liste der Dinge, die ich nicht mag, irgendwo zwischen Sklavenhändlern und einem Austin Princess als Transportmittel. (Aber noch weit, weit hinter Anhängern von OS/2 ...)
 
Einzige Grund dafür, daß der Chef geradezu intim mit jemandem redet, ist, daß er etwas will. Und das einzige, was er vom Chef der Betriebssicherheit verlangen kann, sind, abgesehen von Tips, wie man mit offenen Augen schläft, Informationen, die etwas mit Sicherheit zu tun haben. Also zum Beispiel darüber, wer heimlich in die Garderobe geschlichen ist und das ´Tritt mich´-Schild an der Rückseite seiner Jacke befestigt hat, bevor er auf dem Heimweg in die U-Bahn sprang.
 
Offenbar wird es nun Zeit, mich von dem Besucherausweis und dem bewährten Filzstift zu trennen, die mir so gute Dienste geleistet haben ...
 
Nun gut.
 
Wir kommen in unserer Missions-Zentrale gerade rechtzeitig an, um den nervös durch das Büro marschierenden IT-Chef zu erwischen.
 
"Ah!" begrüt er uns. "Da sind sie ja endlich!"
 
Zwischen "Erbsenzähler" und "PDA" stehen auf der Liste auch "IT-Manager, die sich darüber freuen einen zu sehen". Ich ahne schreckliches.
 
"Ich habe hier einen Vorschlag, den sie sich einmal anschauen sollten. Und sagen sie mir bitte, ob sie von den Schlußfolgerungen überzeugt sind."
 
Er reicht mir ein Blatt Papier, das offensichtlich eine Handarbeit des Chefs ist. Selbstverständlich, auch das De-facto-Siegel des Chefs, der Abdruck des Randes des Bodens einer Kaffeetasse, fehlt nicht, doch allein die Grammatik und das Fehlen jeglicher Interpunktion ist schon überzeugend genug.
 
Ich überfliege das Blatt, das im ´Englisch als Fremdsprache´-Kurs höchstens mit einer 3+ bewertet würde, und mir wird alles klar.
 
Weil er in den letzten Wochen immer wieder etwas über Sicherheitsprobleme des IIS (MS Internet Information Server [thomas w.]) gehört hat, will der Chef einen ´Sicherheitsbeauftragten´ anheuern, der dafür sorgt, daß unsere Website immer an vorderster Front der natürlich siegreichen Kämpfer gegen Angriffe aus dem Internet steht.
 
Ich lese weiter und muß erfahren, daß er dem PJ und mir nicht zutraut, uns immer aktuell über neue Sicherheitslecks der von uns verwendeten Programme zu informieren, während wir gleichzeitig unsere anderen Aufträge erledigen.
 
DAS verletzt mich WIRKLICH! Nach all der Mühe, die ich mir nach dem letzten CERT-Sicherheitsbulletin damit gemacht habe, ihm das Problem anhand eines mit Photoshop bearbeiteten Bildes von ihm, das ihn schließlich bekleidet mit einem schlichten Kartoffelsack zeigte, zu verdeutlichen!!
 
Aber den wahren Künstler scheint niemand zu schätzen.
 
"Ich denke, wir sind durchaus in der Lage, für die Sicherheit unserer Systeme zu sorgen!" erkläre ich empört.
 
"So sicher, daß ein animiertes Bild von mir in einem Balletröckchen das Firmenlogo vor drei Wochen ersetzen konnte?" kontert er.
 
Das hatte ich glatt vergessen. Nun, DAS war wirklich Handwerkskunst.
 
"Es wurde auf den Server geschmuggelt, noch bevor eine aktualisierte Version der Software verfügbar war." rufe ich. "Ich ..."
 
"Das können sie anderen ERZÄHLEN!" unterbricht er mich. "Mehr als eine Woche scheint niemand es bemerkt zu haben, und selbst dann hat es noch drei einmal Tage gedauert, es zu entfernen!! Wie würden sie ein solches System denn nennen?"
 
Ich schätze, daß die Antwort: "Ein System, das darauf wartet, daß der PJ aus dem Urlaub zurückkommt und etwas zum Lachen hat" nicht dem entspricht, was er hören will, also entscheide ich mich, an dieser Stelle lieber zu schweigen ...
 
Nun gut ...
 
Zwei Tage später kommt unser neuer Sicherheitsinspektor an. Er trägt eine Safariuniform. Eine wirlich traditionsbewußte Ausrüstung und Tarnung.
 
"Hallo Kameraden", sagt er am Ende der kurzen Besichtigungstour durch das Büro und unsere Zentrale. "Ich nehme an, sie sind die beiden, denen ich Tips geben soll, wie die Firewall und vor allem der Webserver konfiguriert werden müssen. Können wir uns morgen dazu treffen ... sagen wir um 9:00 Uhr?"
 
"9:00 Uhr", murmle ich vernehmlich, da ich wirklich nicht in der Stimmung bin, alte Lebensgewohnheiten einfach zu ändern, indem ich zur Unzeit auf Arbeit auftauche ... "Wie wäre es um 10:30 Uhr?"
 
"Nein, nein - Morgenstund hat Gold im Mund - meine Zeit und mein Budget sind begrenzt. Von 10 bis 11 Uhr habe ich morgen eine Beratung mit den Leuten vom Wachdienst, um die anderen Punkte zu besprechen. 9 Uhr ist gut."
 
"Das können sie vergessen", erwidere ich, der ich nur schwer zu reizen bin, wenn man einmal von dem absieht, was der PJ erzählt, wenn er glaubt, ich sei außer Hörweite ...
 
"Wie bitte??!"
 
"Ich sagte, darauf können sie sich verlassen!" antworte ich.
 
"Ausgezeichnet, und wohin soll ich das hier schieben?"
 
... EINE MINUTE SPÄTER ...
 
"Ich sagte, er solle es in sein BÜRO schieben!" Beantworte ich die Anklage des Chefs wenig später. "Was will er denn gehört haben?"
 
ZWEI TAGE SPÄTER.
 
"... und Nessus hat verschiedene offenkundige Schwachstellen in einigen der weniger gebräuchlichen Internet-Diensten entdeckt. Zum Beispiel einen FTP-Server, auf dem jeder auf der Welt Schreibrechte hat, der offenbar voller pornographischer Bilder war, und zum Schluß auch noch einen E-Mail-Server, der jede ankommende Nachricht mit einem Virus beantwortete ..."
 
"Das ist der Server, den wir benutzen, wenn wir eine E-Mail-Adresse in Verzeichnisse aufnehmen lassen wollen, die sich zu weigern, ihre Kontaktdaten in ihren Datenbanken zu speichern." erwidert der PJ.
 
"Ja." kommt die trockene Antwort unseres ´Kollegen´. "Wie dem auch sei, ich habe nun alle betroffenen Server gesichert, habe die Server-Software und die Betriebssysteme auf den aktuellen Stand gebracht und habe ebenfalls die unmoralischen und illegalen Inhalte gelöscht."
 
"Mein Porno-Archiv!" schnappt der PJ betroffen nach Luft.
 
"Alles auf den Bändern mit den Sicherheitskopien", tröste ich ihn. Und wo ich gerade so schön in Schwung bin, spende ich auch unserem Berater Trost.
 
"Das tut mir sooo leid", murmle ich, als ich den 19 Zoll-Monitor von seinen Füßen hebe. "Das war furchtbar ungeschickt von mir, aber ich hätte schwören können, daß ich das Gerät aus der Verpackung genommen und seinem ursprünglichen Besitzer ausgeliefert habe, nachdem die Polizei es zu uns zurückgebracht hatte."
 
"Polizei?" fragt er neugierig geworden. "Wieso?"
 
"Oh, Diebstahl. Sie wissen schon, Diebstahl durch Mitarbeiter. Es gibt eine Menge davon, müssen sie wissen - beinahe täglich verschwindet ein Gerät, um ehrlich zu sein. Irgendjemand parkt sein Auto vor dem nicht mehr genutzten Lastaufzug am Lieferanteneingang und verschwindet dann mit dem einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand."
 
"Und wie verlaufen die Ermittlungen?"
 
"Nun, um einen ganz sicheren Beweis zu haben, müßte jemand den oder die Täter auf frischer Tat ÜBERFÜHREN und ich werde ganz sicher nicht die ganze verdammte Nacht damit verbringen, in einem abgeschriebenen Teil des Gebäudes herumzuhocken, um auf etwas zu warten, das dann vielleicht doch nicht eintritt."
 
"Und was ist mit den Überwachungskameras?"
 
"Keine Chance, dieser Lastaufzug wurde niemals überwacht."
 
"Nun, dann werde ich das übernehmen! Ich habe aus Nigeria meine Infrarot-Ausrüstung mitgebracht. Ich werde ihnen ihre Beweise liefern!!"
 
Zwei Tage später ...
 
"... und er kam nicht zurück?" fragt der Chef.
 
"Nein, er hat etwas von Nigeria und Malaria erzählt, und das war es dann auch schon."
 
...
 
"Ich verspüre etwas Mitleid mit ihm." gesteht der PJ.
 
"Ach, Unfug!" antworte ich und deute auf den Monitor der Infrarot-Überwachungsanlage. "Sehen sie doch, er hat diesen alten Topf mit Nudeln gefunden. Das sollte ihm noch über einen weiteren Tag hinweghelfen! Und er hat noch immer eine halbe Tasse Urin übrig. DAS IST PURER LUXUS!"
 
"Trotzdem, ich ..."
 
"Gut, wir sind im Moment ein wenig überlastet, aber ich überlasse es ihnen. Sie können ihn befreien bevor er geisteskrank wird ODER sie stellen ihr Porno-Archiv wieder her."
 
"Dann nehme ich die Bänder mit der Sicherung ..."
 
So soll es sein.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 31.07.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.