![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Wie man den B.O.F.H. zufriedenstellt ...
Es geschieht nur selten, daß ich mich über die herkömmliche Post freue, und diese Ausnahme bestätigt nur die Regel. "Du kleine SCHÖNHEIT!" rufe ich und wedele mit einem Stück Papier, als sei es die ´Du kommt aus dem Gefängnis frei´-Karte. "Und für normale Menschen würde es was bedeuten?" fragt der PJ, offensichtlich eingeschnappt, da er das Gefühl hat, etwas verpaßt zu haben. "Lieber Kunde", lese ich vor. "Als häufigen und geschätzten Käufer unserer Produkte und Dienstleistungen möchten wir sie bitten, uns bei einer Befragung zu helfen, bei der es darum geht, wie zufrieden sie mit uns sind. Als kleine Aufwandsentschädigung für ihre Mühe werden wir ihnen einen Präsentkorb schicken. Bitte melden sie sich bei der unten angegebenen E-Mail-Adresse, um einen Termin mit ihrem Kundenbetreuer zu vereinbaren. P.S.: Unter allen Teilnehmern verlosen wir ein Wochenende für zwei Personen in Paris!" "Ein Präsentkorb und ein Wochenende in der Hauptstadt der Froschfresser", schnieft der PJ sarkastisch. "Jetzt verstehe ich ihre Begeisterung, glaube ich ..." Ich ignoriere seinen Spott in meiner Eile, das Anschreiben zu beantworten. "Hm, welcher Termin wäre noch frei?" frage ich mich laut. "Zwei Wochen sind eine zu lange Zeit - ich will so schnell wie möglich ..." ... DREI TAGE SPÄTER ... "Ich muß sagen, daß ich ihre Begeisterung sehr zu schätzen weiß!" erklärt Paul, unser Kundenbetreuer, als er mir zum fünften Mal in diesem Jahr ein Exemplar seiner Visitenkarte reicht und mir die Hand schüttelt, um mich mit seiner Kontaktfreudigkeit auf seine Seite zu ziehen. Der arme Kerl. "Oh, ich bin immer bereit, ihnen bei einer Befragung behilflich zu sein - wie sollten sie denn sonst wissen, wie zufrieden wir mit ihnen sind?!" schmiere ich ihm Honig ums Maul und verdiene mir damit das goldene Abzeichen für Arschkriecher. "Ja, nun, das wissen wir wirklich zu schätzen. Und das ist ... ähm ... ihre Reinigungsfachkraft?" fragt er bemüht freundlich und deutet auf den PJ. "Assistent!" korrigiere ich, bevor dem PJ die Hand ausrutscht und ein Ziegelstein auf den Hinterkopf von Paul sausen kann. "Oh, mein Fehler. Ausgezeichnet, dann fangen wir doch gleich an! Ich weiß nicht, wie weit sie über solche Befragungen informiert sind ..." "Ein wenig." unterbreche ich ihn. "Ich habe früher an einigen teilgenommen. Zugegeben, die letzte Befragung liegt schon drei Jahre zurück, und die wurde auch nicht durch ihre Firma durchgeführt - offenbar haben sie Kundenbefragungen für eine Weile eingestellt. Sie hatten wohl aufgegeben, danach zu forschen, was ihre Kunden wirklich wollen?" frage ich und spiele die Microsoft-Karte aus. "NEIN, NATÜRLICH NICHT!" keucht er. "Nein, wir haben die letzten drei Jahre damit verbracht, einen Fragebogen auszuarbeiten, der besser die Fragen abdeckt, auf die wir Antworten wollen. Und um weniger ... hm ... Verfälschung durch unpassende Kriterien zu haben." "Verfälschungen?" will ich wissen. "Ja." antwortet er. Eine vielsagende Pause später fährt er fort: "Nun, wissen sie, wir haben herausgefunden, daß die Kunden manchmal, nun, Gegenleistungen von unseren Angestellten erwarteten als Gegenleistung für eine gute Bewertung." "Sie machen Witze!" spielt der PJ am anderen Ende des Raums den Schockierten, der plötzlich den wahren Wert von Kundenbefragungen zu entdecken scheint. "Nein, leider nicht!" erwiderte unser Betreuer. "Die Leute verlangten zum Beispiel besseren Service." "UND WER GIBT DENEN DAS RECHT, BESSEREN SERVICE ZU VERLANGEN!?!" frage ich schockiert. "Aber nicht nur das!" redet Paul weiter. "Manchmal wollten sie sogar Trinkgelder von uns haben - Schmiergeld mit anderen Worten!" "Das kann doch nicht sein!" flüstert der PJ und kommt näher. "Ja! Aber der Höhepunkt kommt ja erst noch! Da wollten die Kunden kein Geld mehr, sondern verlangten, daß ihre Betreuer in idiotischen Wettbewerben gegeneinander antreten, um besser beurteilt zu werden! In einem Fall hat ein Kunde verlangt, daß sein Betreuer und der Servicetechniker von uns gegeneinander bei einer Wettfahrt in Bürosesseln antreten!" "Ja", seufze ich und erinnere mich zufrieden an den Fall. "Ingenieur Dave gegen den Betreuer Tim. Dave hatte keine Chance gegen Tim - nicht mit dem Gegenwind, den die vielen Biere vom Mittag verursacht hatten. Nun, ich denke noch immer, daß Tim nicht gedacht hätte, daß Dave die Räder seines Bürosessels lockern würde, um zu gewinnen. Der Chronist hatte es schließlich nicht mehr in seinen Händen, wer gewinnt, aber, immerhin, Tim wurde nicht mehr gesehen ..." "Sie kennen die Geschichte?" "Kennen? Ich habe die Wettfahrt organisiert. Und ich hatte zehn Pfund auf Dave gesetzt. Es ist immer gut, einen Mann zu unterstützen, der mit einem großen Hammer umgehen kann, sage ich immer." "Nun, ich denke, daß dieser Fragebogen etwas professioneller gestaltet ist!" antwortet Paul, den diese Enthüllung sichtlich etwas verwirrt. "Natürlich ist er das! Können wir beginnen?" "Aber sicher. Erste Frage: Wie schätzen sie die Qualität der Beratungen durch ihren Kundenbetreuer - das bin ich - ein? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in der Liste?" mischt sich der PJ ein, der sich wohl langweilt. "Nein, sie können sich entscheiden zwischen A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. Durchschittlich, D. Zufriedenstellend und E. Ungenügend." "E." antworte ich. "E", murmelt Paul traurig. "Dann weiter. Wie würden sie die Geschwindigkeit einschätzen, mit der ihr Kundenbetreuer - das bin wieder ich - ihre Fragen beantwortet hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in der Liste?" fragt der PJ wieder. "Nein! Sie können sich entscheiden zwischen A ..." "E." antworte ich. "E", seufzt Paul. "Wie würden sie die Qualität einschätzen, mit der ihr Kundenbetreuer sie über neue Produkte und Dienstleistungen informiert hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in ..." "NEIN!" "E." rufe ich. ... Zwei Minuten später ... "... die Qualität der Hilfestellungen, die sie von mir im vergangenen Jahr erhielten? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. NEINGROTTENSCHLECHTSTEHTNICHTZURAUSWAHL!" "E." "E", seufzt er ... "Gut, dann kommen wir jetzt zur Qualität des Wartungsingenieurs. Wie schätzen sie die Qualität der Wartungsarbeiten in den vergangenen zwölf Monaten ein? A. Ausge ..." "Ist verdammt genial auf der Liste?" fragt der PJ. "Was?" "Verdammt genial - steht das zur Wahl?" "Verdammt genial? Von ihrem Wartungsingenieur? Steve?" "Ja, er ist genial!" "DIE AUSRÜSTUNG DES MANNES BESTEHT EINZIG AUS EINEM HAMMER", regt Paul sich auf. "EIN HAMMER! DAS IST ALLES. EIN VERDAMMTER HAMMER!" "Ja", erwidere ich. "Aber wenn wir ihn gerufen haben, benutzte er den Hammer, so daß wir ein neues Austauschgerät bekamen mit der vollen Garantie für 12 Monate." "Verdammt genial", wiederholt der PJ noch einmal. "Also geben sie ihm die A-Noten und mir die Es?" keucht Paul. "Ja." "Er ist ein Idiot mit einem Hammer." "Er kann ein Idiot sein, aber er erledigt seine Arbeit." antworte ich. "Und er weiß, wie er mit einem Bürosessel den Weg durch das Parkhaus findet." grinst der PJ verschmitzt. "Und sie glauben, sie können mich nun dazu bringen, an einem Wettrennen gegen ihn teilzunehmen? Das wird nicht passieren!" "Wie sie wollen", antworte ich. "Aber wieviel mag wohl eine gute Bewertung einbringen? 5.000 Pfund mehr im Jahr, Lederpolster und die Erhöhung des Hubraumes des Dienstwagens um einen Liter? Oh, und nicht zu vergessen die Sekretärin, die nicht aussieht, wie die Frau auf dem Plakat der Feuerwehr ..." "I - ICH WERDE ES TUN!" Zwei Stunden und ein paar Anrufe später ist alles organisiert. Der PJ und ich werfen ein paar Sessel in den Transporter der Firma und steuern das nächste Parkhaus an ... "IN ORDNUNG. ICH WILL EIN FAIRES WETTRENNEN, KEINE TRICKS, KEINE ABKÜRZUNGEN", rufe ich. "Der Gewinner ist, wer als erster den Ausgang im Erdgeschoß erreicht. Drei Etagen sind zurückzulegen, und denken sie daran, die Vorfahrt zu beachten! ALLES BEREIT?! AUF DIE PLÄTZE ... FERTIG ... LOS!" Einen Sprint und ein paar Klappergeräusche später sind sie gestartet und rollen die erste Rampe hinunter. Der PJ und ich nehmen unsere Plätze ein und beobachten den Ausgang. "Zehn Pfund auf Paul!" ruft der PJ überschwenglich. "Er sieht verschlagen aus." "Ich halte!" antworte ich. Auf der nächsten Etage hören wir die Sessel klappernd vorbeirasen. "Was wissen sie, was ich nicht weiß?" fragt der PJ, der sich seinen Einsatz überlegt. "Alle möglichen Dinge. Wollen sie ihren Einsatz erhöhen?" "GUT! 50 Pfund auf Steve!" "Ich halte!" "NEIN! HUNDERT!" ruft der PJ eine Finte vermutend. "AUF PAUL!" "IN ORDNUNG!" rufe ich, als klar ist, daß es nur noch ein paar Sekunden dauern wird. "WAS WISSEN SIE?!" keucht der PJ. "Wo der Transporter parkt ..." "Wo der Transporter p ..." wiederholt der PJ, als er von ein paar entfernten dumpfen Schlaggeräuschen unterbrochen wird. "Oh, sehen sie!" rufe ich und zeige nach draußen. "Ich glaube, das ist der Sessel von Steve, der da durch die Tür rollt. Wo ist wohl die Armlehne geblieben? Nun, sie schulden mir 100 Pfund." "Sie Bastard!" "Ja, um hundert Pfund reicher und immer bereit für die nächste Befragung ..." |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 24.07.2001, Übersetzung: thomas w., 2001. |
||