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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


B.O.F.H. vs. Service-Ingenieur - 1:0 ...

Das wird wieder einer dieser speziellen Tage. Ich kann mich darauf verlassen, als ich die Anwesenheit dieses Service-Ingenieurs bemerke, der mir den Zugang zum Büro des Chefs verwehrt, was mich daran hindert, dessen Unterschrift für eine ultra-wichtigen Bestellung zu bekommen. Es geht dabei um ein 34 Zoll-LCD-Bildschirm mit Dolby-Unterstützung, weil ich darauf mehr Windows-Programme gleichzeitig laufen lassen kann, als auf einem normalen Monitor.
 
Ein Ingenieur, der in der Tür zum Büro des Chefs steht, wäre normalerweise kein Problem, doch dieser Kerl bleibt immer länger beim Chef, wenn er bei uns auftaucht.
 
Gleichzeitig erscheint er auch immer häufiger - beinahe so, als ob die von ihm gewartete Technik in den letzten paar Monaten immer unzuverlässiger würde.
 
Für alle außer dem Chef ist ganz offensichtlich, was der Kerl bezweckt - er will bei uns eingestellt werden, um uns "den Ärger zu ersparen", ihn immer erst mühsam herbeizurufen. Oder, um seinen wahren Beweggrund zu nennen, er will ein gemütliches Plätzchen, an dem er den Tag damit verbringen kann, in den Zeitungen zu schmökern, um dabei nur von einer Bierpause unterbrochen zu werden.
 
Doch das ist unsere Aufgabe!
 
"Es läuft alles auf eine Strategie der vorwärtsgerichteten Wartung und des ständigen Austauschs alter gegen neuer Teile hinaus", höre ich den Ingenieur den Chef belabern, als ich vorbeikomme.
 
"Ja, ich verstehe, worauf sie hinauswollen", kommentiert der Chef, der neugierig auf alles ist, das er als Budget-Einsparung präsentieren kann.
 
"Ich hatte nicht gedacht, daß es so schlimm ist, aber wer immer den NVRAM-Speicher auf diesem Router konfiguriert hat, muß ein kompletter Amateur sein." versucht der Ingenieur seine Professinalität zu betonen.
 
"Sie haben nach mir gerufen?" mische ich mich ein.
 
"Ja", nickt der Chef, der die Spannung im Raum nicht zu spüren scheint. "Er hat gerade erklärt, daß derjenige, der den Router konfiguriert hat, den er sich heute früh anschaute, ein Stümper sein muß."
 
"Das wäre dann also meine Wenigkeit", erwidere ich.
 
"Ah ..." murmelt der Chef nervös und versucht, die Entfernung zwischen seinem Bürosessel und dem Fenster zu erhöhen.
 
Das sollte ich vielleicht näher beschreiben. Der PJ konnte, während er mit einer attraktiven Bekannten flirtete, ein Gespräch des Chefs mit ein paar seiner Manager-Kollegen belauschen. Der Chef fragte sie, ob ihnen aufgefallen sei, daß es in letzter Zeit immer häufiger seltsame und furchtbare Stürze durch Fenster oder ähnliches gebe, wenn Müllcontainer unter den Fenstern der Büros der betreffenden Manager standen ...
 
Da ich mir eine solche Gelegenheit nicht entgehen lasse, habe ich natürlich sofort einen Müllcontainer geordert und ihn unter dem Fenster des Chefs abstellen lassen, um die heutigen Verhandlungen zu vereinfachen. Und selbstverständlich habe ich den Container eigenhändig mit einer nicht unbeträchtlichen Menge zerbrochenen Glases gefüllt ...
 
"Sie haben alles falsch eingestellt!"
 
"Wieso?"
 
"Sie haben die gleiche Version des Programmcodes für den primären und den Sicherheits-NVRAM-Speicher benutzt." erklärt der Ingenieur herablassend.
 
"Ja, so stand es auch im Handbuch."
 
"Aber nur Idioten halten sich an das, was in Handbüchern steht!" ruft er.
 
Zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs ist der Chef hinter mir und versucht, sich dadurch zu sichern, daß er seinen Gürtel mit etwas verbindet, das viel zu groß dafür ist, durch das Fenster zu passen. Irgendwie scheint auch der PJ sich für die Sache zu interessieren und eilt herbei.
 
"Sie sagen also, daß sie sich nicht an das halten, was in Handbüchern steht?"
 
"Natürlich nicht. Die sind doch nur für Anfänger, denen man sowieso nicht erlauben sollte, Netzwerktechnik überhaupt nur zu sehen, ganz zu schweigen davon, sie auch noch an die Geräte heranzulassen. Nein, was ich auf diesem Router gesehen habe, war kompletter Müll."
 
"Nun, ich muß zugeben, daß wir nicht wirklich über alle Entwicklungen und Innovationen bei der Konfiguration von Technik informiert sind", gesteht der PJ und senkt langsam den Blick.
 
"Eben! Und bei all der Technik, die in ihrem Gebäude herumsteht, sollten sie wirklich einen Spezialisten einstellen, der sich auf diesem Gebiet auskennt." antwortet der Ingenieur erwartungsgemäß.
 
"Eigentlich keine schlechte Idee", antwortet der PJ nachdenklich.
 
"Tatsächlich?" fragt der Chef verwirrt.
 
"Ja. Unsere Router würden ständig gewartet werden und das allein könnte uns einen ganzen Batzen Geld sparen, den wir sonst für Service-Ingenieure bezahlen müßten."
 
"Wirklich?" keucht der Chef und sieht sich schon einen Bonusscheck für diesen Vorschlag bekommen.
 
"Aber ja. Im Moment haben wir zum Beispiel ein Problem mit der Sendeeinheit einer der Antennen für das Funknetz."
 
"Wirklich? Welche Antenne?"
 
"Die vor ihrem Fenster!" antwortet der PJ.
 
"ES GIBT KEINE ANTENNE VOR ..." ruft der Chef.
 
"Oh, ich ahne schon, wo das Problem liegt!" wird er von dem Ingenieur unterbrochen, der sich aus dem Fenster lehnt und besagte Sendeeinheit beäugt. "Ich denke, es handelt sich um ein kleines Einstellungsproblem. Wenn sie den Sender hereinbringen, kann ich das reparieren."
 
"Wären sie so nett?" frage ich den Chef, der heftig mit dem Kopf schüttelt und seinen Gürtel um einen Tisch im Gang bindet.
 
"Warten sie", sagt der PJ und zaubert eine Kopie des Wartungsvertrages mit dem Ingenieur hervor. "Im Vertrag steht, daß sie ihre Arbeit ´in situ´ erledigen müssen."
 
"Ohhh, ja, das steht da!" stimme ich zu und unterdrücke meine Freude über diese Wendung des Geschehens noch.
 
... Zehn Minuten später ...
 
"Gut!" versucht der PJ die Sirenen eines abfahrenden Krankenwagens zu übertönen. "Es sieht so aus, als müßten wir zugeben, daß wir wirklich nicht über die allerneuesten Entwicklungen auf dem Gebiet von Wartungsarbeiten an Antennen informiert sind!"
 
Was nur beweist, daß wir alle manchmal dazulernen können ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 13.07.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.