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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. fängt einen Dieb ...

"Und wie soll das nun exakt ablaufen?" fragt der PJ, der sich immer für die kleinsten Details interessiert.
 
"Ich bin froh, daß sie diese Frage stellen", antworte ich, immer bereit, den Wissensdurst des Neugierigen zu stillen. "Es ist ein normales ´Tempel der Verdammnis´-Szenario."
 
"Tempel der Verdammnis?"
 
"Ja, wie in den ´Indiana Jones´-Filmen", murmle ich und deute auf die Ansammlung von Technik auf dem Regal. "Der normale Dieb kommt herein, sieht die nagelneue Festplatte und schnappt sie sich und löst dabei den kleinen Schalter unter ihr aus. Und dieser wiederum haucht als Präsentation von Ursache und Wirkung Leben in die beiden Magnetspulen, die im rückwärtigen Teil des Hardwareregals verborgen sind. Leider, und das bedaure ich zutiefst, ist das Regal sehr instabil und gleichzeitig sehr schwer, was an den vielen metallischen Gegenständen in den oberen Fächern liegt."
 
"Und ... das dem Anschein nach fest mit Scharnieren am Boden befestigt ist." kommentiert der PJ.
 
"Ich glaube, daß es sich bei dieser Befestigung um eine optische Täuschung handelt."
 
"Nein, es sind zwei Scharniere - reichlich geschmiert, so daß sie wohl kaum quietschen würden, wenn das Regal umklappt. Aber dieser Zustand wird sicher nicht lange anhalten ..."
 
"Stimmt - WENN es noch etwas zum Stehlen gäbe ..."
 
Es ist eine traurige, aber leider wahre Tatsache, daß ein Dieb unter uns ist. Und derartige Diebstähle können die Arbeitsmoral im ganzen Haus wirklich gefährden - wenn es etwas derartiges bei uns überhaupt gibt. Dem PJ ist der Ernst der Lage zuerst nicht aufgefallen, doch meine Hinweise bringen ihn auf den rechten Pfad der Erkenntnis ...
 
"Wenn jedermann mit Fingern auf andere zeigt", illustriere ich meine Erläuterung. "Wenn Verdächtigungen ausgesprochen und verbreitet werden - das kann der Moral nicht dienlich sein. Und wenn der Dieb dann doch geschnappt wird, dann werden all die Entschuldigungen bei den Unschuldigen, all die Tränen für weitere Unruhe sorgen. Und, das ist am schlimmsten, es wird keine zünftige Abschiedsparty des Betreffenden geben."
 
"Stimmt, das ist wirklich nicht gut." stimmt der PJ zu.
 
"Genau, und ich werde alles dafür tun, eine solche Entwicklung zu verhindern."
 
"Indem sie ein vollgeladenes Regal auf ihn stürzen lassen?"
 
"Nun, ich würde es lieber als Vorbeugemaßnahme für den Notfall bezeichnen." seufze ich.
 
"Also wissen sie, wer es ist?"
 
"Natürlich nicht!"
 
"Sie wissen es doch, ich spüre es ..."
 
"Nun, ich habe da eine Vermutung ..."
 
"Wer?"
 
"Nun, ich habe mir das Besucherverzeichnis angeschaut, und es scheint so, daß Dinge immer dann verschwinden, wenn ein bestimmter Ingenieur uns besucht ..."
 
"Welcher ist es?" schnappt der PJ nach Luft.
 
"Der Kerl, der die Telefone austauscht."
 
"Der, der die Aufrüstung auf Digitaltechnik durchführt?"
 
"Genau der!"
 
"Was hat er gestohlen?"
 
"Was ist verschwunden, meinen sie? Jeder gilt als unschuldig, bis die Schuld nachgewiesen wurde. Nun, wir vermissen 512 Megabyte DDR-RAM, dieses brandneue Pentium 4-Motherboard und ihren portablen MP3-Spieler."
 
"MEIN MP3-SPIELER!!!"
 
"Ja, es sei denn, sie haben in mit nach Hause genommen - zumindest dann, wenn wir über das Gerät sprechen, das auf der Bestellung als ´PDA´ aufgetaucht ist ..."
 
"!" Der PJ trauert wortlos.
 
"Gemach, gemach", beruhige ich den PJ. "Sie werden sich besser fühlen, wenn der Täter gefaßt ist. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um eine ähnliche Einrichtung für den Serverraum, die bestimmte Verstrebungen einstürzen lassen kann."
 
"So daß die Bodenplatten und der schließlich Boden zusammenbrechen?"
 
"So daß der Serverraum dann teilweise aussieht, wie ein Rugbyfeld ..."
 
"Wodurch wird es ausgelöst?"
 
"Durch die Wellen eines ankommenden Handy-Telefonats - in der näheren Umgebung des Sensors natürlich ..."
 
... zwei Stunden später ...
 
"Er ist hier", murmelt der PJ, als der betreffende Ingenieur sich in die Besucherliste einträgt und eine sich eine Zugangskarte für Gäste schnappt. "Gut. NUN, WIR VERSCHWINDEN KURZ ZUM ... ZUR TEEPAUSE." fügt er laut hinzu, als wir das Büro verlassen.
 
... 20 Sekunden später ...
 
"Das will ich mir nicht entgehen lassen!" ruft der PJ und startet das Kontrollprogramm für die Webcam.
 
"Wo ist er hin?"
 
"Im Serverraum?" schlage ich vor.
 
"Da, da ist er!"
 
Wir sehen, wie der erwähnte Ingenieur im Serverraum das Antistatikarmband anlegt, um sich auf den bevorstehenden Austausch der Platinen vorzubereiten.
 
"Wie lautet seine Handynummer?!?!" fordert der PJ.
 
Ich sage sie ihm, und der PJ wählt sie, noch bevor ich in darauf aufmerksam machen kann, daß der Ingenieur noch nichts verdächtiges angestellt hat ...
 
... zwei Minuten später ...
 
"DER HALBE VERDAMMTE BODEN BEBTE PLÖTZLICH!" berichtet der Ingenieur uns keuchend, als er versucht, seine Ausrüstung unter einem zusammengebrochenen alten Mainframe-Rechner hervorzuziehen. Erfolglos. Also entschuldigt er sich und marschiert davon, um neue Werkzeuge zu holen.
 
"Ich wette, daß sie sich wünschen, ihr MP3-Spieler ist nicht in seinem Rucksack ..." wende ich mich an den PJ.
 
"Ja, aber wer zum Teufel war es ..."
 
Unser Gespräch wird durch einen dumpfen Aufschlag aus unserem Büro unterbrochen. Blitzschnell sind wir vor Ort, wo wir den Chef vorfinden, der versucht sich aus einer Ansammlung von Kabeln und sonstigen Ersatzteilen zu befreien.
 
"WAS ZUM TEUFEL WAR DAS!?!" schreit er. "In der einen Minute bringe ich ihnen ihr portables ZIP-Laufwerk zurück und in der nächsten bebte der ganze Raum!!!"
 
"Das muß das Erdbeben gewesen sein, vermute ich. Haben sie es denn nicht gespürt?"
 
"Was?" schnaubt er und untersucht seinen gequetschten Arm.
 
"Vielleicht sollten sie ihn von den Erste Hilfe-Leuten untersuchen lassen", schlage ich freundlich vor. "Nur für den Fall ..."
 
"Ja, möglicherweise haben sie recht."
 
"ALSO WAR ES DER CHEF!" ruft der PJ, als der Chef davongehumpelt ist.
 
"Nein, er hat wirklich das ZIP-Laufwerk zurückgebracht." antworte ich. "Ich hatte es ihm am Morgen geliehen."
 
"Also wären wir wieder bei dem Ingenieur ..."
 
"Nein, er war es nicht", gebe ich zu, als ich meine Sachen zusammenpacke, um den Heimweg anzutreten.
 
"Aber ich dachte, sie hätten gesagt, er habe all das Zeug gestohlen!?!" ruft der PJ durch den Raum.
 
"Nein, ich sagte, daß immer wenn er uns besucht, Dinge verschwinden!"
 
"Und wer ist es dann gewesen?!"
 
"Oh, das war ich. Das ganze Theater habe ich nur veranstaltet, damit sie abgelenkt werden, während ich mir noch die Flash-Speicher für den MP3-Spieler greife ..." rufe ich, als ich durch die Tür eile, sie hinter mit zuwerfe und mit einem Keil blockiere.
 
"Sie Bastard!" schreit er wild mit dem Elektroschocker fuchtelnd - wild genug, daß ich noch das Quietschen ungefetteter Scharniere hören kann, bevor ein Wandregal nach vorn kippt ...
 
"Ja, wirklich." stimme ich zu. "Und was für ein Bastard ich bin ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 25.05.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.