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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. schafft die Netzwerkkabel ab ...

"Ist das nicht großartig?" plappert der Chef, als er in unser Büro stürmt wie Derwisch.
 
"Was ist großartig?" fragt der PJ, der NACH ALL DEN JAHREN NOCH IMMER nicht die goldene Regel beherzigt, nach der man Vorgesetzte, die offenkundig Dummköpfe sind, besser ignoriert.
 
"Diese Idee eines kabellosen Netzwerkes!" antwortet der Chef und wedelt selbstgefällig mit einem kleinen PDA. "Die Finanzabteilung arbeitet schon seit ein paar Wochen damit. Sie sagen, sie seien uns damit um Jahre voraus."
 
"Kaballoses Netzwerk?" fragt der PJ, bevor ich mich in die Unterhaltung einmischen kann. "Welches kabellose Netzwerk?"
 
"Oh, das ist Technik, die sie in ein paar Maschinen bei sich eingebaut haben. Hier, schauen sie, wie gut die Verbindung jetzt ist. Ich kann durch irgendeinen Teil das Gebäudes gehen und etwas in meinen elektronischen Kalender eingeben, der dann automatisch mit dem Kalender auf meinem PC abgeglichen wird. Nun, er KÖNNTE automatisch aktualisiert werden, wenn wir die kabellose Technik bei UNSEREN Servern verwenden würden. Und so kann ich gegenwärtig nur meine Verabredungen mit dem Chef der Finanzabteilung mit seinem Kalender synchronisieren."
 
"Sagten sie kabelloses Netzwerk?" frage ich neugierig und schalte mich schließlich in die Unterhaltung ein. "Wir haben schon einmal darüber gesprochen! Glauben sie, daß ich mir anschauen könnte, wie es gemacht wird? Vielleicht können wir ja ein paar Hinweise von ihnen bekommen."
 
Nun, der erste Tip, den ich bekomme, ist der auf der Anzeige des PDAs, während der Chef mir die edle Ledertasche zeigt, in der das Gerät transportiert wird. Und während er fröhlich eine Idee nach der anderen über die kabellose Zukunft ausspuckt, lösche ich aus dem Kalender des Chefs der Erbsenzähler all seine Verabredungen für den Rest des Jahres ...
 
"Faszinierend", kommentiere ich, während ich darauf warte, daß der Chef mit seinen Gedanken wieder in die Gegenwart zurückkehrt und mir antworten kann. "Der Empfang scheint ganz gut zu sein - es sei denn man befindet sich in der Nähe der Stahlträger im Haus. Wenn die zwischen dem Gerät und dem Server stehen, dann dürfte nichts mehr gehen. Waren die Stahlträger nicht in diesem Gebäudeteil?"
 
Ich zeige in irgendeine Richtung, da ich um die Fähigkeiten des Chefs weiß, sich zu orientieren.
 
"Ja ... könnte sein." murmelt der Chef, als ihm die Einschränkungen seines neuesten Steckenpferds bewußt werden und der Glanz aus seinen Augen verschwindet.
 
"Oh, ich bin mir sicher, daß es mit ein paar Servern, die an strategisch wichtigen Punkten eingerichtet werden, und Hochleistungsantennen statt dieser Miniantenne hier funktionieren könnte. Tatsächlich könnte man mit einer guten Antenne sogar Videodaten in guter Qualität noch am anderen Ende der Straße empfangen - das hängt alles von der Antenne ab. Aber mit diesem mickrigen Dind da ..."
 
"Kann die Antenne am Laptop angebracht werden?" fragt der Chef, der sich möglicherweise im Pub an der Straßenecke von hübschen Mädchen umringt sieht, die staunend seinen Worten lauschen, wenn er ihnen die neueste Technik vorführt.
 
"Nun, sie wäre schon etwas groß, aber es müßte klappen. Es ginge um eine normale VHF-Antenne - klingt das gut für sie?"
 
"Das klingt sogar hervorragend!" erwidert er freudestrahlend. Offenbar ist er wild darauf, die Erbsenzähler zu schlagen.
 
"Wir bräuchten noch ein paar Server ..." murmle ich, da ich die Chance wittere, hier eine Aufrüstung unserer PCs zu erreichen. "Ein paar 1.2 Gigahertz-Rechner dürften ausreichen."
 
"Aber der Kollege von den Finanzen meinte, es würde mit allem laufen, was schon da ist! Alles was wir bräuchten seien, ähm ... Sende- und Empfangsgeräte, die wir an die Router anschließen müssen!"
 
"Davon könnten wir ihnen einige besorgen, aber wollen sie WIRKLICH immer mit dem Kalender des obersten Erbsenzählers arbeiten?"
 
"Kann ich nicht meinen nutzen?"
 
"Nun, das könnten sie, aber ohne ein paar redundante Server-Rechner können sie schnell zum Opfer ... replizierter Kanal-Verzerrungen werden. Wobei dieses Problem mit ein paar guten Servern schneller aus der Welt sein könnte, als eine Einkaufsanweisung."
 
"Eine Einkaufsanweisung."
 
"Kommt sofort!" ruft der PJ, der gehetzt eine Bestellung zusammenkritzelt.
 
... eine Minute später ...
 
"So, das wären also ein paar 1.2 Gigahertz Sende- und Empfangsserver und zwei Funkkarten", liest der PJ vor, bevor er nach draußen eilt, um das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist.
 
"Wie schnell können wir es einrichten? Ich will dem Finanzchef vorführen, wie schnell wir neue Technologien einführen können. Ich denke, ich könnte mich mit ihm in ein Café setzen und ihm ein Video vorführen, das eine Kamera im Haus liefert ..."
 
"Oh, damit könnten wir schon morgen loslegen - und sie werden eine riesige Reichweite mit der neuen Antenne bekommen!!"
 
"Ausgezeichnet!"
 
Der nächste Tag bricht an, und der Chef trifft sich unten mit uns und dem obersten Erbsenzähler.
 
"Gut, und wo ist mein FREI PORTABLES LAPTOP FÜR GROSSE REICHWEITEN nun?" fragt der Chef selbstgefällig.
 
"Mein Assistent wartet damit vor dem Gebäude", antworte ich. "Er hat es mit der Kamera in unserem Büro verbunden."
 
"Ausgezeichnet! Also kann ich sie beide beobachten, während ich die Straße hinunter laufe?"
 
"Natürlich. Und wir können sie dabei sehen. Über die eingebaute Kamera. Wir haben genug Bandbreite für Videoübertragungen mit hoher Qualität in beiden Richtungen!"
 
"Hervorragend! Gibt es Gebiete ohne Empfang?"
 
"Nein - wir haben ebenfalls eine Antenne auf dem Dach eingerichtet!"
 
"Beeindruckend, was wir in wenigen Momenten erreichen können - kein Problem ..."
 
Der Chef hält leise inne, als er sieht, mit welcher Antenne wir ihn ausgerüstet haben - es ist eine, die man wohl nur selten außerhalb von Läden für Anhänger des CB-Funks sieht.
 
"... für uns. AHA! Sie haben eine Antenne für EXTRA-lange Reichweiten eingebaut!" ruft er und erholt sich schnell vom ersten Schreck. Sein Tonfall deutet andererseits doch leicht darauf hin, daß er darüber noch ein Wörtchen mit uns reden will ...
 
Pfft!
 
Der PJ und ich eilen so schnell wie möglich zurück ins Büro und starten die Konferenzschaltung.
 
"Hallo?" fragt der PJ.
 
"Ich kann sie sehr gut sehen!" ruft der Chef, noch immer mit dem Chef der Erbsenzähler im Schlepp. "Wir gehen die Straße hinunter. In Richtung der Gerüste, wo die Fassaden erneuert werden - aber ich glaube, daß sie das ja auch ganz gut selbst sehen können. Ich denke, wir machen eine kurze Pause in dem Pub am Ende der Straße, den Simon vorgeschlagen hat ..."
 
"Bild und Ton kommen in hervorragender Qualität an", ruft der PJ laut ins Mikrofon, als bei ihm der Groschen fällt. "Sagten sie, daß sie an den Gerüsten vorbeigehen?"
 
"Ja, die stehen am Nachbargebäude. Sie wissen schon, wo die Fassade erneuert wird. Wieso fragen sie?"
 
"Vielleicht sollten sie besser umkehren!" warnt der PJ. "Ich bin mir sicher, daß sie dort ein behelfsmäßiges Starkstromnetz einge ..."
 
>KZZERT!<
 
Was für eine bedauerliche Tragödie!


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 11.04.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.