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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Mein Freund, der Automat ...

"Fernsteuerung und automatische Kontroll- und Erkennungssysteme wie dieses sind in manchen Geschäftssituationen von unschätzbarem Wert, wenn manche Kriterien mit bestimmten Reaktionen verbunden werden." plappert der Verkäufer und deutet auf die Bilder teurer Technik in einer Hochglanzbroschüre.
 
"Interessant." heuchelt der neue Chef, als er mit glasigen Augen auf die Seite starrt.
 
"Ja", antwortet der Verkäufer. "Das System erlaubt es uns, Maschinen bei völliger Sicherheit am Arbeitsplatz zu steuern. Das Erkennungssystem teilt den Kontrollprozessoren mit, wenn jemand den Raum betritt und stoppt die Maschinen, wenn das nötig sein sollte."
 
"Von welchen Maschinen sprechen wir eigentlich?" frage ich.
 
"Von Produktionstechnik, großer oder kleiner, von automatischen Reinigungsrobotern, Lagersystemen für Warenhäuser ..."
 
"Reinigungsroboter?" fragt der Chef, der einmal mehr aus seinem Koma erwacht. "Also könnten wir damit die Kosten für das Reinigungspersonal einsparen?"
 
"Das ist so gut wie sicher! Wir haben einen Prototypsystem hier, das bei Bedarf Reinigungseinheiten ausschickt - am Tag und in der Nacht, in Abhängigkeit von dem Gebiet, das gereinigt werden soll. Das ganze System steuert ein Zentralrechner, der Bild- und Tondaten von den Einheiten empfängt und danach deren Aktivitäten ausrichtet, damit Menschen, Tiere oder bestimmte Zonen nicht beeinträchtigt werden."
 
"Also könnte sie dem Computer sagen, daß die Umgebung des Beratungszimmers nicht gereinigt werden soll?"
 
"Korrekt! Und der Computer könnte die Einheiten in häufig genutzte Räume oder Korridore schicken. Eingangshallen, Geschäftsräume. etc., um ein konstant sauberes Erscheinungsbild zu sichern."
 
"Das ist ja fantastisch!" ruft der neue Chef aus, der offensichtlich bemüht ist, auf mehr als nur eine Weise als neuer Besen zu erscheinen ...
 
"Ja, ein neuer Feger mit neuem Schwung!" meine ich. "Es sei denn, die Einheiten drehen durch und laufen Amok im Gebäude!"
 
"Alle Reinigungseinheiten schalten sich automatisch ab, wenn sie Anomalien im verschlüsselten Signal feststellen, das sie vom Zentralrechner bekommen, wenn sie die Verbindung zu ihm verlieren oder die Anweisungen des Zentralrechners mit den Daten ihrer Sensoren kollidieren."
 
Ich mag das nicht. Kein bißchen. Und das nicht nur deshalb, weil ich ein Abkommen mit den Reinigungskräften darüber geschlossen habe, welche geheimen Dokumente in den Papiervernichter gehören und welche in den großen braunen Umschlag mit der Aufschrift ´Inventarverzeichnis - Tastaturen´ im zweiten Fach von oben in meinem Schreibtisch ... Nein, diese Art von überflüssigen Maschinen verunsichert jeden!
 
"Das ist brillant!" fährt der Chef fort und scheitert offenbar bei dem Versuch, sein Sabbern unter Kontrolle zu bekommen. "Und wie war das mit dem Warenhaus?"
 
"Nun, das ist der aktuellste Stand der Technik", ergießt sich ein neuer Schwall Worte aus dem Mund des begeisterten Verkäufers. "Wir haben automatisierte Transporter, Lager-Systeme, Inventar-Erkennung, -Prüfung und Nachbestellung, plus ..."
 
Wir halten den Atem an, während er sich sorgfältig umschaut, um uns eine konspirative Situation vorzugaukeln: "... automatische Gabelstapler!"
 
"Wie wir sie jedes Jahr in irgendwelchen wissenschaftlichen Dokumentationen im Fernsehen sehen?" frage ich.
 
Jetzt bereue ich es wirklich nicht mehr, den PJ nicht zu diesem Gespräch eingeladen zu haben, bei dem ich den Intelligenzquotienten des neuen Chefs prüfen will. Er hätte triumphiert. Wie konnte ich auch nur ahnen, daß die Vermutung des PJs, der einfach das Alter des neuen Chefs durch zwei geteilt hatte, der Wahrheit entpricht?
 
"Noch viel fortgeschrittener als das!" fährt der Verkäufer fort. "Das sind nur dumme Maschinen, die an aufgemalten Linien entlangfahren und sofort vor Hindernissen stoppen. Unser System nutzt Bilderkennung, um die Umgebung von Hindernissen zu untersuchen und herauszufinden, ob es sie beseitigen oder auf alternativen Routen umgehen kann, mit anderer Geschwindigkeit und Richtung ... bla bla bla bla ..."
 
"COMPUTERGESTEUERTE FAHRZEUGE!" ruft der Chef etwas zu laut aus, als er mich aus meinen fröhlichen Träumen weckt. "Wie funktioniert das?"
 
"Wie die Gabelstapler, nur mit viel höherer Genauigkeit und mit enorm vielen verschiedenen Wertigkeiten für Obejekte, Geschwindigkeit, erlaubten Manövern ..."
 
"IST DAS WIRKLICH MÖGLICH!?"
 
"Nun ..."
 
"TATSÄCHLICH?!" keucht der Chef begeistert.
 
"Ja, so ist es!" lächelt der Verkäufer geziert und holt eine große Aktentasche unter dem Tisch hervor, öffnet sie und zieht eine Antenne heraus. "Natürlich verkaufen wir das System noch nicht, aber wir benutzen es bei uns schon - und wir können damit beinahe jedes Fahrzeug ausstatten."
 
"Könnten sie es in MEIN AUTO einbauen?!?" will der Chef wissen.
 
"Was fahren sie denn?"
 
"Einen Volkswagen Variant."
 
"Möglicherweise nicht jedes Auto, aber in die meisten."
 
"Oh", seufzt der Chef enttäuscht.
 
"Aber es ist in meinem Wagen installiert, der in ihrer Tiefgarage steht. Schauen sie, ich werde es ihnen vorführen!"
 
Der Chef dreht seinen Sessel, während der Verkäufer sich bei seinem Laptop anmeldet und das Kontrollprogramm startet.
 
"Wir denken daran, es den virtuellen Chauffeur zu nennen", erklärt er. "Denn es funktioniert ebenso wie ein echter Chauffeuer. Wie sie sehen können, ist die aktuelle Position des Wagens hier farbig hervorgehoben, und ich muß nun nur noch die Zieladresse eingeben und die ´FAHREN´-Schaltfläche drücken, damit der Wagen startet. Wohin soll er fahren?"
 
"Einmal um den Block?" schlägt der Chef vor.
 
"Kein Problem >klick klick klick<. Und jetzt klicken wir nur auf das Videofenster und schon sehen wir alles aus der Perspektive des Chauffeurs!"
 
"DAS IST VERBLÜFFEND!"
 
"Wie sie sehen können, ist das Tor noch nicht weit genug geöffnet, um den Wagen durchzulassen, so daß er stoppte. Und jetzt passen wir hindurch, prüfen noch, ob Fußgänger oder anderer Verkehr uns behindert. Und schon sind wir auf der Straße!"
 
"IST DAS DENN SICHER?!?" keucht der Chef.
 
"Sicherer als ein Haus!" versichert ihm der Verkäufer.
 
"Wieso?"
 
"Das System kennt die Straßen, Fußgänger, Fahrräder, Tiere und ... HIER SEHEN SIE ES ... Straßenbauarbeiten. Und hier bremst der Wagen und wartet auf die grüne Ampel. Er errechnet ebenfalls alternative Routen, wenn wir in >klick klick klich< die Stadtplanansicht wechseln, wobei das System statistische Daten zur Auslastung der jeweiligen Strecke berücksichtigt."
 
"Das ist FANTASTISCH!" ruft der Chef. Und ich muß gestehen, daß ich ihm langsam zustimmen muß.
 
"Nicht nur das", fährt der Verkäufer fort. "Sie können es auch beauftragen, sie irgendwo abzuholen und sich dann zu einem anderen Ort fahren lassen, wobei es eine völlig zufällig zusammengestellte Fahrtroute nutzt. Eine großartige Eigenschaft für sicherheitsbewußte Menschen!"
 
"Wirklich?"
 
"Natürlich! Wissen sie was, ich werde uns zur Mittagspause abholen lassen!"
 
"Das würden sie tun?!?" keucht der Chef, der offensichtlich auf der Schwelle zwischen Erregung und der Notwendigkeit neuer Unterwäsche steht.
 
"NATÜRLICH!"
 
... etwa eine Stunde später ...
 
"Es sieht schlecht aus", erkläre ich dem PJ. "All unsere Informanten werden bald auf der Straße stehen, und wir müssen uns die geheimen Dokumente auf dem herkömmlichen Weg beschaffen. Ich bin nicht fröhlich! Hören sie mir überhaupt zu?"
 
"Ja, ja", ruft der PJ, völlig von seinem Joystick in Anspruch genommen, wobei das jetzt keine Anspielung sein soll. "Die Grafik hier ist atemberaubend! Es sieht beinahe so aus, als würde ich tatsächlich durch die Oxford Street fahren."
 
"Wobei sie natürlich niemals ein Auto mit Fahrgästen durch die Oxford Street steuern würden ..." korrigiere ich ihn.
 
"Ja, aber ... SCHAUEN SIE SICH DAS AN!!!" ruft er aus. "Ein Streifenwagen im Rückspiegel!!!"
 
"Den werden sie doch nicht vorbeilassen, oder?"
 
"Natürlich nicht! Die lasse ich in den Busch rauschen, damit ich die Extrapunkte bekomme." reißt er den Joystick herum. "Es gibt da nur eine Sache, die mich wundert ..."
 
"Und die wäre?"
 
"Dieses Hilfegeschrei ..."
 
"Oh, das ist das beste am Virtuellen Chauffeur!" rufe ich. "Virtuelle Fahrgäste! Denken sie daran, daß es Extrapunkte für alles gibt, das sie auf dem Weg umfahren, bis die Polizisten sie kriegen!"
 
"Und dann?"
 
"Dann schauen sie zu, wie die virtuellen Fahrgäste Rodney King spielen!"


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 20.03.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.