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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Flüche, Lügen und Videos ...

"Wo liegt denn das Problem?" will der PJ hilfsbereit vom Chef wissen, während er sich dem Solitärspiel auf seinem Monitor widmet. (Und da behaupten manche noch, der PJ könne sich nicht um zwei Dinge gleichzeitig kümmern.)
 
"Ich kann keine E-Mails an einen Kollegen in den USA schicken - es kommen immer nur Fehlermeldungen!"
 
"Wie lautet denn die Fehlermeldung?"
 
"Oh, daran kann ich mich nicht mehr GENAU erinnern. Etwas mit einer Nummer und irgendwelcher ´Kann nicht zugestellt werden´-Unsinn."
 
"Oh, DIESER Fehler. Machen sie sich keine Sorgen, ich werde mich darum kümmern."
 
Der Chef verläßt uns, und der PJ widmet sich weiterhin seinem Spiel - es ist faszinierend, ihn dabei zu beobachten.
 
Zwei Stunden später ist der Chef wieder da, während der PJ ungefähr beim 90. Spiel ist.
 
"Ich kann noch immer keine E-Mail abschicken." empört sich der Chef.
 
"Wirklich!? Dann ist es noch schlimmer als ich dachte!" antwortet der PJ ohne von seinem Spiel aufzublicken. "Schreiben sie einfach die Adresse auf und ich schicke sie dann von hier aus ab."
 
"Würden sie?" fragt der Chef dankbar. "Danke."
 
"Keine Ursache."
 
... Zwei Stunden später ...
 
"Es geht noch immer nicht!" regt sich der Chef auf. Und auch wenn ich die Anzeichen vielleicht überbewerte, so scheint er jetzt doch leicht verärgert zu sein.
 
"Nun, dann weiß ich vorerst auch nicht, was ich noch versuchen könnte", gesteht der PJ. "Es sei denn, sie könnten mir die KORREKTE Fehlermeldung geben. Manchmal läßt sich damit ein Problem ganz schnell beheben ..."
 
Der Chef stampft davon - und ich glaube, er ist jetzt noch verärgerter als bei seinem Kommen, doch vielleicht irre ich mich ja auch. Noch immer vor Wut schäumend (Vielleicht liegt das daran, daß wir ihm seine Mittagspause vermiesen.) kommt der Chef zurück und wedelt mit einem Blatt Papier, auf das er etwas hingekritzelt hat.
 
"Ah, die benutzen einen Inhaltsfilter!" schließe ich aus den Worten ´BLOCKIERT DURCH INHALTSFILTER´ in der Fehlermeldung.
 
"Ein Inhaltsfilter?" plappert der Chef mir nach.
 
"Ja, der dortige Administrator befürchtet offenbar, daß eines oder mehrere Worte in ihrer E-Mail vom Empfänger als Beleidigung aufgefaßt werden könnten. Und deshalb wird die E-Mail zurückgewiesen."
 
"Beleidigung?"
 
"Ja, das ist der neueste Einfall in einer langen Entwicklungslinie, um Schutzprogramme für E-Mails zu verkaufen. Die E-Mails werden nach ´schlimmen´ Worten durchsucht."
 
"Ich glaube, daß das eine groartige Idee ist - das könnten wir auch nutzen!" denkt der Chef nach - und offenbar auch an all die lobenden Worte, die er vom höheren Management hören wird, wenn er erklären kann, wie geschützt wir sind - "Wußten sie übrigens, daß wir unsere Nutzer vor Beschimpfungen beschützen?".
 
"Selbstverständlich." murmle ich.
 
"Sie glauben nicht, daß es funktionieren würde?"
 
"Nun, betrachten wir es doch einmal so", erwidere ich. "WIE VIELE Nutzer beschweren sich denn gegenwärtig über die Worte, die andere in den E-Mails benutzen?"
 
"Ich habe keine Ahnu ..."
 
"Sollen wir bei der Nutzerbetreuung nachfragen?"
 
"Vielleicht fühlen sie sich beleidigt, wollten es aber nicht melden?"
 
"Wir reden über Leute, die sich beschwert haben, als die Kekssorte in der Kantine gewechselt wurde - notorische Beschwerer. Und trotzdem gibt es keine einzige Beschwerde über den Inhalt von E-Mails ..."
 
"Nun, vielleicht könnten wir es trotzdem einsetzen. Nur für das höhere Management - mit Worten, die es beleidigen könnten."
 
"Sie denken an Worte wie ´Verantwortung´, ´leistungsgerechtes Gehalt´, oder?"
 
"Sie wissen genau, was ich meine!"
 
"Ich bin überzeugt davon, daß dadurch auch normale E-Mail-Kommunikation beeinflußt würde - die Nutzer sind es gewohnt, bestimmte Begriffe zu benutzen, die Bestandteil des Arbeitsplatz-Vokabulars geworden sind. Ich bin sicher, daß es Beschwerden geben würde, wenn wir ihnen vorschreiben, welche Begriffe sie benutzen sollen und welche nicht, weil sie zweideutig sind ..."
 
"In diesem Fall könnten sie den Nutzern mitteilen, daß es meine neue Politik ist, Zweideutigkeiten zu vermeiden und daß das Management solchen möglichen Beschimpfungen nicht ausgesetzt werden soll! Wir wollen mehr Klarheit!" antwortet der Chef und stellt sich vor, wie sein Ruf beim höheren Management dadurch steigen würde.
 
"Ich habe darüber gesprochen ´schlimme´ Worte zu SENDEN. Wie auch immer, jemand muß sich darum kümmern, welche Worte in die Ausschlußliste aufgenommen werden sollen."
 
"Sie meinen, wir haben das System schon?!" schnappt er nach Luft.
 
"Natürlich. Aber wir haben die Ausschlußliste nicht angelegt - es ist zu anstrengend, sich immer neue Schimpfworte auszudenken."
 
"Nun, *ICH* hätte das schon ein paar Vorschläge für den Anfang!"
 
"In Ordnung", seufze ich. "Sie sagen sie mir und ich gebe sie in den Filter ein."
 
"Trottel", ruft der Chef.
 
"Ich glaube nicht, daß wir dieses Wort in die Liste aufnehmen sollten - sie würden dann niemals mehr E-Mails vom Geschäftsführer bekommen!"
 
Der Chef ignoriert meinen Einwand und macht weiter.
 
"Scheiße, Schweinehund!"
 
"Schw ..."
 
Und so geht es weiter. Der Chef gibt für eine halbe Stunde die Vorstellung seines Lebens, verläßt uns und kommt dann ungefähr alle 10 Minuten mit neuen Einfällen zu uns.
 
Und ich warte auf die Anrufe, die zwangsläufig kommen müssen. Und sie werden kommen ...
 
Am nächsten Tag jedoch geht es um wichtigere Dinge. Es scheint so, als hätte der selbstlose Einsatz des PJs für sein Solitär den Chef so verärgert, daß er uns beide zu einem Gespräch in der Personal-Abteilung bestellt.
 
"Das riecht nach einem Rauswurf", informiere ich den PJ.
 
"Das können sie nicht tun - ich wurde nicht verwarnt."
 
"Das stimmt nicht ganz - ich schätze, sie vergessen die drei schriftlichen Verwarnungen, die sie bekommen haben."
 
"Ich habe nie drei schriftliche Verwarnungen bekommen!!!"
 
"Natürlich haben sie sie bekommen. Aber ich habe sie in den Mülleimer geworfen - ich wollte nicht, daß sie sich aufregen!"
 
"Also bin ich geliefert?"
 
"Es scheint so. Allerdings gibt es da DIESEN Typ, den ich kenne. Der könnte gegen eine kleine Zahlung dafür sorgen, daß sie unverzüglich wieder in unserem Büro sitzen werden. Für eine kleine Zahlung."
 
"Wie klein?"
 
"Fünf Biere."
 
"Gebongt. Und was soll ich nun tun?"
 
"Streiten sie alles ab."
 
"Ist das alles?"
 
"Womit sich der Preis auf zehn Biere erhöht. Wollen sie es für 20 Biere probieren?"
 
Das Schweigen folgt als Antwort.
 
Und weil er alles leugnet werde ich herbeigerufen, um die eine oder andere Geschichte zu bezeugen.
 
"Sie wissen, worum es geht?" fragt mich der Personaler.
 
"Unprofessionelles Verhalten, vermute ich."
 
"Stimmt. Nun, was können sie uns zu den gestrigen Vorgängen sagen?"
 
"Nun, im Normalfall bemühe ich mich, solche Dinge zu überhören - um die Arbeitsmoral nicht zu gefährden, sie wissen schon. Aber gestern war es doch ein wenig extrem. Ich habe hier das Video der Überwachungskamera, wenn das in Ordnung ist."
 
"Nun, das könnte zur Wahrheitsfindung dienlich sein."
 
Ich werfe die Cassette ein und drücke die Wiedergabetaste.
 
"... ANZLUTSCHER!" ruft der Chef und verläßt unser Büro. Ich spule zu ein paar weiteren Meisterleistungen des Chefs vor, um schließlich beim finalen "IDI ... >KLICK!<" zu landen.
 
"Ich glaube, wir haben genug gesehen", sagt der Personaler.
 
"Das ging so den ganzen Tag über!" schnieft der PJ, der meinen Plan begreift. "Er kam herein, beschimpfte mich und verschwand dann wieder. Ich wollte nichts sagen, um meinen Arbeitsplatz nicht zu riskie ..."
 
"DAS IST AUS DEM ZUSAMMENHANG GERISSEN!" schreit der Chef. "DAS SIND WORTE, DIE WIR IN DEN E-MAILS FILTERN WOLLEN!!!"
 
"Wir haben keinen Filter für E-Mails!" antworte ich.
 
"UND WARUM TIPPEN SIE ETWAS EIN?!"
 
"Beweise. Ich habe alle Beleidigungen in einer Datei gespeichert."
 
"SPIELEN SIE DEN ANFANG DES BANDES!" ruft der Chef.
 
"Das war der Anfang des Bandes. Aber ich kann gern das Band vom Morgen holen. Allerdings dürfte darauf noch nichts zu sehen sein, da die Beschimpfungen erst um die Mittagszeit herum losgingen ..."
 
"OH, DAS IST JA PASSEND!" antwortet der Chef sarkastisch.
 
"Ja", unterbricht ihn der Personaler. "Ich glaube nicht, daß wir sie oder ihren Assistenten für das weitere Gespräch noch benötigen, also können sie jetzt gehen. Stört es sie, wenn sie das Band noch hierlassen?"
 
"Nicht, wenn wir es in ein paar Tagen zurückbekommen - Sicherheitsgründe und so weiter."
 
"Oh, ich glaube nicht, daß wir es lange brauchen ..."
 
EIN NEUER CHEF UND ZEHN BIERE, AUF DIE ICH MICH FREUEN KANN - DAS LEBEN WIRD IMMER BESSER!!!!


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 01.03.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.