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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Wie man den Quake-Server aufrüstet ...

"Das mache ich nicht mit!" schnappt der PJ ein, nachdem der Chef vorgeschlagen hat, daß der PJ und ich an einem eintägigen Seminar zur Firmengeschichte teilnehmen sollten, um uns über die Entwicklung der Firma zu informieren.
 
"Warum denn nicht?" ruft der Chef, den die Reaktion des PJs überrascht. Immerhin wäre das ja die Gelegenheit, einen ganzen Tag dem Arbeitsplatz fernzubleiben.
 
Natürlich, der Chef könnte dann - für einen Tag - den Wissenden spielen. Nur für einen Tag, wie gesagt ...
 
"Weil sich dann niemand um den Serverraum kümmern würde." antwortet der PJ.
 
"Wir könnten jemanden von der Nutzerbetreuung damit beauftragen, sich darum zu kümmern, während sie nicht da sind."
 
"Die Nutzer-Betreuung?! Die haben von Technik doch keine Ahnung!" rufe ich und mische mich ein. "Sie wissen schon noch, daß die einem Nutzer in der vergangenen Woche empfohlen hatten FDISK zur Lösung seiner Speicherplatzprobleme auf der Festplatte zu benutzen, oder?"
 
"Das waren sie!" erwidert der Chef, der sich keinen Augenblick täuschen läßt.
 
"Ja - aber ich habe das mit ABSICHT getan, weil ich wußte, daß die Leute von der Nutzer-Betreuung die gleiche Lösung empfohlen hätten. Wie weit ist übrigens die Datenwiederherstellung fortgeschritten?"
 
Der Gesichtsausdruck des Chefs kann nur eines bedeuten - sein Tom Jones-MP3-Sammlung ist für immer verloren. Der arme Kerl. "Ich dachte, sie würden die Sache mögen", fährt er fort. "Immerhin bringen sie Computer mit, auf denen sie die Präsentation verfolgen können!!!"
 
"Sie bringen Computer mit?" fragt der PJ, dessen Widerstand zu bröckeln beginnt.
 
"Ja - ich wußte doch, daß sie es mögen würden, wenn Technik mit im Spiel ist. Also kann ich ihre Namen auf die Liste setzen?"
 
"Wenn der Serverraum sicher ist und es keine Unfälle gibt."
 
"Sie denken an den Ingenieur, der über das Kabel stolperte, das die gleiche Farbe hatte wie der Bodenbelag?"
 
"Wenn sie das temporär verlegte Cat-5-Kabel mit den Gewichten an beiden Enden meinen, die für die richtige Straffheit sorgten, dann ja."
 
"Gut, ich bezweifle, daß es irgendeine Notwendigkeit geben wird, den Serverraum zu betreten", erwidert der Chef uninteressiert.
 
"Natürlich wird es keine NOTWENDIGKEIT dafür geben, doch es wird die Leute locken, wie Manager sich von Pornographie angezogen fühlen!" ruft der PJ.
 
"!?" hält der Chef inne, überrascht darüber, wie gut wir ihn kennen.
 
"Ich glaube, der PJ macht sich Sorgen über potentielle Zerstörungen."
 
"In Ordnung. Wissen sie was, schließen sie den Raum einfach ab und lassen sie sich eine Nachricht auf ihren Pager schicken, wenn etwas passiert."
 
BONUS!
 
"Hallo, ich bin Phil und stehe heute für ihre Fragen zu ihrer Verfügung", begrüßt uns und ein paar neue Erbsenzähler ein überfreundlicher Kerl aus der Personal-Abteilung.
 
"Setzen sie sich einfach vor einen dieser Computer und klicken sie auf den GESCHICHTE-Button, um ein 15-minütiges Video zur Firmenentwicklung zu sehen."
 
"Genau!" stimmen der PJ und ich zu und lassen uns in die Sitze fallen.
 
Während die Videos laufen, verschwindet Phil nach draußen, um seine Arbeitszeitabrechnung auszufüllen und mit der Sekretärin zu flirten. In der Zwischenzeit prüfe ich die Ausstattung der Rechner.
 
"PIII 600 mit 256 Megabyte Arbeitsspeicher", murmle ich und sehne mich plötzlich nach einer besseren Ausstattung für unseren Unreal Tournament-Server ...
 
"Zeit zum Abrüsten!" ruft der PJ und übernimmt das Schmierestehen, während die Erbsenzähler begeistert zuschauen, wie die Mitglieder der Geschäftsführung die Firma aus dem Nichts schufen, um der ganzen Menschheit zu dienen.
 
In wahrer Geheimagentenmanier öffne ich den Rechner und führe eine vom Hersteller nicht empfohlene Abrüstung durch, als Phil zurückkommt. Ich schalte in Modus 2 um und verwickle ihn in ein Gespräch, während der PJ den Finger auf einen Schalter legt, der zu einer kleinen Schachtel an seinem Gürtel gehört.
 
... tief im Inneren des Serverraums schaltet sich die Unterbrechungsfreie Stromversorgung ab ...
 
>Eine Minute später<
 
"Das ist für mich!" ruft der PJ, stellt seinen Pager ab und verbirgt den befreiten Prozessor in der Hand. "Bin gleich wieder da."
 
Und tatsächlich kehrt er nach einer annehmbaren Frist mit einem Ersatzprozessor zurück, der zwar identisch aussieht, aber seltsamerweise viel langsamer laufen wird.
 
"Mein Gott, der Alpaca-Virus!" rufe ich laut und lenke die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf das Fenster, während der PJ die Hauptsteckdose, an der alle Verteilerdosen hängen, mit einem Fußtritt demoliert und die Hauptsicherung abschaltet, worauf alle Rechner sich verabschieden.
 
"Sind sie auch infiziert?" frage ich die Erbsenzähler und öffne ihre Rechner, bevor Phil noch etwas sagen kann.
 
Der PJ hat in der Zwischenzeit ein paar leere Prozessorsteckplätze mit Ersatz ausgestattet.
 
"Sie wissen doch, was sie tun?!?" macht Phil sich keuchend Sorgen um seine Rechner.
 
"Natürlich!" erwidere ich. "ICH BIN EIN PROFI! Wir müssen nur die infizierten Komponenten isolieren und sie auf meinem Rechner desinfizieren!"
 
"Ist das wirklich nötig?" jammert Phil.
 
"Sie werden sehen, wie nötig das ist." antwortet der PJ. "Und, ähm, vielleicht sollten sie ihren Laptop vorbeibringen ..."
 
"Sie meinen, daß der Virus auch meinen Laptop befallen hat, obwohl er in meinem Rucksack und ausgeschaltet war?"
 
"Und ihr eingebauter Virenschutz nicht aktiv war?" erwidert der PJ.
 
"Oh, natürlich!"
 
Es stimmt schon, was man über Leute sagt, die einfach zu dumm sind, um einen guten Rechner zu haben ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 19.02.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.