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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. zeigt, wie man einen Manager steuert ...

"Und wie war das mit dieser Zertifizierung doch gleich nochmal?" fragt der Chef und starrt wie ein ahnungsloser Trottel auf die Wandtafel.
 
"Es geht darum, daß unser Webserver ein Zertifikat liefert, das beweist, daß er ist, wer er zu sein vorgibt." seufze ich.
 
"Und die Sache mit dem Schlüssel?"
 
"Den generieren wir, um eine Anfrage an eine vertrauenswürdige dritte Seite zu schicken, um das Zertigfikat zu BEKOMMEN."
 
"Ach so. Und wozu brauchen wir das alles?"
 
"Um sichere Transaktionen auf einem Server durchführen zu können - Verkäufe über das Netz, interne sichere Kommunikation ..."
 
"Und wie geht das?"
 
... Ich werde ihn umbringen. Oder mindestens ein wenig verletzten.
 
Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, wohl eher mehr ...
 
Ich hasse es, Technologie dem mittleren Management zu erklären - es verwirrt sie nur, und wenn sie verwirrt sind, regen sie sich auf. Und wenn sie aufgeregt sind, dann fällen sie übereilte Entscheidungen ...
 
"Können wir das nicht einfach auslagern?"
 
Seufz.
 
"Wenn wir sichere Transaktionen auslagern, dann müssen wir für jede Transaktion bezahlen."
 
"Und was bedeutet das in einfacheren Worten?"
 
... der Tod ist noch zu gut für ihn ...
 
Es wäre alles nicht so schlimm, wenn er es nicht gewesen wäre, der wieder von der ganzen E-Commerce-Geschichte angefangen hat ...
 
"Das bedeutet, daß jedesmal, wenn jemand etwas von uns kauft, wir dafür mehr bezahlen müssen, als wenn wir uns selbst um die Sache kümmerten."
 
"Das wäre, als würden sie Eintrittskarten für ihr eigenes Konzert kaufen", fügt der PJ hinzu, um zu helfen, doch offenbar hat er vergessen, daß die Verwendung von Analogien zu einem solchen Zeitpunkt nur noch mehr Verwirrung stiftet.
 
"Warum sollte man sein eigenes Konzert ansehen wollen?" fragt der Chef. "Und warum sollte man dafür ZAHLEN - wo man doch ohnehin schon da ist?!"
 
Ich entschließe mich dazu, eine Pause einzulegen und lasse den PJ mit dem Chef allein.
 
Ein paar Biere später steuere ich das Büro des Chefs erneut an, um zu sehen, welche Fort- oder Rückschritte der Chef gemacht hat.
 
"Wenn ich also ... hm ... Lloyd Webber wäre und ... hm ... Cats sehen wollte, wäre es dumm, wenn ich mir eine Karte von einem Händler kaufen würde, obwohl ich doch selbst Kartenhändler bin?"
 
"Ja." lächelt der PJ. Mission erfolgreich beendet.
 
"Aber wenn ich Cats schon gesehen habe, da bin ich mir sicher, daß er das schon getan hat, und etwas anderes sehen will?"
 
"Nun, das ist nicht Gegenstand der Analogie." antwortet der PJ vorsichtig. "Wir reden doch darüber, ob wir unser EIGENES Internet-Geschäft selbst erledigen sollen oder es anderen überlassen und dafür Rechnungen bezahlen."
 
"Oh, so ist das. Also werden wir gar nicht ins Theater oder Musical gehen?"
 
"Nein."
 
"Das ist wirklich schade, da ich Cats noch nicht gesehen habe und nicht unbedingt eine Karte kau ..."
 
>2 Minuten später<
 
"Das ist ja furchtbar!" rufe ich und helfe dem Chef hoch. "Diese Monitore sind eigentlich ziemlich stabil, aber gelegentlich fallen sie auf die Menschen herab."
 
"Er wollte mich treffen!" ruft der Chef und deutet auf den PJ.
 
"Nein, das ist nur der Schock. Der Monitor kippte einfach um. Sie sollten froh sein, daß wir heute früh ihren schweren alten Monitor gegen diesen 21-Zoller hier ausgetauscht haben!"
 
"Ja, ich glaube, sie könnten da richtig liegen", murmelt der Chef und marschiert noch etwas verwirrter als sonst hinaus.
 
Und um ehrlich zu sein, bin ich auch recht verwundert über die hohe Aggressivität des PJs. Im Normalfall kann man gut mit ihr leben, aber seit einiger Zeit ist er schneller auf der Palme als sonst. Möglicherweise hat er zuviele Linux-Magazine gelesen - ich habe keine Ahnung. In der vergangenen Woche hat er zum Beispiel einem Nutzer, der sich nur über das Flimmern seines Monitors gejammert hatte, empfohlen, eine Metallgabel in die Steckdose zu schieben, um einen ´Erdungstest´ durchzuführen.
 
"Was ist ihr Problem?" frage ich und versuche, mich vorsichtig der Thematik zu nähern.
 
"Welches Problem?" erwidert der PJ und spielt den Unschuldigen.
 
"Sie haben den Monitor nach dem Chef geworfen, weil er ihnen auf die Nerven ging!"
 
"Ja."
 
"Also womit haben sie ein Problem?"
 
"Ich weiß es nicht. Die Leute gehen mit in der letzten Zeit WIRKLICH auf die Nerven."
 
"Aha. Wann hatten sie eigentlich ihren letzten Urlaub - uh, ich meine natürlich ihre letzte Dienstreise?"
 
"Keine Ahnung - vor 12 Monaten, schätze ich. Aber ich kann mich nicht genau erinnern."
 
"Genau, das ist ihr Problem! Sie MÜSSEN mindestens einmal im Jahr eine Dienstreise machen. Das ist eine bewiesene Tatsache!"
 
"Bewiesen? Wo?"
 
"Das muß sie nicht kümmern. Nun zu dieser Reise. Wo wollen sie hin? Manchester? Leeds?"
 
"Manchester? Leeds?!"
 
"Das war nur ein Witz. Nun, schauen wir mal, da gibt es ein Seminar über Arbeitsmoral in Rom, aber sie müßten einen Manager mitnehmen ..."
 
"Wieso?"
 
"Das ist doch einfach", erkläre ich freundlich. "Alles, was SIE wollen, müssen sie erst jemandem anderen aufschwatzen, um einen Präzedenzfall zu schaffen. Dann folgen sie einfach dem neuen Trend."
 
"Oh, das ist also wie beim IT-Chef, wenn er sich einen besseren Laptop zulegt?"
 
"Bingo!"
 
"Aber wie machen wir das nun mit der Reise?"
 
"Nun, wenn sie verreisen wollen, dann müssen sie einem Manager diese Reise empfehlen, was dem Manager natürlich ebenfalls erlaubt, die Reise zu unternehmen. Normalerweise muß man einen Zielort nehmen, an dem der Manager ohnehin schon Interesse hat ..."
 
"Und wo würde der Chef gern hinfahren?"
 
"Abgesehen von Volkstanz-Seminaren? Keine Ahnung. Aber er fällt ohnehin nicht in die engere Wahl. Mit ihnen zusammen würde er wahrscheinlich sowieso nicht verreisen wollen. Nein, wir müssen andere Möglichkeiten prüfen ..."
 
"Wo wir gerade von anderen Möglichkeiten sprechen", erklärt der IT-Chef, als er mit ein paar Hochglanzbroschüren für neue Laptops ins Büro hereinschneit. "Was halten sie davon, die Rechner der Manager auf den neuesten Stand zu bringen?"
 
Bingo.
 
"Das ist schwer zu sagen", wirft der PJ ein. "Es könnte gut sein, sie immer mit den aktuellsten Laptops auszustatten, aber ist es moralisch vertretbar, ihnen immer wieder neue Geräte vorzusetzen, an die sie sich erst gewöhnen müssen?"
 
"Moralisch?"
 
...
 
Und so kommt es, daß der PJ mit dem IT-Chef auf die Reise geht, während ich mit dem Chef und dessen E-Commerce-Plänen zurückbleibe ...
 
"Wie war das noch einmal mit diesen Zertifikaten?"
 
>KRACH<
 
>2 Minuten später<
 
"Sie sollten wirklich auf diesen Monitor achten!" erkläre ich dem Chef und helfe ihm wieder auf die Beine. "Der ist ja eine richtige Gefahr! Oh, wußten sie übrigens, daß in der nächsten Woche in Paris eine Konferenz über Sicherheit am Arbeitspla ..."
 
Nun, man kann es ja mal versuchen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.02.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.