diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. hilft bei einer Präsentation ...

"Schnell, wir brauchen ihre Hilfe im Sitzungsraum", keucht der Chef, als er gehetzt in unser Büro kommt und eine ausführliche Druckersitzung unterbricht. "Der Projektor ist ausgefallen!!!"
 
"Und der Techniker ist?"
 
"Krank!"
 
"Das scheint zu stimmen - ich habe gesehen, wie hoch sein Datentransfer ist." fügt der PJ hinzu.
 
"Es ist aber sehr wichtig, wir sind gerade mitten in einer Präsentation!!"
 
"Oh, natürlich!" rufe ich und erinnere mich gut an den letzten ähnlichen Fall, zu dem wir gerufen wurden. "Wie weit sind sie mit The Matrix denn diesmal gekommen?"
 
Der Chef ignoriert meinen professionellen Sarkasmus und fährt fort. "Sehen sie, es geht um sehr wichtige Leute, und ihre Zeit ist unser Geld. Je schneller wir das Problem lösen, desto besser!"
 
Ich füge mich meinem Schicksal, da ich zu den wenigen in der Firma gehöre, die mit den Projektoren umgehen können (und/oder Technik ganz allgemein), und folge dem Chef zur Tür.
 
"Der Projektor fiel ganz plötzlich aus - wir denken, es könnte eine durchgebrannte Glühbirne sein." informiert er mich, als wir auf den Lift warten.
 
"Eine sündhaft teure, langlebige Halogenbirne, die vielleicht erst zehn Einsätze hinter sich hat? Nein, ich glaube, wir werden herausfinden, daß jemand mit der Fernsteuerung gespielt hat und nun nicht mit der 30-sekündigen Zwangspause zwischen dem Aus- und dem Einschalten zurechtkommt."
 
Fünf Minuten später ist der Beweis für meine Theorie erbracht, habe drei Anerkennungspunkte von der versammelten Managergemeinde (mit Ausnahme EINER Person) für meine Fähigkeiten zum Aufspüren von Fehlern kassiert und marschiere zurück ins Büro.
 
"Woher wußten sie, daß es das ist?" fragt der Chef pikiert.
 
"Es ist doch ganz einfach, wenn man die kleinen Hinweise richtig interpretiert. Eine langweilige Sitzung, spät am Nachmittag, laienhafte Fähigkeiten beim Umgang mit dem Präsentationsprogramm, jemand muß einfach mit der Fernbedienung spielen ..."
 
Nach meiner kurzen Rede lasse ich den Chef stehen und steuere zielgerichtet den Farbdrucker an, um den letzten Satz Hochglanzbilder zu holen ...
 
Doch wie schon einmal in dieser Woche muß ich feststellen, daß die rote Patrone des Titenstrahldruckers wieder leer ist.
 
Jemand, der sich nicht so gut auskennt, würde jetzt vermuten, daß jemand nachts in die Firma kommt, um Unmengen von Pornographie auszudrucken, aber das kann nicht sein. Ich hätte ihn sehen müssen, wenn ich meine Bilder ausdrucke ...
 
"Jemand druckt Pornographie während der Arbeitszeit aus?!?!" keucht der PJ nach Luft schnappend, der die Sache offenbar vom falschen Ende her aufrollt und alles auf Pornographie schieben will.
 
"Nein, nein, das würde sofort auffallen! Nein, jemand druckt etwas aus, das viel rote Farbe braucht. Etwas, was ein normaler Mensch nie tun würde ..."
 
"Urlaubsbilder?"
 
"Machen sie sich nicht lächerlich, das hier ist eine Computer-Abteilung. Die einzigen Ferien, die die Leute machen, bestehen darin, daß sie in Internet-Cafés herumhängen und unter KEINEN Umständen rote Farbe brauchen ..."
 
"Arbeitsberichte?"
 
"Sie haben doch gesehen, woran hier ´gearbeitet´ wird - alles nur schwarzer Text auf weißem Papier. ´Was ich in dieser Woche geschafft habe´-Zeug, sie wissen schon! Nein - jemand druckt Diagramme aus."
 
"Diagramme?!"
 
"Ja, Gantt-Diagramme, Tortengrafiken, Balkendiagramme - diese Sachen. Mit Budgetüberziehungen, Verlusten, etc. - und das alles in roter Farbe ..."
 
"Ah, ich denke, es gibt millionfache Verwendungen für viel rote Far ..."
 
"Schauen sie sich die Leute doch an!" rufe ich dem PJ zu und deute auf die Meute in ihren Würfeln. "Ahnungslose IT-Schafe. Und mindestens 50 Prozent von ihnen wissen nicht einmal, wie sie ihren Standarddrucker wechseln können!"
 
"Sind sie da nicht etwas zu hart?"
 
"Nein, bin ich nicht. Ich arbeite schon lange genug hier, um den Ärger zu riechen. Und er steht uns direkt bevor, würde ich sagen. Man muß die Zeichen erkennen - sie wissen schon, wenn zwei Kollegen, die sich kaum sehen, ihre Freundschaft wiederbeleben und sich versichern, daß diese wichtiger ist als Geld."
 
"Sie glauben, daß sie sich verbünden?"
 
"Bingo!"
 
"Und dann beharren sie darauf, jede Überstunde peinlich genau zu vermerken."
 
"Hallo, wir tun das auch!"
 
"Und das bedeutet?"
 
"Und das bedeutet?"
 
"DIE FÄLSCHEN IHRE ARBEITSZEIT-ABRECHNUNGEN!!!!"
 
"Selbstverständlich."
 
"Aber noch schlimmer ist es, wenn jemand bis tief in die Nacht arbeitet. Später als es eigentlich nötig wäre. Wenn niemand mehr im Büro ist ..."
 
"Sie verbrüdern sich mit den Putzleuten?!?!?"
 
"Nein, das bedeutet entweder: A. sie schauen sich Pornos an ..."
 
"Wie sie, wenn sie lange bleiben ..." kommentiert der PJ unfreundlich.
 
"Ein trauriger Bastard, der sich aufheitern will - wie bei ihnen, wenn sie länger bleiben ..." gebe ich zurück.
 
"... oder überarbeitet bin ... ODER in einen Diebstahl verwickelt werde." erwidert der PJ.
 
"ODER es geht um ein geheimes Projekt. Besonders dann, wenn ein Manager länger im Büro bleibt."
 
"Also ist es ein Manager?"
 
"Natürlich ist es ein Manager! Aber welcher von ihnen kann es sein?"
 
"Der IT-Chef?"
 
"Nein, der ist schon so lange hier - er ist eine Institution. Nein, es muß jemand sein, der neu ist. Jemand, der glaubt, er könne uns ersetzen. Jemand, der annimmt, er könne mit bunten Grafiken und Worten wir ´Umsatzschwelle´ die Leute von sich beeindrucken, statt mit hart erarbeiteter Erfahrung. Jemand, der einen Handstreich plant."
 
"DER CHEF!!!!"
 
"Im Speisesaal, beim Kerzenleuchter ..."
 
"Was werden wir unternehmen? Es dem IT-Chef sagen und ihn feuern lassen?"
 
"Nicht ganz ..."
 
Kaum einen Tag und eine vertrackte Sitzung später ist der Chef nicht mehr in seinem Büro, da er zu einer dringenden Beratung mit der Vermittlungsagentur gerufen wurde ...
 
"Besonders mochte ich die Folie ´Inkompetenz-Niveaus´ mit der großen roten Fläche über der der Name eine bestimmten Person stand." plappert der IT-Chef fröhlich. "Aber ich habe gehört, daß die Tabelle mit dem Titel ´Emission von heißer Luft durch das System- und Netzwerk-Management geordnet nach der Menge´ allen anderen die Schau gestohlen hat ..."
 
"Wirklich? Ich war ziemlich beeindruckt von ´Ausredenproduktion im System- und Netzwerk-Management, wenn jemand die fachliche Kompetenz bezweifelte´, aber eigentlich waren alle Folien ziemlich gut. Und die erfolgreiche Unterdrückung dieses Umsturzversuchs wird sich auf WELCHE Art auswirken?"
 
"Ich denke darüber nach", antwortet er.
 
Und da behaupten manche Leute, Nebensächlichkeiten hätten keine Bedeutung ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 21.01.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.