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| bastard operator from hell | ||
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Das Gerät ist tot ... Es hat einfach aufgehört zu sein ...
"Ich kann es kaum fassen!" keucht ein ahnungsloser Kerl aus der Marketingabteilung, als der PJ ihm die Innereien des Festplattenlaufwerks zeigt. "Tot?" "Wie die Bay City Rollers", nickt der PJ vieldeutig. "Aber ... Wieso?" Ich kann dem Verlangen, den Erkenntnisprozeß des Kerls etwas zu beschleunigen: "Nun, um es vereinfacht auszudrücken, ihre Festplatte hat während der Ferienzeit aufgehört zu rotieren, wurde kalt und, als sie von ihrem Urlaub zurückkehrten, war sie tot. Das ist wie mit Haustieren, die sie zu füttern vergessen, wissen sie." "Aber wie hätte ich das verhindern können?" "Sie hätten sie füttern müssen! Kein Wunder, daß ihre Haustiere gestorben sind." "Ich habe doch gar keine Haustiere!" schnappt er irritiert zurück. "Kein Wunder!" kommentiert der PJ. "Nein, ich meinte, wie ich meinen Rechner hätte retten können?" "Nun, lassen sie ihren PC einfach eingeschaltet - 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche ..." "Stimmt. Nun, ich schätze, daß ich das wohl besser tun werde, wenn sie eine neue Festplatte für mich gefunden und meinen Rechner repariert haben." "Ich fürchte, daß sie das nicht tun können." "Wieso? Weil ich kein Computermensch bin wie sie?" "Nein, das liegt daran, daß sie das Kästchen für Windows ME bei den Konfigurationswünschen für das neue Laufwerk angekreuzt haben. Sie werden sich schon freuen, wenn ihr Rechner bis zur Frühstückspause ohne Absturz überlebt." "A-Aber ME ist stabiler ..." "Hat man das nicht auch von San Francisco behauptet?" "Nun, was schlagen sie mir also vor?" Ich blicke mich nach verdächtigen Lauschern um, und der PJ verstärkt die Stimmung der Konspiration noch dadurch, daß er die Jalousien leise schließt und die Telefonhörer neben die Geräte legt. "Sie wollen ein richtiges Betriebssystem?" "Was meinen sie damit?" "Ich meine ein so fortschrittliches System, daß man ´FOrtschrittlich´ schreiben muß und nicht einmal die Textverarbeitung es wagt, die beiden Großbuchstaben zu korrigieren, wie es zum Beispiel Word tut, bis es sie gezwungen hat, ihren toten Rechner in den Müll zu werfen." Jetzt hat er angebissen. Ich weiß es, er weiß es - er kann seiner Neugier nicht widerstehen. "Wie heißt dieses Betriebssystem?" fragt er schüchtern und völlig benebelt von unserem konspirativem Spiel. Ich weiß, daß ich ihm jetzt sogar einen Campingausflug aufschwatzen könnte. Der Köder ist ausgelegt, und er hat angebissen, um es mit anderen Worten zu sagen. Es ist traurige Wirklichkeit. "Halt, warten sie einen Moment!" schreit der PJ und stoppt damit das wie geschmiert rollende Rad. "Wir können ihm das Betriebssystem nicht einfach geben. Wir wissen doch gar nicht, ob es das richtige für ihn ist." "Ich ... Nun, ich glaube nicht, daß sie ... Aber hat es nicht das, was ich brauche?" "WAS SIE BRAUCHEN?!?! Eine FOrtschrittliche grafische Benutzeroberfläche, echtes Multitasking - nicht diese limitierten Sachen, die sie sonst überall bekommen! Spiele, Handbücher - es ist großartig!" "Nun, ich glaube, ich sollte es ausprob ..." "Ausprobieren?" lacht der PJ traurig. "Das ist nicht eines von diesen Betriebssystemen, die sie einfach einmal kurz installieren und dann wegwerfen können! Es ist eine Lebenserfahrung! Nachdem sie es einmal ausprobiert haben, sind sie ein anderer Mensch!" "Das stimmt", sage ich. "Und ist mit eingebauter Früherkennung hochlatent eingebundener Register im Arbeitsspeicher ausgerüstet." "Früherkennung hochlatent eingebundener Register?" "Ja, das ist ein neuer Standard. Die Kurzform lautet FEHLER." "Wie bei Fehler?" kichert er. "Was?" fragt der PJ und spielt den Unwissenden, der blind für das Offensichtliche ist, den Dummkopf so überzeugend, daß er MSCE-Zertifikate ausstellen könnte. "FEHLER - Fehler", erklärt unser Nutzer. "OH!" macht der PJ. "Jetzt begreife ich! So hatte ich das noch nie betrachtet! Wirklich ein guter Scherz!" Unser Nutzer reckt sich stolz über das Lob, während ich mir eine Gedächtnisnotiz mache, den PJ später darauf hinzuweisen, daß er seine feuchte Aussprache besser kontrollieren sollte ... "Gut, sie haben mich überzeugt. Ich muß es ausprobieren! Was muß ich dafür tun?" "Nun, für den Anfang kostet es sie 20 Pfund." "Zwanzig Pfund?!?! Aber es ist doch für meinen Arbeitsplatzrechner! Dafür sollte die Firma bezahlen!" "Ja, sollte sie." stimme ich zu. "Nur will sie das nicht. Sie wollen nicht, daß es auf den PCs installiert wird. Und auch wenn es noch auf dem Formular als Möglichkeit auftaucht, müssen sie es trotzdem selbst bezahlen." "Gut, und was bekomme ich für 20 Pfund?" "Handbücher, die Installations-CD, die Funktionalität. Natürlich erst, nachdem wir es auf ihrem Rechner installiert haben." "Es ist keine Raubkopie, oder?" "Raubkopie?" seufzt der PJ. "Nein, ganz sicher nicht. Sehen sie hier - eine Original-CD." Er hält ein in Folie eingeschweißtes Paket aus Dokumentation und CDs hoch. "Das sieht doch gut aus für diesen Preis!" "Darauf können sie wetten ..." "Also, was muß ich tun?" "Nun, ändern sie ihre Betriebssystem-Auswahl auf dem Vordruck, kreuzen sie das Feld an, daß sie wissen, daß es FEHLER hat, und wir kümmern uns um den Rest." "Oh, wie heißt das Betriebssystem denn eigentlich ..." "SAGEN SIE ES NIEMANDEM!" unterbricht der PJ ihn hastig und blickt sich ängstlich um. "Wenn sie es sagen, dann wollen es alle haben und wir haben doch nur noch ein Exemplar übrig!" "Wirklich? Ein Exemplar? Kann ich es für meinen Privatrechner bekommen?" Der PJ und ich tauschen etwas aus, daß man in einer anderen Welt, in der wir keine Bastarde sind, als bedeutungsvolle Blicke bezeichnen würde, während unser Kunde einen Geistesblitz hat. "Oh, ich hatte gerade einen Einfall! Könnten sie es stattdessen vielleicht auf dem Rechner meines Chefs installieren - er kommt er nächste Woche wieder! Das wäre doch eine gute Überraschung!" Nun, damit liegt er sicher nicht ganz falsch ... "Nun, ich glaube, daß wir das tun könnten", murmelt der PJ langsam. "Aber wer wird dafür bezahlen?" "Ich bezahle es!" "Gut, dann geben sie mir das Geld und füllen noch ein weiteres Formular aus." Zwei OS/2-Installationen und eine Stunde später ... "Sie müssen es wieder von meinem Rechner löschen!" bittet unser Nutzer. "BITTE!" "Wieso?" "Es ist furchtbar. Es stürzt ständig ab. Und sie sagten, es würde mein Leben verändern!" "Das wird es. Warten sie einfach, bis ihr Vorgesetzter in der nächsten Woche zurückkehrt!" "SIE MÜSSEN ES LÖSCHEN!" "Ich würde es ja gern tun, ab das geht nicht. Wir sind nur für die Systemwiederherstellung zuständig. Das System muß zerstört sein, bevor wir eine Neuinstallation vornehmen können." >KRACH!< >KLATSCH!< "Ich glaube, mein Rechner ist defekt!" "Natürlich ist er das. Und was ist mit dem PC ihres Chefs?" >KRACH!< >KLATSCH!< Ich warte, bis der PJ mir signalisiert, daß die Aufnahmen der Überwachungskamera gelungen sind und fahre dann fort. "Und nun brauchen wir nur noch jemanden, an den wir die Lizenzen transferieren können." "Lizenzen transferieren?" "Ja, sie müssen ihre Lizenz an jemanden transferieren, so daß das Betriebssystem sein Betriebssystem wird und wir ihnen ein neues System für ihren Rechner geben können. Sonst müssen wir das gleicher System wieder auf ihrem Rechner installieren." "Aber niemand wird es haben wollen!!!" "Das ist korrekt. Wie auch immer, für eine kleine Ausleihgebühr von 20 Pfund könnten wir ihnen unseren Gummihammer leihen, der kaum Spuren auf einer damit behandelten Festplatte hinterläßt, mit dem sie uns einen neuen Nutzer für die ´Systemaufrüstung´ vermitteln können." "Und für 30 Pfund", schaut der PJ mir über die Schulter. "Für 30 Pfund sagen wir ihnen, wer ihnen den Ärger eingebracht hat, indem er ihre Festplatte ´behandelt´ hat." Man muß diese Arbeit einfach lieben ... |
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© Simon Travaglia, 15.01.2001, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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