diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. kümmert sich wieder um die Nutzer ...

"So", meint der Chef, als er in einem Anfall nachweihnachtlicher Dummheit, die wir in den letzten Wochen so vermißt haben, in unser Büro kommt. "Irgendwelche neuen Auflösungen für Probleme?"
 
"Ja, 1200 dpi!" antworte ich und benutze einen Scherz, der wohl über seinen Horizont reicht.
 
"Wie?" fragt er wie erwartet, dann entschließt er sich, den Wissenden zu heucheln. "Ach ja. Sehr gut. Wirklich gut. Aber lassen wir die Freundlichkeiten. Wir haben ein kleines Problem."
 
"Und worum geht es?"
 
"Nun, es nichts wichtiges ..." antwortet er ausweichend. Er versucht, Zeit zu gewinnen, was nur bedeuten kann, daß Schlimmes auf uns zukommt.
 
"Worum geht es?"
 
"Nun, es war wirklich nicht meine Idee ..."
 
Es wird immer schlimmer.
 
"Um welche Idee geht es denn nun?"
 
"Nun, einige der anderen Manager der IT-Abteilung dachten, es wäre eine gute Idee ... hm ... wennsiedieNutzerbetreuungübernehmenkönnten,weilwegenderUrlaubszeitniemanddaist." stößt er hervor und geht hinter einem Tisch in Deckung.
 
"Sie haben alle Leute aus der Nutzerbetreuung in den Urlaub geschickt?" rufe ich und spiele den Empörten.
 
"Nicht exakt. Der eine ist krank und der andere hat gekündigt, nach dem, was auf der Weihnachtsfeier passiert ist ... nun, sie wissen schon."
 
"DAS WAR EIN UNFALL!" ruft der PJ laut. "Wie oft muß ich das eigentlich noch sagen? Woher sollte ich denn wissen, daß das Lametta elektrisch leitfähig war?!? Ich hätte niemals zugelassen, daß der arme Kerl den Transformator anfaßt, wenn ich das gewußt hätte!"
 
"Und wieso stand da überhaupt ein Transformator in dem Raum?" frage ich, den Verteidiger des PJs spielend und das Unvermeidliche etwas hinauszögernd.
 
"Ich habe ihn ganz einfach von einem in den anderen transportiert ..."
 
"Während er eingeschaltet war?"
 
"Ja, ich wollte nicht, daß das Gerät abkühlt und wegen des möglichen thermischen Schocks ausfällt ..."
 
"Wie die Transformatoren in den Geschäften, die benutzt werden, um die Beleuchtung zu sichern?"
 
"AH, ich glaube, wir sprachen darüber, daß wir jemanden für die Nutzer-Betreuung brauchen", unterbricht mich der Chef.
 
"Ja, ja - stimmt. Also sollen wir das machen?"
 
"Wäre das denn möglich?" fragt er nervös und blickt sich nach einem Ausgang, elektrisch leitendem Material und körpergroßer Rechentechnik um, die umfallen könnte, wenn er an ihr vorbeirennt.
 
"Warum eigentlich nicht", stimme ich ihm zu. "Hier scheint ja alles zu laufen, wenn wir von ein paar uralten Rechnern einmal absehen, bei denen wir die Uhr wieder zurückstellen mußten, um das Jahr 2000-Problem zu umgehen."
 
...
 
"Sie haben etwas zu schnell zugestimmt." sagt der PJ angeekelt, als der Chef sich schwitzend wie ein Wasserfall entfernt hat.
 
"Ja, ich muß gestehen, daß ich etwas schnell war. Wie auch immer, ich hatte einen Grund dafür."
 
"Und der wäre?"
 
"Ich konnte es nicht übers Herz bringen, einfach abzulehnen."
 
"Was?"
 
"Nun, sie wissen doch, wie das nach dem Urlaub ist - sie haben nicht gerade Lust auf die Arbeit, aber kaum sind sie wieder da, stellen sie fest, daß sie nicht so schlimm ist, wie sie es befürchtet hatten. Und so kommt es dann zu dieser Stimmung, in der sie etwas unaufmerksam sind."
 
"Ich ... ähm ... könnte sein." stimmt der PJ langsam zu, nachdem er darüber nachgedacht hat.
 
"Und so sollten wir etwas guten Willen zeigen, den Nutzern ein paar ... Freiheiten gönnen."
 
"Ist es möglich ..."
 
"Was umgekehrt dazu führt, daß sie später im Verlauf des Jahres diese und andere Freiheiten von uns erwarten ..."
 
"Ja ..."
 
"Und was wäre nun besser - wenn sie diese Freiheiten von der Nutzer-Betreuung erwarten und von der Netzwerk-Betreuung keine Antworten erhoffen oder ein Leben in einer real existierenden Hölle, in der die Nutzer *UNS* immer dann anrufen, wenn ihr Rechner einmal wieder abgestürzt ist?"
 
"Jetzt begreife ich!"
 
"Natürlich. Wie auch immer, nachdem wir uns den Nutzern gezeigt haben, müssen wir in wenigen Stunden wieder jene professionelle Zurückhaltung an den Tag legen, für die man uns kennt."
 
"Ah!" ruft der PJ, als der Groschen endlich gefallen ist.
 
...
 
"Sie können sich nach dem Urlaub nicht mehr an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ fröhlich in den Hörer. "Gut, ich habe es in ´morgen´ geändert ... Oh, keine Ursache."
 
... eine Stunde später ...
 
"Sie können sich nach dem Urlaub nicht an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ in den Hörer. "Ich habe es in ´dertagnachmorgen´ geändert. Wiederhören."
 
... eine weitere Stunde später ...
 
"Sie haben ihr Passwort nach kaum einer Woche vergessen?!?" schnaubt der PJ in den Hörer. "Ich schätze, sie sollten froh sein, daß sie überhaupt den Weg zu ihrem Arbeitsplatz gefunden haben ... Ich ändere ihr Passwort übermorgen. >Klick<"
 
"Es ist wie das Fahren auf einem Motorrad." rufe ich dem PJ zu, der langsam wieder in die richtige Stimmung kommt. "Nur müssen sie keinen Helm tragen und beim Abbiegen nicht blinken."
 
Ich befasse mich in der Zwischenzeit damit, die Nutzerlaufwerke zu säubern, die blockiert sind mit den Ergebnissen verschiedener Prozesse, die in der Urlaubszeit unbeaufsichtigt abliefen.
 
>Klick, Klick, Klick<
 
"Jetzt ist sie wieder wie neu!" rufe ich.
 
"Also sieht das Laufwerk jetzt wieder aus wie vor den Ferien?!" ruft der Nutzer erfreut.
 
"Nein, sie sieht wieder aus wie zu dem Zeitpunkt, als sie sie gekauft haben. Als sie noch neu war ..."
 
"A-a-aber ..."
 
"Ich weiß, danken sie mir nicht, ich tue nur meine Arbeit. >Klick<"
 
Zwei weitere Laufwerksformatierungen später zeigt das Telefon eine gewisse Zurückhaltung was Anrufe betrifft.
 
"Sie haben aufgehört!" stellt der PJ fest. "Glauben sie, daß sie es nun begriffen haben?"
 
"Natürlich haben sie das", antworte ich. "Die Nachricht wird schneller die Runde gemacht haben, als ein Werbe-Berater nach ein paar Bieren. Aber sie werden trotzdem anrufen."
 
"Uh, nein, ich höre nichts."
 
>Klick, Klick, Klick<
 
"Natürlich tun sie es!" rufe ich, als die Telefon wieder loslegen.
 
"Der Server der Buchhaltung ist abgestürzt", keucht der Nutzer. "Und wir müssen noch die Abrechnung für den vergangenen Dezember beenden!!!"
 
"Machen sie sich darüber keine Sorgen!" rufe ich. "Das Problem kann schnell gelöst werden - wir haben einer Sicherheitskopie."
 
"Oh, Gott sei Dank!" keucht er. "Auf einem anderen Server?"
 
"Nein, Ausdrucke und Taschenrechner." rufe ich mit teuflischem Grinsen. "Denken sie daran, all ihre Zwischensummen aufzuschreiben, da die Rechnungsprüfer in zwei Tagen vorbeikommen - es geht das Gerücht um, daß sie sehr pedantisch sein sollen!"
 
Es stimmt - eine Pause ist so gut wie ein kleiner Wechsel ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.01.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.