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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. kümmert sich um den Ausverkauf ...

"Sie sagen also, daß ihr Angebot die zuverlässigste Technik umfaßt, die wir jemals kaufen können, und die Angebote ihrer Konkurrenten von ausgebeuteten Kindern in der Dritten Welt aus Teilen zusammengeschraubt werden, die durch ihre Qualitätskontrollen gefallen sind?" murmelt der PJ undeutlich.
 
"Ja", murmelt unser Gastgeber und Zulieferer und zeigt mit seinem Glas in der Hand auf die ausgestellten Rechner, wobei das überschwappende Bier auf dem Boden aufklatscht. "Wir stellen die beste Technik her!"
 
Ich liebe Weihnachtsparties bei den Lieferanten - sie entlarven auf so herrliche Weise deren leere Versprechen und enthüllen die Wahrheit.
 
"Das klingt gut!" ruft der PJ. "In diesem Fall sollten wir die gestrigen Bestellungen stornieren und so schnell wie möglich hier bestellen."
 
"Schneller, wenn das möglich ist", antwortet unser Verkäufer, der mit einem Geschäft, das er vor Weihnachten abschließt, noch auf eine höhere Weihnachtsprämie hoffen kann.
 
"Nun, wenn sie einen Vordruck hätten, könnte ich ihn ausfüllen und dem Chef zum Unterschreiben vorlegen." antwortet der PJ keinen Moment zu früh, um unsere Alkoholversorgung zu sichern.
 
"Ich werde sofort ein Bestellformular ausdrucken!" murmelt unser Verkäufer und wankt davon.
 
Als er zwei unbetreute Kunden, die schon einiges an Getränken hatten, sieht, stürzt sich der Verkaufsgeier Nummer 2 auf uns, der sich die Chance auf einen Weihnachtsbonus ebenfalls nicht entgehen lassen will.
 
"Wohin ist John verschwunden?" will er den freundlichen Kollegen heuchelnd wissen.
 
"Ah, er hat gesagt, er fühle sich nicht besonders. Dabei habe ich nur gefragt, ob er noch Lust auf eine weitere Runde hat", antworte ich und schwenke mein leeres Glas vor seinem Gesicht. "Wir haben vor, noch ein wenig einzuka ..."
 
"Ich lade sie beide ein", ruft er.
 
"Ausgezeichnet. Ich nehme ein Bier und einen Tequila Wallbanger, wenn es den hier gibt."
 
"Ich auch." fügt der PJ hinzu.
 
Abgang von Verkäufer Nummer 2 ...
 
"Tequila Wallbanger?"
 
"Ja, sie werden sich fragen, ob wir einen Tequila Sunrise oder einen Harvey Wallbanger wollten und schließlich beides nehmen."
 
"Ich glaube kaum, daß ich auch nur eines von beiden verkraften kann!"
 
"Oh, ich habe auch nicht vor, es zu trinken - damit kaufe ich uns nur etwas Zeit."
 
"Zeit? Wofür?"
 
"Hallo, ich bin Dave, der Verkaufsdirektor für Geschäftskunden. Hatten wir schon das Vergnügen?"
 
[Geier Nummer 3 ist im Spiel]
 
Der PJ begreift meinen Plan, als der Verkaufsdirektor verschwindet, um sich nach dem Essen zu erkundigen und ein paar Biere und Scotch und Tonic zu holen ... und prompt stürzt ein weiterer Geier auf uns herab.
 
"Eine Art Wettbewerb, wenn ich mich nicht irre?" murmelt der PJ leise.
 
"Ja, ich glaube, es geht bei dieser Party um die Erhöhung der Weihnachtsprämien ..."
 
Nummer 4 verschwindet, um die technischen Daten für die Lüfter zusammenzusuchen, mit denen wir die Wagenladung Rechner kühlen können, die wir bestellen wollen - wir wollen schließlich sicherstellen, daß ihre vereinte Kühlkraft unsere Klimaanlage nicht aus dem Tritt bringt. (In Ordnung, ich klammere mich jetzt schon an die billigsten Ausreden wie an einen Strohhalm, aber es funktioniert.)
 
"Da bin ich wieder", freut sich Geier Nummer 1, der mit einem Stapel Papier wedelt. "Sie müssen nur noch die Anzahl der Rechner eintragen und an den markierten Stellen unterschreiben!"
 
"Ausgezeichnet!" ruft der PJ. "A-aber wo sind die Infrarot-Mäuse? Und die ergonomischen Tastaturen?"
 
"Bin gleich wieder da", murmelt er und steuert die Tür an mit Warp-Faktor 0.003 an, nachdem er einen unangenehmen Zusammenstoß mit dem Türrahmen hatte, den seine Augen wohl etwas weiter links vermutet hatten, als er wirklich war.
 
Nummer 3 kommt zurück. Mit Bier, Gin und Tonic. Und als Verkaufsdirektor hat er sich offenbar schon Gedanken darüber gemacht, was wir wirklich brauchen - nachdem er gesehen hat, daß ihm ein anderer zuvorkommen könnte. Er verschwindet wieder, um nähere Informationen über die angebotenen Speisen zu sammeln, nachdem wir ihm versichern konnten, daß Nummer 1 uns nur die ersten Kapitel seines Buches gezeigt hat, in dem es um einen Manager von Microsoft und ein paar Callgirls geht.
 
Nummer 2 und 3 haben ein paar Probleme, aneinander vorbeizukommen, als Nummer 2 mit 3 Gläsern für jeden von uns zurückkommt, wie ich es prophezeit hatte.
 
"Sie haben sicher über die gewünschte Technik nachgedacht, oder?" fragt er und bemüht sich, nicht zu gierig zu erscheinen. Er legt uns einen Katalog in dem Moment vor, als Nummer 4 mit den Daten zur Schubkraft der Kühler zurückkommt ...
 
...
 
"Sie haben eine Schlägerei unter den Verkäufern unseres Hauptlieferanten provoziert?!" keucht der Chef ungläubig. "Ein Kampft, der damit endete, daß ein Verkaufsdirektor mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte!!!!"
 
"Das waren wir nicht!" antwortet der PJ schnell. "Er hat plötzlich verlangt, daß die Hälfte der Belegschaft sich ausziehen soll. Das mochten wohl die weiblichen Angestellten nicht besonders."
 
"Sie wissen aber schon, daß sie damit deren Verkaufschancen für die Zeit der Zwangsbeurlaubung verringert haben? Möglicherweise gehen ihnen nur ein paar tausend Pfund durch die Lappen!"
 
"Ja, das könnte passieren", gebe ich zerknirrscht zu und warte auf das unausweichliche Donnerwetter ...
 
"VERDAMMT AUSGEZEICHNET!" ruft der Chef und zaubert eine Flasche Brandy hervor, die er in seinem Schreibtisch versteckt hat.
 
Dieser hinterhältige Bastard.
 
"DIESE Nachricht ist unbezahlbar!" fährt er fort und füllt weihnachtlich-großzügig ein paar Gläser.
 
"Sie hassen sie, oder?"
 
"Ja, ich habe einmal für sie gearbeitet. Sie haben Bristol zu meinem Verkaufsgebiet gemacht und mich dann gefeuert, weil da nichts zu verkaufen war. Jetzt müssen sie mir aber noch sagen, ob sie etwas gekauft haben."
 
"Nun, wir fühlten uns nach all den Vorfällen verpflichtet, wenigstens ein paar PCs zu bestellen. Ich schätze, sie sollten die Bestellungen stornieren, da wir nicht zu solchen Einkäufen berechtigt waren."
 
"Ganz sicher nicht! Haben sie die Standardverträge unterschrieben?"
 
"Ich glaube schon." antworte ich und hole unser Exemplar der Bestellung hervor.
 
"Ausgezeichnet - sie garantieren die Lieferung innerhalb von 10 Arbeitstagen! Wir werden sie deswegen im nächsten Jahr wegen Nichteinhaltung vor Gericht belangen."
 
"Woher wissen sie, daß sie nicht liefern werden?"
 
"Oh, es ist gängige Praxis, daß die Bestellungen von beurlaubten Mitarbeitern blockiert werden, bis sie vom Kunden ausdrücklich bestätigt wurden. Also, denken sie daran, ab jetzt keine Anrufe mehr annehmen! Nur noch eins: sind sie für irgendeine Verletzung meines ehemaligen Chefs verantwortlich?"
 
"Nun, eine oder zwei", weicht der PJ aus.
 
"Er wollte uns gebrauchte Pentium II-Rechner mit 300 Megahertz als hochmoderne Geräte andrehen." füge ich hinzu.
 
"Eine oder zwei, sagten sie?"
 
"Jeder von uns."
 
"Ausgezeichnet! Wollen sie noch einen Brandy?"
 
Und so bestätigt sich einmal mehr, daß die Weihnachtsstimmung das Management und die Untergebenen näher zusammenbringt ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.12.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.