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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Ein Spezialist wird gerufen ...

"... und in diesem Fall sollten wir einen Spezialisten herbeirufen, der uns helfen kann." antwortet der Chef auf die schlechte Nachricht, daß weder der PJ noch ich etwas über ´E-Shopping´ wissen - und auch keine Lust haben, uns damit in der näheren Zukunft abzugeben. "Und tatsächlich weiß ich auch schon, wer dafür der geeignete Mann ist! Ich habe mit ihm einmal in Beirut zusammengearbeitet, müssen sie wissen."
 
"Beirut ist ja DAS HERZ des elektronischen Handels!" kommentiert der PJ trocken.
 
"Das hat doch damit nichts zu tun! Wie auch immer, damals hat er sich noch nicht mit Computern befaßt, sondern Flugzeuge repariert."
 
"Also ist er eher ein Schraubenzieher-Profi als ein Computer-Spezialist?" lache ich, da ich der Versuchung, einen Seitenhieb anzubringen, kaum widerstehen kann.
 
"Natürlich nicht! Das war doch schon vor Jahren! Nein, heute ist er wirklich SEHR groß in der Computer-Branche."
 
"Was wohl bedeuten soll, daß er nicht unbedingt GUT darin ist?" fragt der PJ spitzfindig ...
 
"WISSEN SIE WAS, ER IST GENAU DER MANN, DEN WIR BRAUCHEN! Und ich *WERDE* ihn zu uns holen!" ruft der Chef und verkündet uns das Ergebnis seines Entscheidungsprozesses.
 
...
 
"Das sieht nach Arbeit aus!" erkläre ich dem PJ, als wir uns in die Sicherheit unseres Büros zurücgezogen haben.
 
"Aber er klang doch gar nicht SO schli ..."
 
"Merken sie sich meine Worte. Er wird seinen eigenen Satz Schraubenzieher mitbringen, den er seit den Flugzeug-Tagen besitzt UND den er benutzt hat, um Computer zusammenzuschrauben, als er davon leben mußte - und er wird einen kompletten Satz neuer Schlagworte mitbringen, die vorher noch niemand gehört hat."
 
"Ach, ich glaube trotzdem ni ..."
 
"Er gehört zu der Sorte, die sich beim Management anbiedern und sich für Ausfälle entschuldigen. Er wird nach einer Woche wieder verschwinden, sein Projekt wird toter sein als das Beta-Format für Videos UND man wird uns beschuldigen, nicht genügend mit ihm zusammengearbeitet zu haben!"
 
"Warum warten wir nicht einfach ab, wie ..."
 
"100 Pfund?" frage ich, um meine Vorhersage mit handfesten Argumenten zu untermauern.
 
"Die Wette gilt!" ruft der PJ, dessen Verstand bei der Aussicht auf das Geld offenbar aussetzte.
 
...
 
Ich weiß auch nicht, wieso der PJ so süchtig nach Wetten ist. Was auch immer dafür verantwortlich ist, es kann nicht gut für ihn sein. Und deshalb fühle ich mich immer wieder verpflichtet, sein Geld anzunehmen, damit er daraus lernt.
 
...
 
Und für MEIN Geld sieht es sehr gut aus, als Jim, unser neuer Experte, am folgenden Tag eintrifft - wie es der Zufall wollte, hatte er gerade Zeit zwischen zwei Aufträgen, erklärt er uns.
 
Das überrascht mich nicht.
 
"Man hat mir gesagt, sie seien ein wahres Genie, wenn es um diese Online-Handels-Geschichte geht?" frage ich ihn beiläufig, als wir die Begrüßungsformalitäten hinter uns gebracht haben.
 
"Online-Handel?" fragt er ahnungslos.
 
"Ja, sie wissen schon, E-Shopping, E-Commerce - all das."
 
"Nein, ich - OH! Sie meinen internetgestütztes kommerzielles Marketing! So nennen wir es nämlich."
 
"´Wir´ ist wer?"
 
"Oh, wir Leute im Handel."
 
Der PJ kann dabei zuschauen, wie seine 100 Pfund den Bach hinuntergehen und entscheidet sich, Jim mit ein paar Hinweisen zu unterstützen.
 
"Kann ich ihnen vielleicht unsere Serverplattformen für den Handel zeigen, unsere zertifizierten Server-Programme und die Benutzerschnittstellen vorführen?"
 
Was für ein Schummler!
 
"Nein, nein. Ich bin sicher, daß das auch von selbst läuft. Was wir brauchen, sind leuchtende blinkende Bilder als Blickfänger auf der Firmen-Website, um die Besucher auf den elektronischen Handel hinzuweisen."
 
"Animierte Bildchen sorgen dafür, daß Leute von nah und fern unsere Website besuchen?" frage ich ihn, während ich dem PJ schon einmal zeige, daß ich in meiner Geldtasche schon Platz für sein Geld geschaffen habe. "Das klingt doch recht abenteu ..."
 
"Offensichtlich erhöht eine maßgeschneiderte Portalseite das Vertrauen der Kunden in unsere Firma." meint der PJ, als der Chef hereinkommt.
 
"Das sehen sie es!" ruft der Chef, der glaubt, semi-positive Argumente zu hören. "Ich wußte doch, da Jim unser Mann ist. Nun, über welchen Zeitrahmen reden wir eigentlich?"
 
"In einer Woche sollte es laufen", antwortet Jim und nennt eine Zahl, die er wohl aus seinem Hintern gezogen hat.
 
EINE WOCHE SPÄTER
 
"... weil sie mich nicht ausreichend bei der Installation der Programme unterstützt haben!" plappert Jim. "Aber ich BIN SICHER, da ich es in einer Woche geschafft hätte, wenn ich alles SELBST gemacht hätte ..."
 
"Oh, ich bin sicher, daß sie sich auf diese beiden Herren VERLASSEN können", murmelt der Chef mit einem drohenden Unterton in der Stimme, die uns bedeutet, daß wir keine Wahl haben.
 
EINEN TAG SPÄTER
 
"Das ist fantastisch!" ruft der Chef, als er sich die Website anschaut, die mehr geklaute Informationen anbietet, als eine durchschnittliche Website mit Raubkopien. "Diese bewegten Bilder SIND wirklich ein Blickfänger, nicht wahr?"
 
"Wie ein Verkehrsunfall", stimme ich ihm zu. "Es ist nur schade, daß Jim nicht mehr hier ist. Was hat er doch gleich geschrieben?"
 
"Oh, er hinterließ eine Nachricht, in der er sagte, daß er zurück nach Beirut fliegen will - anscheinend hat er schon gepackt und ist abgeflogen - immerhin hat er noch die Arbeit hier fertiggestellt."
 
EINE MINUTE SPÄTER
 
"Und sie wollen wirklich den ganzen Ruhm Jim überlassen?"
 
"Für eine Website, die massenweise urheberrechtlich geschützte Bilder und andere Inhalte anbietet, was uns zwangsläufig rechtliche Probleme einringen wird? Ja, ich glaube schon."
 
"Aber dann wird er dafür bezahlt!" wendet der PJ ein.
 
"Stimmt. Aber wenn er in Beirut ankommt, wird er sich sicher über das Geld freuen."
 
"Aber fliegt er wirklich nach Beirut?" fragt der PJ nachdenklich. "Für mich sieht das alles etwas zweifelhaft aus."
 
"Ich bin mir ganz sicher, daß er unterwegs ist nach Beirut."
 
IN DER ZWISCHENZEIT IN EINER HOLZKISTE MIT DER AUFSCHRIFT "LEBENDES TIER" IN EINER LAGERHALLE DES FLUGHAFENS
 
"MMMmmmMMMMF!!!"
 
"MMMMMmmmMMMMMMMMM MMM M MMMMMMFFF!"
 
"MMMMMMMMMFMFMFMMMMFFF!"
 
Wissen sie, 100 Pfund sind nun einmal 100 Pfund ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 23.10.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.