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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. zieht in den Krieg ...
"Es gab in der Nacht ein paar Probleme mit der Firewall", erklärt der PJ, als ich durch die Tür ins Büro komme. "Offenbar hat sie sich während eines D.O.S.-Angriffs entschlossen, diesen durch ihren Absturz zu bekämpfen." "Es ist doch immer wieder gut, daß wir einen Notfallplan für solche Situationen haben." antworte ich. "Läuft wieder alles?" "Ja, es sieht so aus, als läuft alles wieder normal ... WAS zum TEUFEL tragen sie da!?!?!" "Was, dieses alte Ding?" erwidere ich und fingere an der feinen Woll-Nylon-Mischung herum, aus der mein einziger Anzug besteht. Den ich dreimal getragen habe. "Nein, DAS!" ruft er und zeigt ängstlich in meine Richtung. "Oh, man nennt das eine KRAWATTE. Meistens werden sie getragen, um dem Träger mehr Respekt zu verschaffen - der meistens freilich völlig fehl am Platze ist." "Und warum tragen sie eine?" "Weil, wie man so schön sagt, heute der erste Tag des Rests meines Lebens ist." "Uh-huh. Und deswegen wollen sie jetzt dem neuen Chef in den Hintern kriechen? Ich dachte, er sei ein Säufer - ein ehemaliger Soldat ohne Computererfahrungen ..." "Ja. Aber diese Chefs sind die besten ..." "Ah, entschuldigen sie bitte", werden wir von einer scheuen Stimme unterbrochen. Die Sekretärin des IT-Chefs informiert uns, daß ihr Chef unter einer seltenen Vireninfektion leidet, die er sich beim Genuß verdorbener Nahrungsmittel zugezogen hat, was es ihm unmöglich macht, unseren neuen Chef herumzuführen ... Was für ein bedauerlicher Zufall ... "Das kann ich doch übernehmen!" ... "Hallo", begrüße ich das neue Chef-Exemplar mit einem freundlichen Händedruck, den ich sorgfältig einen kleinen Moment länger hinziehe, als man normalerweise als angenehm empfindet. "Ich bin Brian, der IT-Chef. Ich nehme an, sie wollen sich zunächst einen Überblick über die bei uns eingesetzte Technik verschaffen, oder?" "Hallo, ich bin Dave. Hmm, ich habe die Technik schon bei meinem Bewerbungsgespräch mit, äh, dem IT-Chef gesehen." "Der andere Brian?" erwidere ich perfekt verstellt. "Ja, das ist etwas verwirrend, schätze ich. Aber von jetzt an, werden sie mit mir zusammenarbeiten, nachdem ... nun, sie wissen schon." "Ich habe kei ..." "Ja, es war etwas tragisch, aber andererseits war das vorauszusehen, nachdem wir das Loch in der Abschirmung der Mikrowelle gefunden hatten. Das soll jetzt ja repariert sein, also müssen sie sich keine Sorgen machen. Aber jetzt werde ich sie erst einmal herumführen, damit man ihr Büro etwas herrichten kann. Eine Computertomographie von ihnen wurde doch schon gemacht, oder?" "Nein, wieso?" fragt Dave nervös. "Oh, nur so ein Gedanke!" erwidere ich. "Aber vielleicht ist es besser, wenn sie sich mehr in der LINKEN Hälfte ihres Büro aufhalten, um ganz sicher zu sein." "Die linke Seite aus welcher Perspektive?" fragt er. "Ja, das ist richtig. Bisher hatten sie noch nicht die Gelegenheit, sich mit Computern zu befassen, hatten sie gesagt?" "Ich war bei der Armee, aber nach 20 Jahren habe ich mich entschlossen, in die IT-Branche einzusteigen." "Aber sie haben doch schon mit Computern gearbeitet?" "Nein, wir waren mit der Truppenbewegung, Waffenlager und ähnlichem beschäftigt. Aber ich bin sicher, daß ich mich schnell einarbeiten kann. Wie schwer kann das schon sein? Wir werden in kürzester Zeit funktionieren wie ein Uhrwerk." So soll es denn geschehen ... "Hat die Personalabteilung ihnen schon ihre Zugangskarte ausgehändigt?" frage ich, als wir unser Büro betreten. "Ja." "Gut, dann lasse ich einen Angestellten der System- und Netzbetreuung die Karte validieren, damit ..." Der PJ eilt mit dem Magnetkartenlöscher herbei und ein kurzes >BZZZZZZZZssss< später wird Dave Schwierigkeiten haben, am nächsten Arbeitstag das Gebäude zu betreten ... "So, und jetzt besichtigen wir ihr Büro. In dieser Richtung ..." Ich führe Dave in Brians Büro - die Glaubwürdigkeit meiner Geschichte wird in dem Büro dadurch verstärkt, daß Brian seinen Mülleimer offenbar dazu benutzt hat, die Überreste des Essens, das ihm gestern so durcheinanderbrachte, zu speichern. "Oh, das tut mir jetzt aber leid", seufze ich. "Offenbar haben sie es noch nicht geschafft, das Büro auszuräumen. Vielleicht könnten sie ja einspringen. Werfen sie einfach alles, was zu seinen persönlichen Sachen gehört, in eine Kiste." "A ... A ... Aber ist das nicht IHR Büro?" will er wissen. "Ah, nein, jetzt nicht mehr. Man hat entschieden, daß ich am anderen Ende des Flurs arbeiten soll. Nach all den Vorfällen, sie wissen schon ... Also wenn sie einfach seine Sachen packen und nicht zu nahe an die linke Wand kommen würden ..." "Von der linken Wand FERNHALTEN ..." murmelt Dave, als ich die Tür hinter mir schließe. "Er räumt ein wenig für Brian auf", sage ich der Sekretärin, als ich zurück in mein Büro marschiere. "Er scheint ziemlich pedantisch zu sein ..." Der PJ und ich machen eine zehnminütige Lachpause wegen der Mikrowellengeschichte, worauf ich ihm dann meinen Plan erkläre und für die zweite Runde zurückmarschiere. Dave sitzt in der Mitte des Raumes, da er sich nicht entscheiden kann, welche Wand die linke ist und welchen Abstand er von ihr halten soll ... "Wunderbar. Und jetzt sollten wir ihre Managerausstattung mit Visitenkarten, und der Firmenkreditkarte holen ..." "In Ordnung", stimmt Dave mir zu, der mehr als froh darüber zu sein scheint, die Gefahrenzone verlassen zu können. "Ich vermute, daß sie bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, über das Internet Technik zu bestellen?" "Niemals ..." "Oh, das ist gut, da ich ihnen gleich zeigen kann, wie das geht." Zwei Stunden und einige größere Bestellungen später verläßt Dave sein Büro. Er schwitzt leicht, was er wohl auf die Mikrowellen schiebt. Ich sorge dafür, daß die Sekretärin ihn sieht, als er den "Anti-Mikrowellen-Hut" aus Aluminiumpapier trägt, bevor ich ihn in die Grundlagen der Computertechnik einweihe ... "... und das nennen wir Neustart ..." erkläre ich ihm und trete gegen den Server. Dann reiche ich ihm ein Paar Stahlkappen für seine Schuhe. "Sie könnten uns helfen, wenn sie die abgestürzten Server in der vierten Etage neu starten könnten. Ich muß noch die Funktionalität der Alarmanlage prüfen." "Natürlich!" ruft Dave als sei er wieder bei der Armee. Und offenbar ist ihm die Herausforderung in der vierten Etage lieber als sein Büro ... Später am Tag unterhalte ich mich mit dem Wachdienst über die ganze traurige Geschichte. Dave ist - das bestätigt auch die Sekretärin - offenbar nicht gerade ein geistig stabiler Mensch, der sich plötzlich in den Krieg in Vietnam, Korea oder sonstwo versetzt fühlte und einen Amoklauf gegen die Rechner durch das Gebäude veranstaltete. "Ich bin wirklich verwundert, daß jemand wie er einen Waffenschein BEKOMMEN konnte", kommentiert der PJ, der schon dafür sorgt, daß der nächste Arbeitstag von Dave abwechslungsreich verläuft. Und ich wünschte, ich hätte Dave nicht gesagt, daß morgen eine ´Kampf gegen Viren´-Party stattfindet. Mit geschwärzten Gesichtern ... |
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© Simon Travaglia, 03.10.2000, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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