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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. wird ausgegliedert ...

"Ausgliederung!" Unser Chef und der IT-Chef glucksen zufrieden, als sie in unser Büro watscheln. "Das ist brillant!"
 
Seufz.
 
"Nein, ist es nicht!" rufe ich, als ich von der Seite mit Aktualisierungen für Spiele aufblicke, die gegenwärtig meine volle Aufmerksamkeit hat. "Wir kennen doch schon ein paar ausgegliederte Firmen. Wir müssen ihnen für jeden Anruf eine Riesensumme zahlen, sehen sie - wenn überhaupt - einmal in der Woche bei uns, und am Ende müssen wir doch jemanden einstellen, der das Problem dann wirklich löst, da sie unsere Infrastruktur nicht kennen! Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken - nur nicht für uns!"
 
"Genau darum geht es ja! Es ist eine Goldmine! Wir können ein Vermögen machen!!!"
 
"Ein Vermögen *MACHEN*?!"
 
"Ja, denn es ist wohl ziemlich sicher, daß es einige Firmen da draußen gibt, die die ihre Dienste und die ihres Assistenten brauchen!"
 
"Entschuldigung, wollen sie damit andeuten, daß sie UNS ausgliedern wollen?"
 
"Ja! Wir verkaufen den Interessenten die Zeit, in der sie nicht beschäftigt sind. Sie wissen schon, die Zeit, in der sie das Internet nutzen."
 
"In der ich mich über neue Entwicklungen informiere, meinen sie?"
 
"Oder über die der Pornographie, wenn ich mir ihren Assistenten anschaue." bemerkt der IT-Chef, der seine Augen nicht von den rosaroten Farbtönen trennen kann, die den Monitor des PJs beherrschen.
 
"Ich überprüfe gerade unseren Web-Cache, um ihn für die Firma zu optimieren!" antwortet der PJ angeriffslustig, als er hinter einem Bücherregal auftaucht.
 
"Web-Cache?"
 
"Ja, ich untersuche, WIESO der Zwischenspeicher immer voller Bilder statt voller arbeitsrelevanter Informationen ist. Wenn ich die vollständige Liste der Nutzer habe, die diese Daten heruntergeladen haben, können wir unheimlich viel Bandbreite sparen. UND NOCH WICHTIGER ist, daß wir dann wissen, wer wie lange während der Arbeitszeit statt zu arbeiten sich Pornographie anschaut."
 
"Ich glaube nicht, daß das zu ihren Aufgaben gehört." erwidert unser Chef nervös.
 
"Ja, auch ich denke nicht, daß es dafür eine Notwendigkeit gibt!" stimmt der IT-Chef ihm zu, der ebenfalls etwas nervös wirkt. "Wir bezahlen sie beide ja schließlich für ihre technischen Erfahrungen - solche Aktivitäten gehören aber nicht dazu. Für diese Form der Hexenjagd bekommen sie ihren Lohnscheck jedenfalls nicht!"
 
Falls da noch Zweifel waren, wer für das Material in dem Web-Zwischenspeicher verantwortlich ist, so verpuffen sie jetzt blitzartig ...
 
"Und genau darum geht es!" ruft der Chef, der wieder Morgenluft wittert. "Sie sitzen hier beschäftigungslos herum, während wir Gewinne machen könnten!"
 
Innerhalb eines Tages kommt eine Vereinbarung über die Ausgliederung mit einem alten Freund des IT-Chefs zustande, bei dem es nur einen schäbigen technischen Service zu geben scheint. Der PJ und ich sind komplett gegen diese Idee, bis wir herausfinden, daß es sich bei der besagten Firma um eine Model-Agentur mit freiem Büfet handelt. Modisch gekleidete Models brauchen einfach eine professionelle Betreuung, die nur der PJ und ich leisten können ...
 
[Später am gleichen Tag]
 
"Und da wären wir!" erklärt Brian, unser neuer Teilzeitchef voller Stolz und deutet auf eine Ansammlung von Rechnern und Kabeln, die in einem mehr als warmen Büro verstreut herumstehen beziehungsweise -liegen.
 
"Mit anderen Worten - ein Schweinestall", sage ich und starre auf die Unordnung vor meinen Augen.
 
"NEIN!" Ein langhaariger Kauz mit mit wirrem Blick taucht hinter uns auf. "Alle Systeme sind in einem hervorragenden Zustand - ich weiß das, weil ich sie installiert habe."
 
"Wenn sie mit ´installiert´ meinen, daß sie sie auf jeder freien horizontalen Fläche gestapelt haben, nun, dann war das gute Arbeit. Aber hier gibt es keine Klimaanlage, keine Unterbrechungsfreie Stromversorgung - der gesamte Raum könnte jederzeit ausfallen!" erwidert der PJ.
 
"Ich glaube kaum, daß das ..." fängt der Kauz an.
 
"Es ist ja nicht einmal eine Verriegelung in der Tür!" rufe ich schockiert. "Jedes Model, dessen Gesicht dem Hintern eines Schweins gleicht, könnte mißgelaunt hereinkommen und die Rechner einfach ausschalten! Ich bin wirklich verwundert darüber, daß noch niemand über ein Kabel gestolpert ist und ein paar Geräte mitgerissen hat!"
 
...
 
Ein schnelles "Ups!" vom PJ, der versteckte Hinweise schnell in die Tat umsetzen kann, später ist Brian prompt rückwärts über ein Kabel gestolpert und hat dabei den Hauptschalter betätigt, von dem er schwören würde, daß der vorher noch nicht da war ...
 
Den wahren Profi zeichnet eben eine gewisse Fähigkeit zum Blicken in die nähere Zukunft aus ...
 
Nachdem wir nun unsere technischen Fähigkeiten bewiesen haben, wechselt auch Brian schnell auf die Seite der Guten.
 
"Großer Gott! Das ist ja eine tickende Zeitbombe! Alle Informationen über die Models sind auf diesen Maschinen gespeichert! Die sind ja ein Vermögen wert!"
 
"Wir brauchen einen Rechnerraum." erkläre ich.
 
"Selbstverständlich!"
 
"Einen Platz, der gut von der Klimaanlage bedient wird und über genügend elektrische Anschlüsse verfügt, kein normales Büro", schlägt der PJ vor. "Am besten einen Raum, in dem wir ein paar hohe Regale aufstellen können ..."
 
"Ich glaube kaum, daß wir etwas derartiges finden werden - wir haben nur drei Etagen in dem Gebäude." antwortet Brian.
 
"Einen Raum mit VIEL LICHT?" antwortet der PJ. "Damit wir keine Probleme bei der Beobachtung der Server haben."
 
"Nein, ich glaube ni ..."
 
"Mit viel PLATZ, damit die Luft gut zirkulieren kann, falls es Probleme mit der Klimaanlage gibt ..."
 
"DER KELLER!" ruft Brian. "EIN LAGERRAUM!!!"
 
"Da könnte es zu Überschwemmungen kommen", wende ich ein. "Außerdem soll nicht der ZUTRITT BEGRENZT sein ..."
 
"DAS FOTOSTUDIO!" ruft Brian, der endlich alle Hinweise begriffen hat!
 
"Natürlich!" freut sich der PJ und atmet so heftig, daß er wohl bald seine Zunge verschluckt. "Wieso bin ich nicht auf diese Idee gekommen?!?!"
 
...
 
Und am schlimmsten bei einer Ausgliederung ist, daß es nur ARBEIT, ARBEIT, ARBEIT gibt!
 
Kaum sind wir einsatzbereit (es dauerte etwas länger , bis Brian alle Gerätschaften die Treppen hinaufgeschleppt hatte [weil ihm jemand plausibel erklärt hat, daß die elektrostatische Aufladung des Aufzugs den Geräten schaden würde]), werden wir auch schon zum ersten Einsatz gerufen. Es gab Zugriffsprobleme, die - kaum sind wir da - wieder verschwunden sind, so daß wir wohl noch lange die Rechner beobachten müssen, bis das Problem wieder auftaucht. Zufällig werden gerade Aufnahmen für einen Bikini-Katalog gemacht, doch das Problem läßt sich Zeit.
 
Nun, das ist wohl der Preis, den man zahlen muß, schätze ich.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 30.08.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.