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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der Tag der miesen Laune ...

Ich glaube, ich muß gleich in die Luft gehen. Ich habe versucht, mich zu beruhigen, ich habe bis 10 gezählt, und ich habe ein paar Runden Quake II gegen ein paar Deppen aus dem Marketing gespielt, die keine Ahnung haben, weshalb sie immer gleich explodierten, wenn ich sie mit einer normalen Pistole treffe.
 
Aber es hat nichts gebracht. Ich habe genug! Diese Woche ist einen Tag zu lang, und dieser Tag ist heute! Alle nerven mich. Die Nutzer, der Chef - und sogar der PJ ...
 
Es begann an diesem Morgen, als ich eine simple Anforderung für die Anschaffung ein paar neuer Fastplatten vorlegen mußte, die den alten Schrott in einem der wichtigeren Datenbank-Server ersetzen sollten. Festplatten, die so alt sind, daß auf ihrem Gehäuse die Spuren von Noahs Schraubenzieher zu sehen sind. Und der war nicht gerade ein Techniker, wenn man sich den Kabelsalat in dem Rechner anschaut ...
 
Wie auch immer, ich habe schnell das Anforderungsformular ausgefüllt und zum Chef gebracht, der es genehmigen muß.
 
"Hier fehlt ein Vergleich mit Konkurrenzanbietern", sagt er, nachdem er das Formular überflogen hat.
 
"Bei Anschaffungen, die unter 2.000 Pfund kosten, ist es nicht nötig, Konkurrenzangebote einzuholen." antworte ich.
 
"Ja, aber hier geht es um mehrere Festplatten, die mit Mehrwertsteuer insgesamt ... 2.014 Pfund kosten." erwidert er, nachdem er ein paar Zahlen in seinen Taschenrechner gehämmert und es schließlich geschafft hat, dabei die richtigen Tasten zu treffen.
 
Also stehe ich zehn Minuten wieder in seinem Büro, nur habe ich diesmal ZWEI Bestellungen für jeweils die halbe Anzahl Festplatten dabei.
 
Und er unterschreibt. Gut, er marschiert er zur Sekretärin, um mit ihrem Wörterbuch die korrekte Schreibweise meiner Bestellung nachzuprüfen.
 
"Ich kann nicht glauben, daß sie zwei Bestellungen ausgefüllt haben, um dem Einholen eines Konkurrenzangebots zu entgehen", erklärt er selbstgefällig grinsend, als er wieder zurückkommt, um mich wissen zu lassen, daß er sich nicht so leicht hinters Licht führen läßt.
 
Zweifellos wird seine Selbsgefälligkeit nur solange anhalten, bis er herausfindet, daß das Portemonnaie auf dem Schreibtisch leer ist, seine Kaffeetasse seltsamerweise beinahe überläuft und sein Telefonanschluß auf einen Telefon-Sex-Anbieter umgeleitet ist.
 
Ich schnappe mir die genehmigten Bestellungen und marschiere in die Zentrale der Erbsenzähler, um herauszufinden, daß sie sie heute nicht mehr bearbeiten werden. (Sie schicken Bestellungen mit der Morgenpost ab, doch jetzt ist es schon nach 11:00 Uhr.)
 
Mein Angebot, die Bestellung selber in die Datenbank einzugeben, wird abgelehnt. Es gibt keine Ausnahmen. Regeln sind Regeln.
 
Aber das ist in Ordnung, ich kann damit leben. Als ich in mein Büro zurückkomme, schwatzt der PJ lang und breit über Sinnlosigkeiten mit seiner aktuellen Flamme ...
 
"Ich stimme dir ja *SO* zu", plappert er in den Hörer und macht mich mit Gesten auf eine Warnmeldung auf seinem Monitor aufmerksam, die den Einsatz eines Reinigungsbandes für eines der Laufwerke empfiehlt.
 
Da ich ein großzügiger Mensch bin, schiebe ich das Reinigungsband in das Laufwerk und verschwinde nach unten zu einer frühen Mittagspause.
 
Und kaum habe ich mein zweites Bier bekommen, als eine laute Horde Kauze aus dem Elektronikladen am Ende der Straße hereinkommt.
 
"Und ich habe ihm gesagt: ´Sie können Debian nicht auf einen Auto-Computer portieren - DAS IST KEIN OFFENES SYSTEM´ - WAAAA HAHAHA!" ruft einer von ihnen und läßt alle anderen laut lachen.
 
...
 
Ich verziehe mich besser und finde den PJ noch immer am Telefon sitzen, die Warnungen des Bandlaufwerkes blinken nach immer, ein Berater wartet auf jemanden, der ihm bei seinem Computer-Problem hilft (zweifellos hat er es selbst verursacht), und ein paar Nutzer warten in den Leitungen, weil die Nutzer-Betreuung geschlossen Mittagsause macht ...
 
Etwas muß geschehen.
 
Die Nutzer werde ich in Rekordzeit los, indem ich die Zwei-Wort-Lösung verwende, die die Worte ´Sex´ und ´Reisen´ beinhaltet (dabei gebe ich mich als Nutzer-Betreuung aus, damit ich keine Probleme bekomme), und widme mich dann dem Problem PJ.
 
Ich deute auf die Warnmeldung, die er seit einer oder mehr Stunden ignoriert hat, und zeige ihm den Stecker des Todes, der aussieht wie ein unheimlich wichtiger Stecker, was er auch ist. Doch der PJ ignoriert mich.
 
Was ganz zufällig auf das Verhalten seines Rechners und seines Telefons zutrifft, als ich den Stecker herausziehe.
 
"Was zum Teufel ..." legt der PJ los, um sich sofort zu unterbrechen, als er sieht, daß ich ihm ein kleines Päckchen reiche. Er weiß zwei Dinge: (1) die Postabteilung liefert Pakete nur um 10:00 Uhr und 15:00 Uhr aus und (2) die meisten Pakete sind nicht mit leitfähiger Folie verpackt. "Ich kümmere mich schnell um die Bänder ..."
 
Problem gelöst, jetzt bleibt nur noch der störende Berater mit seinem Problem. Als er sich mir allein und ohne Unterstützung durch seine Kollegen gegenübersieht, entschließt er sich zum Angriff.
 
"Ich habe Probleme mit der Installation von NT", legt er los und zeigt mir ein Blatt Papier, auf dem er die ´Fehlermeldung´ festgehalten hat. "Es liegt keine Diskette im Laufwerk." murmle ich.
 
"Natürlich ist KEINE Diskette im Laufwerk!" erwidert er.
 
Seufz.
 
"Der Rechner erkennt das CD-Laufwerk nicht und BRAUCHT daher eine Diskette zum Starten." erkläre ich.
 
"Nein, braucht er nicht! Vorher ging das auch ohne."
 
Doppelseufz.
 
"Es ist ungewöhlich, aber manchmal passiert sowas."
 
"Sehen sie, ich müßte es doch wissen, ich installiere diese Sachen jeden Tag!"
 
"Uh-huh." seufze ich erneut, doch dann habe ich den rettenden Einfall. "Oh, welches Service-Pack ist eigentlich auf der CD?"
 
"Sechs."
 
"Aha. Nehmen sie die Version Sieben, dort sind die CD-Treiber gleich mit in die CD eingebaut."
 
"Aber wie soll das denn funktionieren?"
 
"Haben sie schon etwas von vorausschauendem Datenzugriff gehört?"
 
"Nein?"
 
"Nun, genau darum geht es, es handelt sich um eine erweiterte Methode zum Zugriff auf CDs, die es dem System erlaubt, die Treiber für die CD vorzuspeichern."
 
Der glasige Ausdruck seiner Augen zeigt mir, was ich über die Glaubwürdigkeit meiner kleinen Lüge wissen muß.
 
"Ah ... In Ordnung."
 
"Helfen sie sich selbst, in dem silbernen Paket dort drüben sind die CDs ..."
 
Einen hohen Schmerzenslaut später fällt ein kleiner batteriegetriebener Kondensator zu Boden. Der Chef, immer auf der Suche nach Abwechslung, eilt herbei.
 
"Was ist denn hier passiert?" fragt er mich und ignoriert den Berater der mit verwirrtem Blick auf dem Boden sitzt.
 
"Oh, er ist voller Begeisterung für die neueste Version von Solitär zusammengebrochen, die heute geliefert wurde."
 
"SIE HABEN EINE BESSERE SOLITÄR-VERSION!" keucht er - sein Tag scheint gerettet.
 
"Ja, die Installationsdiksetten sind in dem glitzernen Paket dort am Boden. Ich hatte noch nicht die Gele ..."
 
>EEEEEEEEEEEEEE<
 
Nun, vielleicht ist das doch kein ganz so übler Tag.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 18.06.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.