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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


An den Händen des B.O.F.H. klebt Blut ...

Im Rahmen des Lippenbekentnisses der Firmenleitung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde jeder, der an einem gefährlichen Platz arbeitet, dazu verpflichtet, an einem Auffrischungskurs in Erster Hilfe teilzunehmen. Und wie das Schicksal so spielt, wurde unser Rechnerraum wegen einer kleinen statistischen Unregelmäßigkeit bei der Häufigkeit von Arbeitsunfällen als der gefährlichste Ort im gesamten Gebäude ermittelt.
 
Nun, so sollte es auch sein.
 
Aber der PJ und ich wurden trotzdem dazu VERPFLICHTET, an dem Auffrischungskurs teilzunehmen, was eigentlich nicht so schlimm ist, wenn man bedenkt, daß wir damit auf Firmenkosten einen ganzen Tag durch Abwesenheit glänzen können.
 
Und wir bekommen auch eines glitzerndes Teilnahme-Abzeichen.
 
Um es später in der Kneipe zu tragen.
 
Nachdem wir unsere Kentnisse unter Beweis gestellt haben.
 
"Ja, das IST die korrekte Anwendungsweise eines Defilibrators", informiert unsere Ausbilderin voller Ruhe den PJ. "Aber er gehört nicht zu den empfohlenen Behandlungsmethoden für gebrochene Arme, und das ist unser eigentliches Thema."
 
Seufzend löst der PJ seine Hände von dem Spielzeug, das nun zweifellos unter einem wirklich starken Energiemangel zu leiden scheint, wenn ich mir die glühenden Überreste der Übungspuppe anschaue.
 
"Kehren wir zu den geborchenen Armen zurück; was ist die beste Behandlungsmethode für solche Unfälle?"
 
"Das kommt ganz darauf an, wie sie gebrochen wurden ..." antwortet der PJ eifrig. Offenbar will der verliebte Streber die Aufmerksamkeit der Ausbilderin am liebsten ganz auf sich allein ziehen.
 
"Ja, das stimmt." antwortet sie. "Wenn es sich um einen offenen Bruch handelt, dann müssen wir ihn anders behandeln, als einen inneren Bruch."
 
"Oh. Ich dachte eher über die Frage nach, ob ich, wenn ich die Tür zugeschlagen habe und rein zufällig damit den Arm eines Nutzers gebrochen habe, die Tür noch einmal kräftig zuzuwerfen, damit er begreift, was ich von ihm halte. Etwas in dieser Art."
 
"Jaaaa ..." antwortet sie und entschließt sich, dieses Thema nicht durch weitere Fragen zu vertiefen. "Wie auch immer, wir müssen uns darum kümmern, ob es bei der Verletzung zu Blutungen kommt oder nicht. Und ob es nötig ist, diese zuerst zu stillen."
 
In der Zwischenzeit hat sich die Gesichtsfarbe des Chefs (auch er weiß es zu schätzen, einen Tag lang auf Firmenkosten seinem Büro fernbleiben zu dürfen) auffällig geändert. Er sieht jetzt etwas blaß aus - offenbar ist er nicht besonders neugierig auf die Geschichte mit dem Blut ...
 
Das beste ist gerade gut genug für ihn.
 
"Blut, sagten sie", rufe ich laut. "Geht es dabei um VIEL Blut?"
 
"Das hängt wirklich davon ab, welche Organe betroffen sind und wie schwer sie verletzt wurden."
 
"Also könnte das Blut richtig HERAUSSPRITZEN und ALLES in der Umgebung treffen, oder wird es nur einfach aus der Wunde HERAUSRIESELN?"
 
Der Chef sieht jetzt aus wie ein Lied von Procol Harum und schwankt bedenklich auf seinem Stuhl, was der günstigste Augenblick für eine Unterbrechung ist ...
 
"Ich glaube, er braucht etwas frische Luft", rufe ich und zeige der Ausbilderin den Chef.
 
"Ja. Ja, gute Idee."
 
"Ich bringe den Defilibrator!" springt der PJ hilfsbereit auf.
 
"Das ist nicht notwendig", erwidert sie. "Er braucht nur eine kurze Pause und etwas frische Luft."
 
Der PJ schluckt seine Unzufriedenheit herunter, blüht aber sichtlich wieder auf, als er dem Chef hilft, sich aus dem Fenster zu lehnen - wobei er ihm die Geldtasche klaut. Die frischen Abgase in seiner Lunge bringen den Chef wieder ins Reich der Lebenden zurück.
 
"Wo ist meine Geldbörse!?!" ruft er, als er formvollendet seinen Selbsttest durchführt.
 
"Hier ist sie", antwortet der PJ. "Ich habe auf sie aufgepaßt."
 
Hastig durchwühlt der Chef sie, doch es scheint alles in bester Ordnung zu sein.
 
Zehn Minuten später haben wir einen Verband in Aktion gesehen und sollen nun paarweise selbst den Umgang damit üben. Ich habe traurigerweise wohl noch nicht ganz begriffen, wie das geht, denn ich wickle die Nase - ich meine den Verband - so straff um den Kopf des Chefs, daß der nicht mehr atmen kann. Und es stimmt wirklich - ein guter Seemannsknoten läßt sich nicht einfach wieder öffnen.
 
Nachdem der Chef seine zweite Portion frische Luft bekommen hat, geht es weiter, um während der blutigeren Phase wieder durch die Wartezeit auf das Erwachen des Chefs unterbrochen zu werden. Seufz.
 
Am nächsten Tag sind wir frohgemut wieder am Arbeitsplatz, und ich führe den Chef durch den Rechnerraum. Er will über JEDEN blutigen Unfall informiert werden, um zu sehen, ob der Kurs auch alle relevanten Themen abgedeckt hat, bevor er die Rechnung unterschreibt. Seufz.
 
...
 
"Und hier rutschte der Ingenieur aus und fiel durch die geöffnete Abdeckung nach unten, wobei er sich den Arm brach. Zufällig geschah das genau einen Tag, nachdem er uns mitgeteilt hatte, daß wir gar kein Anrecht auf eine Reparatur innerhalb von 24 Stunden haben ..."
 
"Ja, ja", murmelt der Chef und macht in einer Liste, die er mit sich herumträgt irgendwelche Häkchen. "Wir werden Warnhinweise an die Wände kleben."
 
"... oh! Und hier gab es diese leichten elektrischen Schläge, als das aufgescheuerte Stromkabel mit dem Schrank in Berührung kam. Es gab ein paar Verbrennungen und etwas Hysterie."
 
"Gut, wir sollten vorschreiben, daß jeder, der den Raum betritt und an den Schrank will, Isolierhandschuhe tragen muß." plappert er vor sich hin.
 
"Ah!" ruft der PJ. "Hier kletterte der Berater, der sich immer darüber beschwert hat, daß er keinen Zutritt zum Rechnerraum hat, auf die Maschine. Und hier zerbrach er mit seinem Kopf den Rauchmelder und löste das Löschgas aus."
 
"Wirklich - er hat ihn mit seinem Kopf zerbrochen?"
 
"Soweit wir das beurteilen können - er kündigte nach dem Unfall, so daß wir ihn nicht mehr befragen konnten."
 
"Nun, die Berater haben alle eine Ausbildung in Erster Hilfe, oder? Ich habe eine Idee! Warum sollten wir nicht allen von ihnen den Zutritt zum Rechnerraum gewähren - das würde die Sicherheit in diesem Raum wirklich erhöhen!"
 
ALARM!!!
 
"Ich soll sie in meinen Rechnerraum lassen?" frage ich.
 
"Ja." antwortet der Chef glücklich über seinen Geistesblitz.
 
"Nun, ich schätze, daß das wirklich Sinn hätte", erwidere ich und ignoriere den ängstlichen Gesichtsausdruck des PJs. "Sie wären damals bestimmt in kürzester Zeit herbeigeeilt und hätten mir mit meinem Finger helfen können, den ich an einer scharfen Kante in diesem Schrank geschnitten hatte ... Oh, sehen sie! Es ist schon wieder passiert!"
 
Ich hole meinen Arm aus dem Schrank und natürlich quillt das Blut aus einer langen Schnittwunde heraus.
 
"Und das", sage ich und deute auf eine Bodenplatte. "Das ist der Ort, an dem der Chef diesmal ohnmächtig wurde in sich >KRACH< den Zeigefinger brach."
 
Besondere Zeiten erfordern nun einmal besondere Maßnahmen.
 
Zutritt zu meinem Rechnerraum gibt es nur, wenn man den Notschlüssel für die Löschanlage aus meinen kalten, steifen Fingern herausholt.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.06.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.