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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Was die drohende Zerschlagung von Microsoft wirklich bedeutet ...

Ich bin mit der Revision der Technik befaßt, was hauptsächlich bedeutet, daß ich durch die Büros marschiere und mir die Rechner der Nutzer anschaue. Das tue ich, um mich zu vergewissern, daß das, was die Nutzer WIRKLICH haben, dem entspricht, was meine Datenbank ihnen zugesteht.
 
Keine besondere Herausforderung, das gebe ich zu ...
 
Und wie immer mußte ich dazu früh aufstehen, damit mich die Nutzer nicht mit ihren geistlosen Fragen nerven können. (Jeder Administrator kann nur eine bestimmte Anzahl von Fragen nach dem Ändern des Bildschirmhintergrundes, des Passwortes oder nach den Helligkeiteinstellungen des Monitors beantworten, bevor er das dringende Verlangen verspürt, den Gehaltsscheck des betreffenden Nutzers dem Papierzerkleinerer anzuvertrauen.)
 
Ich bin damit fertig, die Gehaltsschecks eines Nutzers in den Shredder zu stopfen (Eine reine Präventivmaßnahme - die beste Verteidigung ist noch immer ein guter Angriff.), als ein Frühaufsteher hereinkommt und sich darüber wundert, daß sein Rechner geöffnet auf dem Tisch steht.
 
"Ich prüfe nur, ob ihre installierte Hardware mit dem Inventar übereinstimmt", antworte ich auf seine Frage.
 
"Aber das haben sie doch erst vor einem Jahr schon einmal gemacht!" erwidert er leicht empört.
 
"Wir machen das einmal pro Jahr", antworte ich. "Damit können wir alle Reparaturen und Erweiterungen, die in den vergangenen Monaten stattgefunden haben, noch besser erfassen."
 
"Nun, dann hoffe ich, daß es diesmal etwas weniger problematisch abläuft als im letzten Jahr. Ich bin mir nämlich sicher, daß mein Rechner langsamer lief, nachdem sie ihr Prüfprogramm ausgeführt hatten."
 
Seufz.
 
"Manchmal entdeckt das Prüfprogramm Unregelmäßigkeiten wie übertaktete Prozessoren oder fehlerhaft konfigurierten Speicher, was möglicherweise zu Zugriffsverletzungen und Abstürzen führen kann", erkläre ich ihm. "Und diese Fehlerquellen beseitigen wir natürlich."
 
* DUMMY-MODUS EIN! *
 
Natürlich, ich könnte ihm den wahren Grund nennen - das Prüfprogramm hatte nämlich WIRKLICH eine Unregelmäßigkeit gefunden. Der betreffende Rechner verfügte über 64 Megabyte Arbeitsspeicher, obwohl 32 Megabyte auch ausreichend sind. Und kaum hatte ich diese Fehlkonfiguration ausgemacht, war sie auch schon beseitigt. (Ich habe mein Leben eben dem Wohl der Nutzer gewidmet - man könnte mich auch Vater Theresa nennen.)
 
"Oh. Na gut, und wann werden sie ihren Test beenden?"
 
"Ich bin gleich fertig", antworte ich fröhlich und unterdrücke ein kurzes Gefühl der Reue, als die letzten Überreste seiner Gehaltsschecks im Schlitz des Todes verschwinden. "Ich muß nur noch das Gehäuse zusammensetzen, dann können sie wieder mit ihm arbeiten!"
 
"Wie sie gerade hier sind, kann ich ihnen eine Frage stellen?"
 
"Aber selbstverständlich!"
 
"Nun, ich habe einiges über die Zerschlagung von Microsoft gehört - wird sich das auf meine Programme auswirken?"
 
"Sie meinen, ob die Umstrukturierung bei Microsoft die installierten Programme beeinflussen kann?"
 
"Genau."
 
Meine Gewissenbisse wegen der Schecks lösen sich schneller in Luft auf, als eine Herstellergarantie beim Übertakten eines Prozessors.
 
"Nun, das ist nicht einfach zu beantworten. Der Richterspruch besagt ja, daß Microsoft zu mächtig geworden ist und begonnen hat, den Markt zu monopolisieren - irgendwie ist das wohl eine Art offizieller Witz der US-Regierung."
 
"Ähm?"
 
"Nun, erst laden sie die Menschen ein, eine große Firma aufzubauen und große Steuerbeträge zu zahlen. Und wenn das dann geschieht, erklärt die Regierung, das sei schlecht und fordert die Aufgabe der Geschäfte oder weniger Druck auf die Konkurrenz."
 
"Aber hat Microsoft nicht unfaire Geschäftspraktiken angewandt?"
 
"Das Wort ´Geschäft´ macht den Begriff ´unfair´ in diesem Satz überflüssig."
 
"Sie klingen, als seien sie damit EINVERSTANDEN!"
 
"Ich kann Microsoft nicht ausstehen, um ehrlich zu sein. Doch darum geht es gar nicht. Sie wollten wissen, ob ihr Rechner davon beeinflußt werden kann."
 
"Ja."
 
"Unglücklicherweise könnte das wirklich geschehen. Wegen der Zerschlagung der Firma wird es zu Limitationen bei der Größe der Dokumente, die sie mit den Programmen erstellt haben, kommen. Doch eigentlich sollte sie das nicht besonders stören - sofern sie keine Dokumente haben, die größer als 20 kb sind."
 
"Aber die MEISTEN meiner Dokumente sind größer - ich bin für die Einstellungsverträge zuständig."
 
"Wirklich?" (Die Sache wird besser und besser.) "Es könnte passieren, daß sie pro Dokument nur eine Seite zu einem Zeitpunkt bearbeiten können. Vielleicht nur eine einzige Seite."
 
"EINE SEITE! All meine Dokumente sind länger als eine Seite. Was soll ich nun tun?"
 
"Nun ... Ich weiß nicht recht, ob ich ihnen das sagen darf ..."
 
"Oh, bitte! Ich käme um, wenn ich all meine Dokumente aufteilen müßte."
 
"Nun ... Gut, ich glaube, ich kann es ihnen sagen. Sie müssen die Dokumente DELIMITIEREN."
 
"Wie geht das?"
 
"Wechseln sie einfach ins DOS und tippen sie DEL *.* ein."
 
"HEY! Wird das die Dateien nicht löschen?"
 
"Nein, das Löschkommando heißt REM wie in remove. Man hat das schon vor Jahren geändert. Sie haben offenbar viel zu lange mit Windows gearbeitet."
 
"Oh." schluckt er.
 
"Und wenn sie gerade dabei sind, wollen sie vielleicht auch die Dateien der anderen Nutzer delimitieren. Und die auf dem Server - ich befürchte, daß der Delimitations-Befehl von dem neuen Betriebssystem, das wir am Nachmittag installieren werden, nicht mehr unterstützt wird."
 
"Gut, gut, dann kümmere ich mich gleich darum."
 
"Ausgezeichnet. Und vielleicht delimitieren sie auch NTLDR und die boot.ini, und alle Profiles-Verzeichnisse auf den Rechnern - nur damit wir auf der sicheren Seite sind, falls sie nach der Zerschlagung auch das multinationale Darstellungssystem aus dem Basissystem entfernen."
 
*** DUMMY-MODUS UNWIDERRUFLICH EIN ***
 
"Ähm, in Ordnung."
 
Ein Faß voller Karpfen, eine Angel ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 05.06.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.