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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. heuert auf der Enterprise an ...
(Die Episode, die nie gesendet wurde.)

"Logbuch des Kapitäns, Datum: Neunundzwanzig Punkt Zwei Punkt Sechsunddreißig, Vierundzwanzig, Dreiundsechzig, hhhmmmm hhhhmmm. Wir haben Probleme mit dem Bordcomputer, also sind wir durch Zeit und Raum zurückgereist zur Erde zu Beginn des 21. Jahrhunderts und haben einen Experten an bord gebeamt, der uns bei der Beseitigung der Probleme helfen kann."
 
...
 
Also erwache ich auf dem Raumschiff Enterprise. Und es ist so offensichtlich, daß ich träume, daß ich gar nicht an etwas furchbares denke, das mich aufwachen lassen würde (wie zum Beispiel an die Arbeit bei einem Teleshopping-Sender). Ich entschließe mich, erst einmal abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. Natürlich prüfe ich vorher noch, ob ich einen dieser senffarbenen hautengen Anzüge trage, falls es sich um einen Alptraum handeln sollte.
 
Zum Glück ist das nicht der Fall.
 
"Willkommen an Bord", lächelt Kirk und läuft mit ausgestreckter Hand auf mich zu.
 
"Danke, Kapitän", antworte ich und schaffe es bei unserem Handschlag, ihm unbemerkt seine verlockend modern aussehende Uhr vom Arm zu streifen. "Und ich kann ihnen gar nicht sagen, wie sehr es mich freut, diese Uniform zu sehen."
 
"Wirklich?" fragt Kirk fröhlich.
 
"Nein, nicht wirklich. Aber kommen wir zu ihrem Problem. Wo drückt sie denn der Schuh?"
 
"Nun, es hat etwas mit unserem Steuersystem zu tun - immer wenn wir in einer Umlaufbahn um einen Planeten kreisen wollen, scheint das Raumschiff auf einer Tangente vom Kurs abzuweichen."
 
"Wie ihre Sendung?"
 
"Hä?"
 
"Nichts. Also handelt es sich um ein Problem mit der Steuerung?"
 
"Ja. Ich schätze, es ist ein Kabel locker oder etwas ähnliches."
 
"Sie haben eine Menge davon, oder?"
 
"Nein, eigentlich nicht, wenn ich jetzt daran denke ..." antwortet Kirk.
 
"Und es ist sicher auch nicht etwas so triviales, wie Spock, der ein Tasse Kaffee auf seiner Konsole umgeschmissen hat, oder jemand, der während der Hektik einer Weltraumschlacht zu oft die falschen Tasten gefrückt hat?"
 
"Nein, das haben wir geprüft."
 
"In Ordnung, und es hat in der letzten Zeit auch niemand die Programme aktualisiert oder geändert?"
 
"Nein."
 
"Und was macht Spock dann mit diesen Disketten?"
 
"Ich habe versucht, ein vom Hersteller zertifiziertes Diagnose-Programm zu installieren, das die wahre Ursache für die Fehlfunktion auf dem Wege der strategischen Elimi ..." plappert Spock los, bevor ich ihn unterbreche.
 
"Falls das das Service Pack 6 ist, verschwinde ich jetzt!"
 
Nach ein paar vernuschelten Entschuldigungen stimme ich zu und verspreche, einen Blick auf die Maschinen zu werfen ...
 
"Äh, das ist der Kaffee-Automat."
 
"Natürlich ist er das, aber ich ziehe die holistische Methode der Computer-Wartung vor - alles ist mit allem verbunden und reflektiert daher in sich wieder das ganze System. Nebenbei, nach einem Espresse kann ich besser denken."
 
"Expresso? Uh, wir haben nur Pulverkaffee!"
 
Es ist wohl doch ein Alptraum.
 
"... wie meinten sie das mit der holistischen Methode?"
 
"Nun, nehmen wir als Beispiel diesen Automat. Sehen sie den braunen Satz, der sich in der Leitung angesammelt hat und anscheinend den Erhitzer blockiert?"
 
"Ja?"
 
"Und daraus kann man nun schließen, daß ihr Steuerprogramm auf eine ähnliche Weise blockiert sein könnte."
 
"Durch Kaffee?"
 
"Nein, aber durch die Überreste unfachmännisch ausgeführter Wartungsversuche."
 
"Es fällt mir schwer, das zu gl ..."
 
"Schauen sie sich diesen Ruß auf den Dilithium-Kristallen an!"
 
"Das sind keine Dilithium-Kristalle. Das ist unser Mittagessen - es wurde nur noch nicht hydriert!"
 
"Wenn sie mir jetzt sagen, daß das Kebab mit Chips sein soll, muß ich mich übergeben."
 
... sechs Stunden später ...
 
"In Ordnung, ich brauche ein Werkzeug zum Auswechseln des RAMs, ein Kabel zur Erdung, einen akustischen Schraubenzieher ..."
 
"Einen akustischen Schraubenzieher?"
 
"Oh, mein Fehler - einen entmagnetisierten Schraubenzieher mit einem flachen Ende und einer integrierten Spannungsanzeige."
 
"Etwas derartiges haben wir leider nicht", murmelt Scotty, der mit einer Werkzeugkiste anrückt.
 
"Und wie sieht es mit einem Schweizer Offiziersmesser und einem Hammer aus?"
 
"Kein Problem!" strahlt er.
 
... zehn Minuten später ...
 
"So, das sollte funktionieren", rufe ich und knalle das Gehäuse zu. Seit ich mit dem Sandstrahler die Magnetköpfe gereinigt habe, war das die scheuslichste Arbeit, die ich je gemacht habe.
 
"Und was machen wir jetzt?" fragt Kirk.
 
"Nun, einfach starten und sehen, was passiert."
 
... weitere zehn Minuten später ...
 
"Nun, die Steuerung scheint wieder zu funktionieren", murmelt Scotty und schaut von seinen Instrumenten hoch. "... allerdings bekomme ich Meldungen angezeigt, die vor der Überhitzung des Navigations-Moduls warnen."
 
"Oh, das wird nur das Klebeband sein, daß vor dem Lüfter hängt. Aber die Steuerung müßte funktionieren, es sei denn, wir geraten in einen ..."
 
"METEORITEN-SCHAUER, das Schiff unternimmt ein automatisches Ausweichmanöver!" ruft Spock.
 
"... ah, nun, damit müssen sie jetzt selber klarkommen. Wenn sie mich einfach zur Erde zurückbeamen könnten, wäre ich ihnen sehr verbunden."
 
"Nein, das geht jetzt nicht." ruft Kirk. "Scotty, alle Energie in die Schubumkehr!!"
 
"WENN ICH SIE NOCH STÄRKER BELASTE, FLIEGT UNS DER GANZE LADEN UM DIE OHREN!" brüllt Scotty aufgeregt.
 
"Nein, das wird in jeden Fall passieren!" rufe ich, gehe zum Teleporter und drücke den Knopf mit der Aufschrift ´Koordinatenumkehr´ ...
 
...
 
Was für ein seltsamer Traum.
 
Das muß wohl an dieser himmlischen Weltraumuhr liegen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 22.05.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.