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| bastard operator from hell | ||
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Der ICHHASSEDICH-Virus erobert das B.O.F.H.-Land ...
Wir nähern uns der Mittagszeit, als der Chef ins Büro kommt und mich bei der Lektüre der Morgenzeitung stört. Gut, ich habe mich etwas zu lange damit aufgehalten, mich darüber zu wundern, welch hohe Farbqualität heute auf billigstem Papier möglich ist. "Dieses Seite 3-Mädchen sieht wirklich so echt aus, daß man meinen könnte, sie würde vor uns stehen!" erkläre ich dem PJ, der von seiner Lektüre der Aktienkurse hochblickt (der arme Kerl). Irgendwie wirkt nicht gerade erfreut. "Ja, ja, ja, das sagen sie beinahe täglich", antwortet er und widmet sich wider dem Studium seiner Kurstabellen. Offenbar mag diese trockene Morgenlektüre. "Aber schauen sie sich diese hohe Qualität der Farbmischung an!" rufe ich. "Um", unterbricht mich der Chef. "Wenn sie nicht zu beschäftigt sind ..." Seine Zurückhaltung ist durchaus angebracht, denn in der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, daß ich nicht gerade kollegial handle, bevor ich meinen vierfachen Frühstücks-Espresso hatte. "Ja?" frage ich freundlich und breche mit der Tradition, um einmal eine andere Herangehensweise auszuprobieren. "Es geht um diese ICHLIEBEDICH-Geschichte." "Machen sie sich doch nicht lächerlich - sie sind nicht mein Typ. Und außerdem nicht einmal vom richtigen Geschlecht!" "Nein, der Virus!" "HIV? Nun, ich bewundere ihre Ehrlichkeit in diesen intoleranten Zeiten, aber ..." "Nein, es geht nicht um mich, sondern diesen E-Mail-Virus. ICHLIEBEDICH!" "Oh, das." "Ja! Was werden wir dagegen unternehmen?" "Nun, der PJ und ich haben das Thema ausführlich diskutiert und glauben nun, daß wir den Nutzern vertrauen können, daß sie sich an die einfache Regel halten, unbekannte Dateianhänge nicht zu öffnen, so wie wir es ihnen immer und immer empfohlen haben." "Das ist ja schön und gut, aber irgendjemand wird sich bestimmt nicht daran halten." fügt er besorgt hinzu. "Also haben sie ihren Arbeitsplatz-PC infiziert?" seufze ich. "Uh, nein - den der Sekretärin. Sie wollte, daß ich nachprüfe, ob es sich um den Virus handelte." "Also haben sie den Anhang geöffent, um ihn zu prüfen?" "Ja, nun ..." "Tatsächlich ... Da scheint unser Windows 2000-Projekt ein erstes Opfer gefunden zu haben. Ich meine natürlich ein Testobjekt." "Gibt es nichts, was wir tun können?" "Davon abgesehen, daß man Dateianhänge nicht öffnen sollte?" "Äh, ja." "Nicht wirklich - eine Neuinstallation ist einfacher und auch sicherer." "Oh, könnten sie ein Rundschreiben dazu vorbereiten, damit wir alle informieren können?" "Ich schätze, daß wir das tatsächlich könnten, doch wir sind noch besorgter über den ICHHASSEDICH-Virus und was passiert, wenn wir einen davon bekommen." "Der ICHHASSEDICH-Virus? Was ist das?" keucht er entsetzt. "Nun, das ist eine Abart des ICHLIEBEDICH-Virus, nur wirkt er weitaus zerstörerischer." "DAS KANN DOCH NICHT SEIN!" schnappt er nach Luft. "Aber ja. Er sieht aus wie ein einfaches Textdokument, doch in Wirklichkeit macht er all den üblichen Kram und noch einiges mehr. Ist er einmal im Arbeitsspeicher, wird die System-Registrierung durcheinandergebracht - gut, das kann Microsoft schon lange; nach dem Zufallsprinzip werden Termine aus der Vergangenheit in ihrem elektronischen Planer neu eingetragen ... Und IMMER, wenn sie sich beim System anmelden, ähm, schickt er den gesamten Inhalt ihrer Posteingangs- und Postausgangsordner an alle Adressen in ihrem Adressbuch - was nicht gerade lustig ist, wenn sich darin noch private E-Mails befinden, die sie nicht gelöscht ha ..." Hier schnappt der Chef hörbar nach Luft. "... ben; und, hmm, er druckt alle Bilder, die er in den Cache-Ordnern ihrer Browser findet auf allen verfügbaren Druckern im Netzwerk aus, was auch recht unangenehm werden kann, wenn sie in den letzten zwei Monaten Pornoseiten besu ..." Raketenschnell verläßt der Chef unser Büro mit der Absicht schlimmeres dadurch zu verhindern, daß er das Netzkabel zieht, schätze ich. "Ich nehme an, sie haben ihm eine Nachricht mit dem Betreff ICHHASSEDICH geschickt?" fragt der PJ. "DREI Nachrichten, um genau zu sein. Und als Anhang habe ich eine Textdatei mit der Überschrift ´Zehn Gründe, weshalb ich dich hasse´ mitgeschickt." "Welche Gründe sind das?" "Nur ´Sie sind ein Arschloch´ jeweils zehnmal ..." "Kein Virus?" "Nein, das wäre zu aufwendig. Besser als jetzt kann es doch gar nicht werden. Allerdings ist es bedauerlich, daß er schon verschwunden war, bevor ich erzählen konnte, daß jede neu empfangene E-Mail automatisch mit einer Nachricht mit dem Betreff ´Verpiß dich, du Idiot´ beantwortet wird." "Das können wir doch später noch benutzen." "So ist es! Nun, jetzt müssen wir nur noch die Inhalte der genannten Ordner aus der Sicherungskopie an alle Mitarbeiter im Haus schicken und ein paar Pornobilder an die Drucker schicken." "Also bediene ich mich in unserem Porno-Archiv?" "Ähm ... NEIN! Nein, suchen sie im WWW nach ein paar Schwulenbildern. Wenn die ausgedruckt werden, können wir so tun, als hätten wir schon immer gewußt, was seine Annäherungsversuche vom Morgen zu bedeuten hatten." "Er wird alles abstreiten und leugnen, daß die Bilder von seinem Rechner stammen!" "Natürlich wird es das. Aber ´Ich schaue mir nur normale Pornos an´ dürfte als Ausrede für die Geschäftsleitung nicht besonders gut klingen." ... "Wirklich, das hat NICHTS mit mir zu tun!" jammert der Chef, als der PJ und ich ihn aufmerksam mustern. "Natürlich nicht." antworte ich freundlich. "Sind sie noch immer sicher, daß es nichts gibt, das sie uns sagen wollten?" "Das sind NICHT meine Bilder!" "Nein, ich hatte da an etwas anderes gedacht ..." "Und was sollte ich ihnen nach ihrer Meinung sagen?" fragt er verwirrt. "Nun, ich hatte GEHOFFT, daß sie sich dafür entschuldigen werden, daß sie uns bei der Lektüre der Morgenzeitung gestört haben und daß das nie mehr vorkommen wird." "Ich ..." beginnt er, um mit einem "SIE waren das!?" zu enden. "Den Zug können sie nicht mehr aufhalten!" rufe ich. "Und wenn sie nicht wollen, daß die Protokolldateien der Drucker mit dem Namen IHRES Rechners ihren Weg in das Postfach unseres konservativen IT-Chefs finden ..." "Ja!" keucht er und denkt offenbar an seine Aussichten, wenn der IT-Chef Wind von einem Gerücht wie diesem bekommt. "Sie werden hinunter in das Café gehen und einen vierfachen Espresso für mich einen doppelten für meinen Assistenten holen." "In Ordnung", gibt er resigniert auf. "... für die nächsten vierzehn Tage." "Ja ..." Es ist eine dreckige Arbeit, aber jemand muß sie ja erledigen ... |
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© Simon Travaglia, 09.05.2000, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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