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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. träumt von einem straflosen Mord an einem Nutzer ...

Es ist 3:17 Uhr, ich schlafe sicher in meinem Bett und träume von einer Welt, in der "Dummheit" als Entschuldigung für einen straflosen Mord ausreicht, als das Telefon klingelt.
 
"Hallo. Ich weiß ja, daß es spät ist ..." beginnt die Stimme.
 
"Es ist nicht spät, sondern früh ..."
 
"Ja, nun, ich mußte anrufen, denn es handelt sich um einen Notfall!"
 
"Uh-huh. Und woher haben sie meine Nummer?"
 
"Sie stand in der Liste mit den Kontaktpersonen, die nach Büroschluß erreichbar sind, unter ´Pakistanische Botschaft´. Ihr Chef hat mir gesagt, wo ich sie finde."
 
Was natürlich die Frage aufwirft, WIE der Chef herausgefunden hat, daß es sich dabei um meine Nummer handelt, die doch nur dei Person kennen sollte, die die nächsten Wochen damit verbringen wird, mit einem Tastatur-Staubsauger die Zwischenetage unter dem Rechnerraum zu säubern ...
 
"Wie auch immer, ich habe sie angerufen, weil der Laserdrucker in Raum 440 nur noch wenig Toner hat. Und der möglicherweise auch noch völlig ausgeht, bevor wir mit dem Ausdrucken der Berichtsentwürfe mit den Ergebnissen der Kundenbefragung fertig sind, die wir für die morgige - nun, die HEUTIGE - strategische Besprechung mit den Direktoren aus der Zentrale in den USA brauchen."
 
"Warum nehmen sie nicht einfach einen anderen Drucker?" seufze ich und versuche, hilfsbereit zu klingen.
 
Ich muß noch halbwach sein ...
 
"Das KÖNNEN wir NICHT, weil wir Spezialpapier in diesen Drucker gelegt haben!"
 
"Wieso ist es Spezialpapier?"
 
"Das Wort ENTWURF ist als Hintergrund aufgedruckt!"
 
"Natürlich - und sie können das Papier nicht in einen anderen Drucker einlegen oder gar einen dieser teuren Farbdrucker benutzen, die im ganzen Gebäude verstreut sind, mit denen sie ENTWURF als rotes Hintergrundbild drucken können ..."
 
"Ah ... Ja, das ist eine gute Idee."
 
Kaum bin ich wieder eingeschlafen, klingelt das Telefon erneut.
 
"Hallo, da bin ich wieder!" meldet sich fröhlich der Nutzer, den ich am wenigsten mag - und es nervt mich wirklich, daß er mich jetzt wie einen alten Freund anspricht, weil wir ein gemeinsames Druckerproblem hatten ...
 
"Natürlich, das Papier wird mit der Seite, die bedruckt werden soll, nach oben eingelegt."
 
"Oh."
 
"Sie wissen schon, so, wie sie es aus dem anderen Drucker herausgenommen haben ..."
 
"Oh. Natürlich. Es ist nur so, daß ich dabei nichts verkehrt machen will ..."
 
"Dabei" ist der wichtigste Begriff in seiner Aussage. Wenn er damit das Anfertigen des Berichts meint, bewegt er sich auf sicherem Boden. Wenn er mit "dabei" aber "meine Karriere", "meine Chancen auf eine Weihnachtsprämie" oder "meine Chancen, die Toilette zu besuchen und ohne einen starken elektrischen Schlag wieder herauszukommen" meint, dann ist es ohnehin schon zu spät für ihn.
 
Aber seinem Schicksal kann man nicht entkommen.
 
Das Schicksal schlägt erneut zu, als er um 4:16 Uhr anruft, um zu fragen, wie der Drucker im Druckerraum in der 4. Etage im Netzwerk heißt.
 
"Ich weiß es nicht, was steht dann auf dem weißen Aufkleber an der Seite?"
 
"Uh ... A4PS04331."
 
"Wie in A4 Postscript Version 4, Raum 33, Drucker 1?" frage ich gereizt.
 
"Also ist A4PS04331 die Druckerbezeichnung?"
 
"Nein das sind nur ein paar Zahlen und Buchstaben, die wir auf die Seiten der Drucker kleben, um sie interessanter zu gestalten." antworte ich wenig freundlich.
 
"Oh. Und wie heißt der Drucker denn nun?"
 
Seufz.
 
Um 4:47 Uhr stelle ich mir einen Mord vor, nachdem ich gefragt wurde, wie man einen Tonerbehälter ausstausch ...
 
5:02 Uhr ...
 
"Er druckt nicht, ES KOMMT NUR WEISSES PAPIER HERAUS!!!" keucht er.
 
"Haben sie den Verschluß entfernt, bevor sie den Toner eingesetzt haben, wie es in der Anleitung steht?"
 
"NATÜRLICH HABE ICH DAS!"
 
"Und wie sah er aus?"
 
"Ein schwarzes Plastikstück!"
 
"Und da war kein Stück aus transparentem Plastik dabei?"
 
"NEIN!"
 
"Dann ist der Verschluß noch immer da."
 
"Was soll ich nun tun?"
 
Ich zähle langsam bis 10.
 
Seufz.
 
"Nun, da sie den Verschluß nicht mehr lösen können, da sie den Plastikgriff abgebrochen haben, müssen sie ihn wohl auflösen. Haben sie ein parfümiertes Lösungsmittel?"
 
"Äh ... nein?"
 
"Was ist mit ihrem Sanitätskasten?"
 
"Ich glaube nicht!"
 
"Nun, prüfen sie das. Wenn sie nichts finden, müssen sie etwas Lösungsmittel aus dem Service-Zentrum holen. Nein, warten sie, das ist jetzt ja geschlossen. Wissen sie, nehmen sie einfach etwas Benzin. Eine halbe Gallone sollte ausreichen ..."
 
Später am Morgen ...
 
"Und der Drucker EXPLODIERTE plötzlich und ging in Flammen auf!!!" berichtet mein Anrufer einen Neuling vom Wachdienst, als ich durch die Überreste von Raum 443 schleiche.
 
"Und sie sagen, er hat ihnen befohlen, Benzin in den Drucker zu schütten?!" fragt der Wachmann.
 
"Ja, um den Kleber aufzulösen! Zum Glück habe ich den Drucker abgeschaltet, sonst hätte ich genau daneben gestanden, als es passierte!!!"
 
"Ja, da haben sie Glück gehabt." nickt der Wachmann. "Nun, wenn sie mit in unser Büro kommen, können wir gleich einen Unfallbericht ausfüllen und die Geschäftsführung informieren."
 
"Ich werde den Lift rufen." grinst der Nutzer hilfsbereit.
 
"Sind sie sicher, daß sie den Lift benutzen wollen?" fragt der Wachmann und schaut sich vorsichtig um. "Es gibt ... Gerüchte, daß die Fahrstühle sich in der letzten Zeit manchmal seltsam verhalten ..."
 
"Gut, dann nehmen wir die Treppen!"
 
...
 
"Und dann rutschte er unglücklich aus und stürzte die Treppe hinunter", erklärt der Wachmann später dem Chef.
 
"Er fiel eine Treppe hinunter!" keucht der Chef mitleidig.
 
"Nun, es waren gleich zwei Treppen, um ehrlich zu sein - dabei brach er sich sein linkes Bein und das rechte Handgelenk!" antwortet der Wachmann.
 
"Natürlich haben wir das Treppengeländer und die Stufen sorgfältig geprüft, doch alles sah völlig harmlos aus. Natürlich werden wir seiner Beschwerde nachgehen, wenn er sich erholt hat, doch gegenwärtig können wir den Fall nicht weiterverfolgen ..."
 
Seltsam. Und noch seltsamer wird es, als ich den PJ dazu befrage, der jegliches Wissen leugnet.
 
Nicht mehr so seltsam wirkt die ganze Sache als eine wohlbekannte Person in einer blauen Uniform sich mit einem Band, das aussieht, als stamme es aus einer Telefonüberwachungsanlage.
 
"Hallo!" beginnt der PJ. "Sind sie nicht ..."
 
"Ihr neuer stiller Teilhaber?" sagt der Wachmann. "Der auf ein Bier wartet!"


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 24.04.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.