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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. trifft auf eine Kollegin ...

Ich arbeite an einem Rechner, als ein Geruch an meine Nase dringt, der nur eins bedeuten kann - der PJ hat eines unserer eher empfindlichen Geräte ´repariert´.
 
Nur macht der PJ gerade eine Woche Urlaub - ich bin wirklich verwirrt. Das kann doch kein Defekt sein?! Nicht bei meiner Technik.
 
Aber es sieht ganz danach aus. Ich folge meiner Nase dorthin, wo der Geruch am stärksten ist, um eine alte Festplatte mit Hitzespuren auf der Vorderseite als Ursache zu finden. Sie sieht wirklich nicht gut aus.
 
Ich prüfe unseren Wartungsplan, aber - natürlich - das Gerät wurde nicht mehr gewartet, da der Chef denkt, daß ein Gerät, das in der Vergangenheit funktionierte, auch in der Zukunft nicht ausfallen kann. Die billigste Variante von Technikpflege eben.
 
Also, die Festplatte ist hin. Und da sie antik ist, kostet ihr Ersatz etwa das, was man heute für einen kompletten Arbeitsplatzrechner zahlen würde, der über die zehnfache Rechenleistung und den zehnfachen Plattenplatz verfügt. Und selbst dann würde man nur über einen Pentium 75 mit einer 2 Gigabyte Festplatte sprechen, also könnte man auch das noch einmal mit 10 multiplizieren.
 
Und wo wir gerade dabei sind, könnte man auch noch die Kosten für das Herbeirufen des Technikers hinzufügen, der, da wir keinen Wartungsvertrag mit seiner Firma haben, 200 Pfund allein für die Anfahrt und weitere 150 Pfund je Stunde kassiert. Eigentlich ein lukratives Geschäft, über das ich einmal nachdenken sollte.
 
Die Technikerin, die sich mir schließlich vorstellt, ist eine echte Überraschung. Sie wirkt aus verschiedenen Gründen interessant auf mich, wovon nicht der geringste ist, daß sie gar nicht einfältig aussieht, oder die Sorte von häßlich ist, mit der Eltern ihren Kindern drohen, wenn diese mit Streichhölzern gespielt haben. Ja, ich würde sogar soweit gehen, daß sie mehr als attrak ...
 
"Und wo ist das Laufwerk?" fragt sie.
 
"Im Rechnerraum."
 
"Haben sie eine Zugangskarte für mich?"
 
"Ja, aber wir müssen alle Arbeiten im Rechnerraum beaufsichtigen - sensitive Daten etc." antworte ich. "Also werde ich sie hineinlassen."
 
Sie folgt mir in den Rechnerraum und zeigt keine Hemmungen, die Machine zielstrebig herunterzufahren, indem sie sie einfach abschaltet.
 
Sie gefällt mir.
 
Mehr als doppelt so schnell ist die Festplatte ausgetauscht und der Rechner läuft wieder.
 
"Noch einen Kaffee bevor sie gehen?" schlage ich vor.
 
"Aber gern", sagt sie, nachdem sie einen Blick auf ihre Uhr und ihren Nachrichten-Pieper geworfen hat.
 
Ich eile aus dem Büro und flitze doppelt so schnell mit einem Kaffee zurück, der genau ihren Vorlieben entsprechen dürfte, wenn ich mich nicht irre.
 
"Ich fürchte, ich kann nicht länger bleiben, ich muß an das andere Ende der Stadt und wenn ich mich nicht beeile, komme ich in den Berufsverkehr. Ich habe keine Lust auf Beulen in meinem P76!"
 
Ein P76 Leyland, das Markenzeichen eines offensiven Fahrstils. Ein wahrhafter Straßenkreuzer! HAT DIESE FRAU ÜBERHAUPT EINEN FEHLER!?!
 
Kaum ist sie gegangen, stelle ich fest, daß das auch auf meine Geldbörse zutrifft. Und vom Schreibtisch des PJ ist ein Bandlaufwerk verschwunden ...
 
DAS MUSS LIEBE SEIN!
 
...
 
Und so kommt es, daß sie einen Tag später wieder im Büro ist, um einen Server zu reparieren, der unglücklicherweise dreimal aus dem Regal gefallen ist (die Reparaturkosten sind so hoch, daß der Chef bestimmt die Kontrolle über seine Blase verloren hat, als er die Rechnung gelesen hat). Diesmal bin ich nicht so dumm und sorge dafür, daß ich die Sachen auf unseren Schreibtischen im Auge behalte und meine Geldbörse sicher im Safe liegt.
 
Lustigerweise ist mir wirklich niemals im Laufe ihres Besuchs das klaffende Loch im Server der Erbsenzähler aufgefallen, wo früher vier 50 Gigabyte Festplatten waren. Erst zwei Stunden nach ihrem Verschwinden bemerke ich es ...
 
Die Erbsenzähler haben es freilich schon etwas eher festgestellt.
 
Nun gut.
 
Da ich mich durch diese Situation nicht länger aufhalten lassen will, schiebe ich ein paar Ersatzfestplatten aus unserem Sondervorrat in den Rechner, den der PJ und ich angelegt haben, um ... äh ... lizensierte Software zu installieren (und ganz sicher KEIME MP3-Dateien aus dem Internet zu speichern), und erkläre den Erbsenzählern, der Ausfall sei durch einen Fehler IHRER RAID-Konfiguration (Level MINUS 1, so daß keine Daten gespeichert werden) verursacht worden. Erwartungsgemäß kaufen sie meine Geschichte ...
 
Trotzdem, es muß etwas geschehen, denn nächste Woche wird der PJ zurückkehren, der mit Sicherheit meine Unachtsamkeit verhöhnen wird.
 
...
 
Nachdem sie gekommen ist, um eine Tastatur zu reparieren, die alle Anzeichen einer Behandlung mit einem großen stumpfen Werkzeug zeigt, in Wirklichkeit aber nur unter Abnutzung und Tränen leidet, schuggle ich fünf brandneue Festplatten in ihren Werkzeugkoffer, als sie gerade nicht hinschaut und überlasse sie sich selbst.
 
Ich kann ihre Gedanken nicht begreifen, als ich die fünf Laufwerke später am Nachmittag auf einer Maschine im Rechnerraum finde, wo sonst der Bandzerkleinerer steht.
 
Etwas muß geschehen.
 
Ich rufe in ihrer Firma an und lasse mich zu ihr durchstellen. Sie nimmt den Anruf an. Und da es Zeit ist, die Angelegenheit auszudiskutieren, mache ich ihr einen Vorschlag.
 
"Wie wäre es mit einem kleinen Bier nach der Arbeit?"
 
Sie akzeptiert und wir verabreden uns für den Abend in einem netten Plätzchen außerhalb der Stadt.
 
Der Abend bricht an, wir plaudern harmlos über alles mögliche, bis wir schließlich beim Thema landen und ich sie frage, wieso sie eine Kleptomanin ist.
 
"Oh, ich bin keine Kleptomanin. Es ist nur so langweilig, tagein tagaus die gleichen Dinge zu tun. Also sorge ich dafür, daß mir nicht langweilig wird bei der Arbeit."
 
"Was auch erklären würde, weshalb sie den Bandvernichter mitgenommen haben und die Festplatten zurückließen."
 
"Den Bandzerkleinerer, 4 ihrer Stifte, ihre Kaffee-Tasse und das Buch, das sie als Unterlage benutzt haben, als sie meine Arbeit quittierten."
 
"Das Besucherbuch?!?" keuche ich.
 
"Ja, ich denke, das ist es. Je auffälliger der Diebstahl ist, desto interessanter ist er. Ich wette, daß sie noch nicht bemerkt haben, daß in ihrem Büro zwei Stühle fehlen, oder?"
 
Ja, es könnte Liebe sein.
 
Um eine lange Geschichte abzukürzen, kann ich sagen, daß wir einen großartigen Abend miteinander verbrachten, an dessen Ende ich sie zu ihrer U-Bahn-Station begleitete UND bei ihr blieb bis ihre Bahn kam.
 
Und ich habe ihr ihre Geldbörse geklaut, denn solch eine günstige Gelegenheit konnte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.04.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.