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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. entdeckt die automatische Stimmerkennung ...

"Schauen sie sich dieses Schmuckstück an", sage ich zum PJ und deute voller Stolz auf einen PC, aus dessen offenem Gehäuse unzählige Kabel herausquellen.
 
"Ja, es ist wirklich gut ausgestattet - DIESER Rechner wird nicht lange durchhalten!" stimmt der PJ lächeln zu.
 
"Was?!"
 
"Dieser PC - sie haben ihn völlig ruiniert!"
 
"Er ist nicht ruiniert, er ist bereit zur Arbeit!"
 
"Als Ankel? Oder als Türpuffer?" fragt der PJ unfreundlich.
 
"NEIN, er kann UNSERE Arbeit für uns erledigen!"
 
"Schwachsinn!" erwidert der PJ mit der für ihn üblichen Vorschnelligkeit.
 
"Fünf Pfund darauf, daß er das tut!"
 
"Zehn Pfund dagegen!"
 
"Dann rufen sie einmal diese Nummer an", antworte ich und deute auf den Aufkleber auf den Innereien eines Telefons im Herzen des Kabelgewirrs.
 
Pflichtbewußt folgt der PJ meiner Aufforderung, worauf ein Klingeln im Innern des PCs ertönt.
 
"Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung. Wie kann ich helfen?" fragt die Stimme des PJs.
 
"Hallo?" erwidert der PJ.
 
"Netzwerk- und Systembetreuung, wie kann ich ihnen helfen?" fragt die Stimme des PJs erneut.
 
Ein Groschen fällt im Kopf des PJ. "Sie haben Stimmerkennungsprogramm mit meiner Stimme gefüttert!" schnappt er nach Luft.
 
"Entschuldigung, ich weiß nicht genau, was sie meinen. Könnten sie das noch einmal wiederholen?" fährt die Stimme fort.
 
"Uh, ich habe ein Problem mit meinem System."
 
"Sie haben ein Problem mit ihrem System?"
 
"Ja, es startet nicht richtig."
 
"Sie sagen, daß ihr System nicht korrekt startet?"
 
"Das ist ein Programm nach dem Muster von Elisa!" keucht der PJ.
 
"Sie haben ein Problem mit ihrem Elisa-Programm?"
 
"Nein, es ist meine Festplatte!"
 
"Es geht um ihre Festplatte?"
 
"Ja, sie gibt seltsame Geräusche von sich."
 
"Ihre Festplatte macht seltsame Geräusche?"
 
"Hey!" kommentiert der PJ und deckt das Mikrofon des Telefons ab. "Dieses Ding hat ein Gedächtnis!"
 
"Natürlich!" antworte ich. "Aber selbst das einfachste Elisa-Programms hatte ein Gedächtnis!"
 
"Es dürfte aber recht langweilig sein, wenn es nur Fragen stellt. Die Anrufer dürften das schnell herausfinden ..."
 
"Machen sie sich nicht lächerlich - es kommt noch mehr, machen sie einfach weiter - bevor das Programm abbricht."
 
"Ja, meine Festplatte macht seltsame Geräusche!"
 
"Wie lange geht das schon?"
 
"Phase Zwei", murmle ich. "Informations-Sammlung. Gegenwärtig gibt es nur drei mögliche Fragen: ´Wie lange geht das schon?´; ´Habe auch andere dieses Problem?´ und ´Ist das ihre Etage, in der die Gasleitung ein Leck hat?´."
 
"Ein Leck in der Gasleitung?"
 
"Ja, mir fiel keine dritte Frage ein, aber ich habe herausgefunden, daß diese Frage den Anruf schnell beenden kann."
 
"Ein paar Stunden." sagt der PJ.
 
"Es geht schon ein paar Stunden so? Hmmm, gab es irgendwelche Fehlermeldungen?"
 
"Nein." antwortet der PJ.
 
"Nun, es KLINGT nach einem Festplattenproblem ..."
 
"Duh ..." kommentiert der PJ mit rollenden Augen.
 
"... das vermutlich hervorgerufen wird durch ..."
 
Die Klänge heftigster Festplattenbewegungen kommen aus dem Innern der Maschine.
 
"... resonant-harmonische Verzerrungen."
 
Der Rechner macht eine Pause um das Umschalten in den DUMMY-MODUS zu ermöglichen, bevor er weiterspricht.
 
"... Auch wenn es schwierig ist, in diesem Fall eine genauere Prognose abzugeben."
 
"RESONANT-HARMONISCHE VERZERRUNGEN! WAS FÜR EIN UNFUG!"
 
"Ups!" rufe ich. "Unfug ist ein reserviertes Wort für das Umschalten in einen anderen Modus."
 
"Es ist nicht ungewöhnlich, daß durch harmonische Resonanzen ..." >Ratter< "... elektronische Störungen im Datenfluß ..."
 
"Modus-Umschalter?" fragt der PJ mit der Hand auf dem Mikrofon.
 
"... allerdings könnte es auch eine Datei im Netzwerk sein, die das Fehlverhalten verursacht. Geben sie mir einfach ihren Nutzernamen und ich werde das kontrollieren."
 
"AHA! Der aggressive Modus. Als ob ich ihnen meinen Nutzernamen geben würde!" murmelt der PJ.
 
"Das sollten sie besser tun, da sonst der Name genommen wird, der zur Nummer des Anrufers gehört."
 
"Dieses Programm hat ohnehin Zugang zur Nummer des Anrufers?" ruft der PJ begeistert.
 
"Die Nummer ist nur die Spitze des Eisbergs! Das Programm kennt ihre Personaldaten, ihre Parkplatznummer, ihre private Telefonnummer und ihre meistbesuchten Webseiten. Sagen sie das Stichwort ´Sie Schlappschwanz´ oder eines der anderen Umschaltworte und das Programm wird die Adressen ihrer zehn meistbesuchten Seiten an ihren Chef schicken - wenn sie in der ´schwarzen Liste´ stehen. Wiederholen sie eines der Worte, so wird irgendwann nach zwei Uhr morgens ein Programm gestartet, das Pizzadienste und Taxis zu ihnen bestellt!"
 
"Und wenn es sowieso Zugriff aufdiese Daten hat, wieso fragt es dann noch nach einem Nutzernamen?"
 
"Ich wollte nur gründlich sein. Und aus historischen Gründen natürlich."
 
Der PJ nennt den Namen eines sehr bald zu bedauernden Hundes in der Rechnungsabteilung und läßt noch ein paar Schaltworte vom Stapel.
 
"Ich will das Programm nur einem Stresstest unterziehen ..." murmelt er.
 
"Das ist eine andere Sache, die ich schon implementiert habe - die Messung von Stress!"
 
"Stimmen-Stress AND eine gute Spracherkennung. Wie funktioniert das?"
 
"Nun, die Spracherkennung ist ziemlich simpel, aber zum Glück ist das technische Vokabular, das gebraucht wird, wenig umfangreich, also wird es recht akkurat sein. Und der Grund dafür, daß wir angerufen werden, ist meistens sowieso der gleiche, so daß auch das gut funktioniert. Die Stress-Messung wird dazu genutzt herauszufinden, wie schnell sie aufgeben zeichnet das auf, zusamen mit dem Rest des Gesprächs übrigens, das wir für spätere Zwecke benutzen können ..."
 
"In Ordnung", erklärt die Maschine. "Ich glaube, wir haben das Problem eingekreist ..."
 
"Was bedeuten könnte, daß alle Netzwerk-Dateien gelöscht wurden, daß Passwort in SCHLAPPSCHWANZ geändert wurde und ihr Auto gerade abgeschleppt wird." kommentiere ich.
 
"... wobei es etwa eine Stunde dauern könnte, bis die System-Synchronisation auch auf ihrem Rechner bemerkbar wird."
 
"Und das ist der Abschluß. Also, was denken sie?"
 
"Das klingt nicht sehr dynamisch."
 
"Dynamik - wenn es dieses Wort überhaupt gibt - wird überschätzt", antworte ich. "Wie auch immer, meine Vorführung war erfolgreich. Zeit für das Mittagessen!"
 
...
 
Als ich Sekunden später am Büro des Chefs vorbeilaufe, ruft er mich zu sich herein.
 
"Mein Programm ist stehengeblieben!" schnieft er.
 
"Oh, ich bin gerade auf dem Weg in die Kantine, aber ... sie können den PJ unter dieser Nummer erreichen." sage ich und reiche ihm eine Notiz mit einer Telefonnummer.
 
"Gut."
 
"Oh, und könnten sie ihm diese Passworte übermitteln, die er gesucht hat: >Kritzel< ´Eibenholz-Anker´, >Kritzel< ´Warteschlangen-Entfernung´. Wenn sie ihm das übermitteln könnten ..."
 
EXTRASPASS!


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 23.03.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.