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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. spielt mit Würmern ...

"Aber mein Passwort KANN nicht ungültig sein", wimmert ein Nutzer durch die Leitung. "Ich habe es erst an diesem Morgen geändert!"
 
"Wenn sie mit ÄNDERN meinen, daß sie aus ´Wurm21´ ein ´Wurm22´ gemacht haben, dann haben sie kein Glück, fürchte ich. Das neue Passwort-Programm erlaubt solche Änderungen nicht mehr."
 
"Aber ich liebe das Wort ´Wurm´!"
 
"Und ich liebe Worte wie ´leichte körperliche Schäden´, aber ich benutze sie nicht als Passwort. Nicht mehr."
 
"Aber es gab doch noch nie Probleme!" schmeichelt er.
 
"Das stimmt - das Prüfprogramm für Passworte, das wir bis jetzt hatten, erlaubte beinahe jede Änderung - sie hätten sogar einen einzelnen Buchstaben nehmen können."
 
"Wirklich?" keucht der Nutzer und überschlägt offensichtlich, wieviel Zeit er damit beim Anmelden im Netzwerk gespart hätte ...
 
"Ja, wirklich. Aber zum Glück haben wir jetzt ein Programm, das weitaus sicherer ist."
 
"Trotzdem mag ich ´Wurm´", ruft er. "Warum kann ich ´Wurm´ nicht mehr verwenden? Könnten sie nicht dafür sorgen, daß das Programm mein früheres Passwort vergißt?"
 
"Das könnte ich, aber ich werde es nicht tun - das ist einfach zu unsicher. Und nebenbei ..." >Klick< Unsere Konversation wird plötzlich unterbrochen, als ich den Hörer auflege.
 
"Warum haben sie das gemacht?" fragt der PJ.
 
"Das ist die Hauptregel für Telefongespräche - IMMER dann auflegen, wenn *sie* gerade sprechen. Auf diese Weise glaubt niemand, daß sie es waren, der aufgelegt hat!"
 
"Hallo?" gehe ich wieder an das Telefon.
 
"Wir wurden wohl unterbrochen!" sagt der Nutzer. "Die Leitung war plötzlich tot!"
 
"Ja, wir haben hier ein paar Probleme mit der Zuordnung der Nummern. Ich glaube, die Telefongesellschaft fummelt an ihren Leitungen herum, so daß wir ..." >Klick<
 
Der PJ grinst vielsagend. Der Groschen ist also gefallen.
 
Das Telefon klingelt erneut, und die Rufnummernidentifizierung meldet, daß es wieder unser jammernder Nutzer ist ...
 
"Hallo. Israelische Botschaft. Wie kann ich ihnen helfen?" meldet sich der PJ und versucht dabei das zu imitieren, was er für einen israelischen Dialekt hält ...
 
... und wieder ...
 
"Australische Botschaft. Was kann ich für sie tun?"
 
... und so weiter ...
 
"ICH WEISS, DASS SIE DA SIND! SIE SIND DER VERDAMMTE ADMINISTRATOR!" ruft der Nutzer wütend.
 
"So werden sie den Botschafter nie erreichen!" sage ich und übernehme den Anruf vom PJ.
 
"Ich will, daß mein verdammtes Passwort wieder zurückgesetzt wird, wie es früher war!"
 
"Nun, ich werde sehen, was ich ma ..." >Klick<
 
>Klingel<
 
"Warum unterbrechen sie immer unser Gespräch?!"
 
"Wir tun nichts derar ..." >Klick<
 
>Klingel<
 
"Netzwerk- und Systembetreuung. Hal ..." >Klick<
 
>Klingel<
 
"Ne ..." >Klick<
 
>Klingel<
 
>Klick<
 
Nach der Erledigung dieser Sache bleibt dem PJ und mir nur noch übrig, uns im Raum mit den Sicherungsbändern zu verstecken, während der Chef randalierend durch die Büros zieht und wild um sich schreit, um uns zu finden. Das ist eigentlich ganz lustig, schade ist nur, daß die Kneipen noch nicht geöffnet sind. Um die Zeit totzuschlagen, haben PJ und ich eine Wette laufen, wieviele Runden der Chef auf seiner Suche nach uns drehen wird, bevor er aufgibt.
 
"Der Chef wirkt heute ziemlich energisch", kommentiere ich das Ergebnis und reiche dem PJ seine fünf Pfund, nachdem der Chef seinen persönlichen Rekord von drei Runden gebrochen hat.
 
"Er hat Vitamin-Pillen genommen", erwidert der PJ. "Ich habe sie auf seinem Schreibtisch gesehen."
 
"Nein, in Wirklichkeit hat er Hormonpräparate, die IN den Vitamin-Pillen steckn genommen." antworte ich und erlaube mir ein leichtes Grinsen.
 
"Sie sind ein kompletter Bastard!"
 
"Nein, nicht wirklich. In der nächsten Woche, wenn ich stattdessen ein langsam wirkendes Abführmittel oder eine Präparat, das seine Blase auf Touren bringt, einsetze, DANN bin ich ein Bastard. Aber ich habe mich noch nicht entschieden."
 
"Sie werden wieder die Toiletten blockieren?"
 
"Alle. Bis auf die eine, in der das Toilettenbecken nicht richtig festgeschraubt ist."
 
"Sie sind ein kompletter Bastard!"
 
"Ja, da könnten sie richtig liegen ..."
 
Nachdem wir eine angemessene Zeit abgewartet haben, schleichen wir aus dem Zimmer - und laufen dem Chef direkt in die Arme.
 
"Wer von ihnen hat mein Passwort gelöscht?!" ruft er, als er den Raum betritt.
 
"Wir?" frage ich schockiert und unschuldig.
 
"Ich weiß, daß sie etwas damit zu tun haben!"
 
"Ich habe nur ein neues Programm installiert, das war alles. Wie lautete ihr Passwort denn?"
 
"A."
 
"Wie in dem Buchstaben?"
 
"Ja, ich habe keine Zeit dafür, all diese anderen Buchstaben einzutippen. Wie auch immer, wer würde den annehmen, daß ich ein einbuchstabiges Passwort habe?!"
 
"Guter Gedanke! Und sie haben die Erlaubnis, Anschaffungen bis zu welcher Höhe zu genehmigen?"
 
"Das ist irrelevant. Es gab damit noch keine Probleme!"
 
"Ja, traurig, wirklich. Aber leider können wir da nichts machen, das Programm ist hochmodern und paßt hervorragend in die Firma."
 
"Die Firma kam bisher auch ganz gut ohne dieses Programm aus - woher haben sie es eigentlich?!"
 
"Oh, ich habe es im Fernsehen gesehen und erinnerte mich daran, als ich eine Anzeige dafür sah."
 
"IM FERNSEHEN?!! Sie kaufen etwas, das sie im Fernsehen gesehen haben?!" keucht er mit gespieltem Entsetzen, wobei er offensichtlich an diese lästigen Werbesendungen denkt.
 
"Nun, ja - aber ich habe ´Technik der Zukunft´ nur gesehen, um mich über die Vorteile der Supraleittechnik zu informieren und ich ..."
 
"´Technik der Zukunft´!" ruft der Chef plötzlich begeistert aus. "Das wußte ich nicht. Ja, nun, dann schätze ich, daß ein Passwort aus sechs Zeichen ganz gut wäre."
 
"Ein Passwort aus acht verschiedenen Zeichen, von denen keines ein Buchstabe sein darf, ja."
 
"Ich ... Ja, das ist sehr weise." kommentiert er bei seinem Abgang.
 
"Uh, was ist denn hier passiert?" fragt der PJ verwundert.
 
"Die alte ´Technik der Zukunft´-Geschichte - erwähnen sie, daß sie etwas in dieser Sendung gesehen haben KÖNNTEN, und schon verzehnfacht sich dessen Reputation. Natürlich, sie könnten es auch auf dem Tisch vor ihnen gesehen haben, während die Sendung lief, doch das ist egal - die Unterschrift für die Anschaffung bekommen sie auf jeden Fall ..."
 
"Sie scherzen!"
 
"Nein, ich sage die Wahrheit! Solange sie es nicht übertreiben, können sie einen Dummkopf sogar dazu bringen, mit Büroklammern auf Stromleitungen loszugehen, wenn sie sagen, sie hätten einen entsprechenden Bericht in ´Technik der Zukunft´ gesehen!"
 
"Unfug!"
 
"Es ist wahr! Das ist nur eine Erweiterung des ´*DUMMY MODUS*´-Prinzips."
 
Unsere Unterhaltung wird durch unseren jammernden Anrufer unterbrochen, der sich leibhaftig zu uns bemühte ...
 
"Wegen meines Passwo ..." beginnt er.
 
"Das ist das neue Programm, daß ich bei ´Technik der Zukunft´ gesehen habe!" antwortet der PJ.
 
"WIRKLICH?" ruft der Nutzer begeistert, was dem PJ nicht offenbar gefällt. "Nun, in diesem Fall ..."
 
"Sie werden ihr Passwort ändern?" frage ich.
 
"Aber sicher."
 
"Nun, das Minimum sind acht unterschiedliche Zeichen, von denen keines ein Buchstabe sein darf."
 
"Sie machen Scherze!"
 
"Nein, aber wenn sie sich wegen der zusätzlichen Tipperei sorgen, ich habe da dieses nützliche Gerät gesehen, während ´Technik der Zukunft´ lief ..."
 
Es ist wie immer - ein Faß, ein Fisch und eine Kanone ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.03.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.