diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Eins zu Null für den B.O.F.H.

"Und was wollen sie damit erreichen?" fragt der PJ, der skeptisch einen Projektvorschlag mustert, den der Chef nicht ohne Genuß und Begeisterung vorbeigebracht hat.
 
"Der Plan sieht vor, daß unsere Arbeit und die der neuen Nutzer-Betreuung dadurch erleichtert wird, daß wir in jeder Abteilung die fähigsten Köpfe schulen, damit sie sich um die alltäglichen Computerprobleme kümmern können, die uns so sehr plagen."
 
"Und sie glauben, daß das funktioniert?"
 
"Natürlich. Wie eine nicht-kopierte Look-and-Feel-Benutzeroberfläche." erklärt der PJ zynisch.
 
"Also glauben sie, daß die Kandidaten sozusagen keine ganzen Kerle sind?"
 
"Zu 48 Prozent, höchstens." erwidere ich.
 
"Nun, ich dach ..."
 
"Sie könnten WASSER nicht aufwischen ohne vorher studiert zu haben ..."
 
"Ja, aber ..."
 
"Sie glauben, daß Firewalls in Schornsteinen benutzt werden!"
 
"Ja, und sie werden ..."
 
"Daß nur Jenny Craig Thin Clients macht ..."
 
"S ..."
 
"Die einzige Hardware, die sie jemals angefaßt haben, haben sie im Schlafzimmer angefaßt - und selbst da gab es Fehler. Diese Nutzer glauben, Linux sei ein Freund von Charlie Brown ... Daß >BZZZZZTTTTT<"
 
Der PJ, der eine mentale Endlosschleife entdeckt zu haben glaubt, startet mich mit dem bewährten Elektro-Schocker neu. (Was er später natürlich bereuen wird.)
 
"Also, was werden wir ihnen beibringen?" fragt er zweifelnd.
 
"Die allerwichtigsten Grundlagen - wie man die Tastaturabdeckung benutzt, wie man die FESTSTELL-Taste betätigt, wo der Netzschalter ist, wie ein Netzwerkkabel aussieht - diese Dinge eben."
 
"Aha", sagt er so nachdenklich wie ich mich fühle.
 
...
 
"Kann jemand mir die wichtigste Regel für den sicheren Umgang mit Computern nennen?" frage ich und schaue mich im Publikum um, ob einer der herbeorderten Zuhörer eine Antwort hat. Natürlich, IMMER gibt es bei solchen Vorträgen einen Besserwisser, der in seiner Windelzeit einen Apple ][ E programmiert und nun tausend und eine unsinnige irrelevante nervtötende Geschichte zu erzählen hat über die Schwächen des 6502er Befehlssatzes. Und wenn er das gerade einmal nicht tut, dann pflegt er den Monolog des Redners durch Zitate aus dem ´Computerführer für Pedanten´ zu korrigieren.
 
In Ordnung, jetzt bin ich etwas verbitterter.
 
"Das muß das Netzteil sein!" ruft die heutige Ausgabe des Besserwissers. "Unheimlich viel Spannung in einem Netzteil, die auch eine Stunde nach dem Ausschalten des PCs noch in einem Kondensator gespeichert sein kann."
 
Sie sehen, was ich meine?
 
"Nein!" rufe ich. "Aber wir kommen später auf dieses Thema zurück. Jetzt sprechen wir über die ZWEITWICHTIGSTE Regel zur Computer-Sicherheit, bei der es um den Schutz der Daten vor Fremden geht. Ein geschützter PC ist ein sicherer PC, müssen sie wissen! Nun, wie sollte also ein Passwort aussehen?"
 
"Eine pseudozufällige Kombination aus alphanumerischen Zeichen und Symbolen, wobei große und kleine Buchstaben gemischt auftreten sollen." plappert der Besserwisser los, bevor die anderen die Frage überhaupt begreifen können.
 
Wegen des technischen Klanges der Antwort nicken einige der Zuschauer zustimmend mit den Köpfen.
 
"NEIN!" rufe ich enthusiastisch und gebe der Stimmung einen Hauch von Konspiration. "Genau das wird von ihnen ja erwartet!"
 
"Wer erwartet was ...?" fragt meine Nervensäge.
 
"Industriespione!" antworte ich und senke meine Stimme. "Glauben sie es oder lassen sie es, aber Industriespionage existiert - selbst bei unseren dürftigen Umsätzen. Manchmal wollen sie nur Informationen - manchmal wollen sie aber auch unsere Abläufe unterbrechen oder zumindest stören! Weshalb zum Beispiel in der vergangenen Woche drei Rechnungsprüfer zur Arbeit kamen und ihre Festplatten komplett gelöscht vorfanden und alle DIMM-Chips aus ihren PCs entfernt waren!"
 
Ein ängstliches Stöhnen geht durch den Raum, selbst wenn 98 Prozent von ihnen einen DIMM-Chip nicht erkennen könnten, wenn sie einen in ihrem Kaffee fänden.
 
"Aber sie mußten doch in das Gebäude gelangen, um die DIMMs zu stehlen, also hätten auch die Passworte nicht geholfen", kommentiert der Besserwisser. "Sie hätten auch die Festplatten mitnehmen können und einfach die Daten bei sich anschauen können. Mit den neuen Geräten zur Festplattenrettung kann man sogar Daten wiederherstellen, die vorher gelöscht wurden, selbst wenn man ein besonders ausgeklügeltes Programmm zum Überschrei ..."
 
GENAU! Ich habe genug!
 
"Sie liegen richtig, natürlich", rufe ich dem Experiment, das sich vor mir entwickelt, zu. "Deshalb habe ich ja immer und immerwieder eine Erhöhung des Budgets für die Sicherheit gefordert! Wie auch immer, das ist erst einmal alles zum Thema Sicherheit. Speicherfehler! Kann mir jemand sagen, wie man die DIMMs in diesem PC ersetzen kann?"
 
Nein, es gibt keinen Preis für die richtige Antwort darauf, wer diese Frage beantwortet, bevor ich den Satz beenden kann.
 
"Nun, man schaltet das Gerät ab und zieht den Stecker aus der Dose. >KLICK< Dann öffnen wir das Gehäuse >SNICK< etwa so, nehmen es ab und schon sehen wir die Innereien des Rechners."
 
"Richtig. Und nun der Austausch?"
 
"Ganz einfach, hier sind die DIMMs und man nimmt sie heraus, indem man >ZZZZZZZZzzzzzzzzzzzz ...<"
 
"Nun, was hat er nicht beachtet?" frage ich die Zuschauer des Feuerwerks.
 
>ZzzzzzZZzZZZZZZZZZZZZZZZZ<
 
"Genau, er hat vergessen zu prüfen, ob sich in diesem Karton mit der Aufschrift ´Druckerpapier´ eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung befindet!"
 
>ZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZeeeeeeerrrrrrrrrrrrrr ...<
 
"Und er hat übersehen, daß jemand eine aufgebogene Büroklammer in die Maschine fallenließ, die irgendwie die Phase des Netzteils mit dem DIMM-Chip verbindet! Wirklich ein seltsamer Zufall ..."
 
...
 
Natürlich schalte ich die USV ab, irgendwann ... Und er macht noch immer weiter!!
 
"Ich kann nicht glauben, daß die USV nicht geerdet war!" keucht er. "Sie muß defekt sein - jemand sollte eine Reparat ..." >ZZZZZZZZZZEEEEEEERRRRT!<
 
"Ups", rufe ich, als mein kleiner Helfer ohnmächtig zu Boden fällt. "Kann mir jetzt jemand sagen, was die wichtigste Regel für Computersicherheit ist?" frage ich.
 
"Man sollte ihnen nicht auf die Nerven gehen?" murmelt jemand im Hintergrund.
 
Und da behaupten manche, man könne den Leuten nichts mehr beibringen.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 06.03.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.