![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Der B.O.F.H. bekämpft die Niedergeschlagenheit ...
"Warten sie bitte einen Augenblick, bis ich die Antwort auf diese Frage aus meinem HINTERN herausgeholt habe!" faucht der PJ ins Telefon, an dessen anderen Ende ein armer, ahnungsloser Nutzer sitzt ... ... der diese Behandlung zweifellos verdient hat. Wie auch immer, das Verhalten des PJs ist etwas auffälliger als sonst, so daß ich mich entschließe, die Situation durch meine ´Ruhig, ruhig´-Strategie zu entschärfen, und frage, worum es eigentlich geht. "Sie glühen ja mehr als ein 486 DX bei einem Megahertz ohne Wasserkühlung - was geht ihnen denn auf Nerven?" rufe ich, als er den Hörer auf die Gabel geworfen hat. (´Ruhig, ruhig´ bedeutet, daß man grausam sein muß, um wirklich zu helfen.) Natürlich ist es wieder einmal Liebeskummer, der den armen Kerl peinigt. Offenbar bevorzugt seine letzte große Liebe die Gesellschaft anderer Schwachköpfe. Nein, nicht die VIELER Schwachköpfe, sondern die Gesellschaft nur eines anderen Schwachkopfes ... ... aus unserem Haus. "Nun, sie wissen ja, was ich immer sage ..." antworte ich, als er mir die traurige Geschichte schließlich erzählt hat. "Das plötzliche Herunterfahren aller Server muß nicht gerechtfertigt werden?" "Ja, aber NEIN, daran dachte ich eigentlich nicht, sondern ..." "Ein Schwachkopf, dessen Passwort bald jeder kennt?" "Ah, nein, ich dachte mehr an ..." "Einen Netzwerkausfall, der Bänder für Sicherungskopien spart?" "NEIN! Ich sage immer ´Vergebung und Vergessen!´." "Nein, sagen sie nicht!! Das sagen sie NIEMALS!" "Tatsächlich? Dabei könnte ich schwören, daß ...! Erinnern sie sich noch an den Erbsenzähler, der sich in der Schlange in der Kantine vor mich gedrängelt hat?" "Der Kerl, dem sie entgegenstolperten und den wirklich heißen Gulasch ins Gesicht gekippt haben?" "Ein Unfall, der gar nichts bedeutet ..." "Und der einen brennenden Rechner fand, als er an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte ..." "Ein Lüfterproblem, das völlig bedeutungslos ist ..." "... und dessen gasgefederter Arbeitsstuhl völlig entladen war." "Das war ein völlig normaler Gasverlust, wie er in pneumatischen Geräten vorkommt ..." "Und das verunstaltete Bild mit seiner Familie?" "Jetzt WARTEN SIE ABER EINMAL EINE MINUTE! Das Bild war verunstaltet, bevor ich in den Raum kam! Natürlich, seine Familie sieht so aus, doch meine Veränderung sorgte dafür, daß die Ähnlichkeit mit Gorillas nicht mehr so offensichtlich war." "Und das nennen sie ´Vergebung und Vergessen´, oder?" "Natürlich. Ihm wurde vergeben - und ich hatte die Sache vergessen, bis sie die Erinnerung daran wieder hochbrachten." "Ich glaube nicht, daß es das ist, was die Menschen darunter wirklich verstehen." "Aber Rache ist ein integraler Bestandteil des Vergebens und des Vergessens! Wie soll man vergeben, wenn man noch einen Groll in sich hat? Dieser Erbsenzähler hat nun ein ganz normales Nutzer/System-Manager-Verhältnis zu mir!" "Und wieso haben sie sein Datenverzeichnis auf dem Server gelöscht?" "Weil wir eine normale Nutzer/System-Manager-Beziehung haben! Wie auch immer, er hat angerufen und sich darüber beschwert, daß sein Platz auf dem Server knapp wurde, was meine Reaktion geradezu HERAUSGEFORDERT hat!" Der PJ begreift, daß diese Unterhaltung vom Thema abkommt und will sich mit einem Seufzer und einem verzweifelten Gesichtsausdruck davonmachen. "Also, was MACHT dieser Schwachkopf in unserem Haus?" "Irgendwas in der Marketing-Abteilung - mehr weiß ich nicht darüber." "Aber doch seinen Namen?" frage ich, um seine grauen Zellen zu aktivieren. "´Dave´, mehr weiß ich nicht." "Gut, dann lassen sie uns kurz die Privatsphäre der Mitarbeiter-Datenbank mißachten und sehen, wer er ist ... >Klick Klick Kclick< Also, hier haben wir DREI Davids im Marketing - was die Auswahl ziemlich einschränkt, wenn sie mich fragen - und >Klick Klick< ZWEI von ihnen sind älter als 50, woraus ich schließe, daß sie nicht gerade den Vorstellungen ihrer Geliebten entsprechen dürften. Womit wir nur noch die E-Mails von >Klick Klick< Rechner PCMKT14 testen müssen, der >Klick Klick< irgendwie gegen Administratoren-Zugriffe gesperrt ist. Also versuchen wir es mit seinem Anrufbeantworter ..." "Das wird niemals funktionieren!" ruft der PJ. "Der Anrufbeantworter ist mit einer Zahlenkombination gesichert, und nur die Leute von der Herstellerfirma können diesen Schutz umgehen! Das ist idiotensicher!" Wir lachen, holen uns die auf dem Server gespeicherten Aufzeichnungen seiner Anrufe und spielen damit. Natürlich lasse ich meinen Finger auf der STOP-Taste, falls es etwas haarig werden sollte. Sozusagen. Aber alles läuft gut und dreht sich um die Arbeit. "Richtig!" rufe ich und greife nach einer großen Kiste mit einem RJ45-Stecker. "Wir müssen improvisieren. Stecken sie das in seine Netzwerk-Leitung im Vermittlungsraum 4, Port, uh ... >Klick Klick< E31." "Was ist das?" "Das ist ein, ähm ... Netzwerkkarten-Tester ... *OH*, sollte er naß werden, dann lassen sie die Hände davon!" Eine Viertelstunde später bekommen wir einen Anruf von einem Nutzer, der über den Brandgeruch seines Rechners klagt - wir entscheiden uns, die Sache zu prüfen und besuchen den Nutzer. "Er gab für etwa zwanzig Sekunden dieses hohe Quietschen von sich und blieb dann stehen." informiert Dave uns. "Wirklich? Möglicherweise ein Fall von intermodularer Verzerrung durch die Spitzen im Datenstrom." *DUMMY-MODUS EIN* "Duh-huh. Ist er kaputt?" "Sehr, wir werden ihn mitnehmen müssen." "Oh, wie lange wird das dauern?" "Ah, nur ein paar ... Ich sehe gerade ihren Stuhl - sieht aus, als wäre das Druckgas entwichen - sie sollten .... MEIN GOTT, ist das ihre FAMILIE?!" "W-WAS HABEN SIE MIT MEINEN FOTOS ANGESTELLT?!?" "Mit ihren Fotos gemacht?" fragt der PJ. "Ich halte einen PC, da kann ich gar nichts anstellen! Gleich werden sie mir vorwerfen, ich hätte in ihre Topfpflanze uriniert, während sie unter dem Tisch die Kabel von ihrem PC getrennt haben!" "Machen sie sich nicht lächerlich! Das waren offensichtlich die Raumpfleger!" "Oh, mein Fehler. Trotzdem, sie können ruhig einen Kaffee trinken, während wir uns das Gerät anschauen - lassen sie sich nicht stören ..." Es ist irgendwie offensichtlich, daß Dave die Warnsignale nicht richtig zu deuten vermag (die Begeisterung des PJs, die übervolle Tasse) und nimmt einen großen Schluck ... Als wir später in unserem Büro die Festlatte des Rechner wirklich unbrauchbar gemacht haben und den Rechner ein paarmal dem Absturztest unterzogen haben, macht der PJ ein paar Anrufe ... "Uh ..." sagt er und läßt sich in seinen Sessel fallen. "MMMmmm ..." "Es war, äh, DOUG, nicht DAVE ..." murmelt er kleinlaut. "Oh, mein Lieber ... trotzdem, es war doch lustig! Wie auch immer", rufe ich und reiche ihm erneut den Netzwerkkarten-Tester. "Dann prüfen sie eben die Netzwerkkarte von Doug!" |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 25.02.2000, Übersetzung: thomas w., 2001. |
||