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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. meistert die Kunst kreativer Rechnungsstellung ...

Wir werden in den nächsten Tagen einen Besucher in unserem Büro haben, der das Hauptprogramm für die Finanzverwaltung aktualisieren soll, das die Firma nutzt.
 
Und, ich habe es ja geahnt, sein Stundensatz (Ich stolperte zufällig darüber, als seine Aktentasche umfiel, in deren Verschluß ich eine Büroklammer geklemmt hatte.) ist so hoch, daß selbst MEINEN trainierten Augen die Tränen kommen - und ich bin ja auch nicht ungeübt in den Kunstsparten Erpressung und allgemeiner Diebstahl.
 
Natürlich versucht er es dadurch zu verbergen, daß er TAGESSÄTZE berechnet, um naive Menchen (den chef, den Abteilungsleiter, die Vertragsabteilung), die das Gefühl vermitteln, man bekomme in den 7.5 Stunden sehr viel mehr fürs Geld. Gut, eigentlich sind es 4.5, wenn wir ehrlich sind und Essens- und Getränkepausen sowie die Zeitungslektüre abziehen.
 
Wie auch immer, es ist schon so, wie man sagt: Man wird für das bezahlt, was man weiß, und nicht für das, was man tut ...
 
"Sie wollen also sagen, daß er extrem überbezahlt wird?" fragt der PJ, als ich ihm diese Fakten erzähle.
 
"Wie kommen sie denn darauf?"
 
"Weil er weiß, wie er sie alle übers Ohr hauen kann!"
 
"Nun, er ist nicht so ein Multitalent wie wir - seine Stärke ist zweifellos das Finanzprogramm und dessen Installation."
 
"Und wieso liest er dann so aufmerksam die Dokumentation für die Aktualisierung?"
 
"Das ist eine hochkomplexe Materie, es gibt hunderte Prozeduren, die im Vorfeld der Aktualisierung abgeschlossen werden müssen", erinnere ich ihn. "Er wird ganz einfach die Prüflisten durchgehen. Welches Kapitel liest er jetzt?"
 
"Die Einleitung - mit dem Titel ´Wie benutzte ich diese Dokumentation´."
 
"Nun, möglicherweise ..."
 
"Er liest schon seit einer Stunde darin ..."
 
"Ah."
 
"Ah?"
 
"Ah. Das bedeutet, daß wir es mit einem ´Lies es und wende es an´-Aktualisierer zu zun haben."
 
"´Lies es und wende es an´?"
 
"Er ist einer von der alten Schule, die immer erst prüfen, ob die Stromversorgung funktioniert."
 
"Er wird die Kabel prüfen?"
 
"Machen sie sich nicht lächerlich - das ist gefährlich! Ich werde sie damit beauftragen, das zu tun!"
 
"Oh. Und was hat das nun zu bedeuten?"
 
"Das bedeutet, daß ich glaube, er wird den Anleitungstext überfliegen, sich versichern, daß wir eine komplette Sicherungskopie der Daten haben und dann blind die Aktualisierung beginnen, wobei er alle Voreinstellungen übernehmen wird. Und das alles in der SICHERHEIT, daß er die Daten wiederherstellen kann, wenn das nötig wird."
 
"Ah."
 
"Genau. Und wenn es funktioniert, wird er zufrieden herauskommen. Geht dagegen etwas schief, wird er behaupten, es gäbe ´einige Inkompatibilitäten zwischen unserer Software und dem Aktualisierungsprogramm´, und wir führen eine Rücksicherung durch."
 
"Rücksicherung?"
 
"Ja, das ist eine harmlose Art zu sagen, daß die ganze Arbeit umsonst war und die Beweise dafür durch die Sicherungskopie beseitigt werden sollen."
 
"Hat man ihnen schon einmal gesagt, daß sie ziemlich zynisch sein können?"
 
"Könnte schon sein, aber die waren nur verbittert ..."
 
Unser Gespräch wird Sekunden später durch das erneute Auftauchen der bewußten Person unterbrochen, die mit der Anleitung und einem Stift zum Markieren von Texten erscheint.
 
"Ah, ich wollte nur fragen, ob sie eine komplette Sicherungskopie des Systems haben."
 
"Aber natürlich!" lüge ich und gebe den Bändern einen Stoß, so daß sie im Mülleimer landen, als er den Raum verläßt.
 
... einige Stunden später ...
 
"Ich befürchte, wir brauchen eine Rücksicherung."
 
"Oh, wieso denn das?"
 
"Offenbar gibt es eine Inkompatibilität zwischen ihrer Programmversion und der Version, die das Aktualisierungsprogramm erwartet." murmelt er.
 
Die Nadel meines Lügendetektors schlägt für einen Augenblick über die Grenze der Skala aus.
 
"Aber sicher doch", rufe ich und greife ein Band von dem Stapel mit den Bändern, die nicht mehr lesbar sind.
 
... 10 Minuten später ...
 
"Ich fürchte, daß das Band Fehler hat und nicht mehr lesbar ist." stelle ich fest.
 
"Ich ..." keucht er. "Haben sie es denn nicht überprüft?"
 
"Aber selbstverständlich", antworte ich und ignoriere erfolgreich den Klang meines Lügendetektors. "Ich vermute, daß es dieser Prüfvorgang war, der dem Kamel das Rückgrat gebrochen hat - bildlich gesprochen!"
 
"Können sie denn GAR KEINE Daten wiederherstellen?"
 
"Nein, die Lesefehler konzentrieren sich auf den Anfang des Bandes - wie das häufig bei dem meistgenutzten Bereich magnetischer Speichermedien der Fall ist." plappere ich.
 
"Oh, mein Lieber", sagt er sich nur halbherzig entschuldigend. "Unsere Vereinbarung über Haftungsausschluß sieht eindeutig vor, daß wir nicht verantw ..."
 
"Haftungsausschluß?"
 
"Ja, als Teil unseres Vertrages lassen wir unsere Kunden ein Dokument über einen Haftungsausschluß unterzeichnen, falls es Schwierigkeiten mit den Aktualisierungen geben sollte. Ich habe es in meiner Aktenta ... Hmmm, es müßte irgendwo hier sein ..."
 
"Oh, sagen sie jetzt nicht, sie hätten keine unterzeichnete Urkunde über den Haftungsausschluß. Und ich WETTE, daß sie einen Vertrag mit ihrer Firma haben, der IHRE FIRMA von der Haftung für ihre Handlungen freistellt?"
 
"I ..."
 
"Was bedeutet, daß sie *persönlich* von unserer Firma verantwortlich gemacht werden für die Ausfälle ..."
 
"I ..."
 
"Es sei denn, natürlich ... Aber andererseits ..."
 
"Es sei denn - was?!?!?!"
 
"Nun, es sei denn sie würden die Daten aus den ruinierten Tabellen selbst wieder in die Datenbank eingeben, bevor die Erbsenzähler am Morgen kommen ..."
 
"Aber die zerstörte Tabelle hat über 200.000 Zeilen!"
 
"Ja, und es würde Ewigkeiten dauern. Es sei denn, sie würden es schaffen, die Sekretärinnen zu bestechen ... Unsere Schreibabteilung könnte es für sie tun ..."
 
"WIRKLICH?!?!" stößt er hervor.
 
"Ich weiß nicht - klingt teuer!" mischt der PJ sich rechtzeitig ein. "Es ist ihre Entscheidung, ich weiß nicht, ein paar Tausender."
 
"Ich habe zweitausen Pfund!" greift er nach dem rettenden Strohhalm.
 
"Ah, das dürfte DREItausend Pfund kosten - schließlich müssen mein Assistens, ich und der Chef der Schreibabteilung die Sache decken."
 
"Nehmen sie einen Sche ..."
 
"BARGELD. Wenn sie sich beeilen, könnten sie es noch bekommen, bevor die Banken schließen und die Sekretärinnen verschwinden."
 
Er braucht nur zehn Minuten, um wie eine Rakete aus dem Gebäude zu rasen und das nötige Geld zu holen, um die Transaktion zu tätigen. Ich versichere ihm, daß die Sekretärinnen ihr Bestes geben und arbeiten werden, bis sie es geschafft haben - oder sie würden die Schuld auf sich nehmen - was seinen Kummer sichtlich mindert.
 
Als er verschwunden ist, reiche ich dem PJ seinen Anteil (500 Pfund), wobei ich seinen Protest ignoriere.
 
"Haben SIE die Festplatte heute früh gespiegelt?" frage ich ihn, während ich die Aktualisierung lösche und mit ein paar wohlplazierten Tastaturanschlägen die ursprünglichen Daten wiederherstelle. "Waren SIE es, der die Vereinarung über den Haftungsausschluß aus seiner Aktentasche holte? Ich glaube nicht! Sie haben ihre Belohnung für ihre beiden Einfälle in dieser Angelegenheit bekommen - ihren Einwurf mit den Kosten zum richtigen Zeitpunkt ..."
 
"Und?"
 
"Und die Idee, mir ein paar Biere zu spendieren!"
 
"Natürlich!"


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 16.02.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.