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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und die Unterbrechbare Stromversorgung ...

"Das ist ja unheimlich", flüstert der PJ, als wir mit einer Taschenlampe durch den dunklen und stillen Rechnerraum schleichen. "Gibt es denn keine Notbeleuchtung?"
 
"Offensichtlich nicht", antworte ich. "Und das ist doch ein beachtenswertes innenarchitektonisches Merkmal für einen fensterlosen Raum mitten im Gebäude."
 
"Und wo ist der Schalter zum Überbrücken der USV?" will er wissen und deutet mit dem Lichtstrahl auf den Verteilerkasten.
 
"Keine Ahnung, aber ich vermute, daß er in der Nähe der USV eingebaut wurde. Wir müssen nur der Rechnerraum-Sicherheits-Prozedur folgen."
 
"Was? Sollen wir die Türen überprüfen, ob sie geschlossen sind, die Sicherungen darauf, daß sie es verkraften, wenn der Strom wieder fließt und daß auch genug Licht für die Wartungstechniker vorhanden ist?" fragt er naiv.
 
"Nein, natürlich nicht. Wir entfernen ein paar Abdeckplatten vom Boden, ziehen ein paar Cat-5-Kabel in Knöchelhöhe zwischen die Regale und entfernen die Aus-Schalter der Feuerlöschgas-Anlage und verstecken die Sauerstoffmasken."
 
"Das haben sie schon vorher geplant, oder?" fragt der PJ. Während er begeistert ein paar Kabel festbindet, entferne ich nach dem Zufallsprinzip ein paar der Abdeckplatten.
 
"Ja. Dies ist einer der Momente in ihrer Karriere, von dem sie immer träumten. Aber schnell, wir müssen noch ein paar gelbe Warnschilder anbringen."
 
"Warum? Es kann sie doch sowieso niemand sehen?!" erwidert er - macht aber trotzdem mit und verteilt ein paar der Warnschilder.
 
"Weil wichtige Reparaturarbeiten erledigt werden und dazu ein paar Bodenplatten entfernt werden mußten und überall Kabel herumliegen! Denn es könnte sonst schließlich zu unschönen Unfällen kommen, sollte jemand den Stromausfall und damit den der automatischen Zutrittskontrolle nutzen wollen, um sich hier umzuschauen ..."
 
"Aber das Sicherheitssystem verfügt über eine eigene Stromversorgung!"
 
"Stimmt, eine kleine Nickel-Kadmium-Batterie, die seit üngefähr fünf Jahren durchgehend benutzt wurde und eine durchschnittliche Lebenserwartung hat, die ... hm ..."
 
"... der Lebenserwartung entspricht, die jemand hat, der einen schnellen Blick in einen dunklen Rechnerraum werfen will, während die Zugangskontrolle ausgefallen ist?"
 
"Exakt! Pssst, da kommt jemand!"
 
Wir liegen leise auf der Lauer, während sie die Tür öffnet und jemand aus der Nutzer-Betreuung seinen Kopf hindurch steckt um herauszufinden, ob die Luft rein ist.
 
>KRACH!<
 
"Oh mein Gott!" flüstert der PJ, als wir ohnmächtiges Ächzen hören. "Jemand ist in eines der Löcher gestürzt und hat sich, so klingt es, wehgetan!"
 
"Ich würde ja meine Hilfe anbieten", erkläre ich großmütig. "Aber wie wir ja wissen, ist es sehr, sehr gefährlich, eine unbeleuchtete Gefahrenzone zu betreten. Es ist sicherer für uns, wenn wir abwarten, bis ... Oh, da kommt schon wieder jemand!!!"
 
Ein schattenhaft beleuchtetes Gesicht, das nur dem Chef gehören kann, drückt sich gegen das Glas der Tür. Momente später öffnet sich die Tür, und er tritt ein.
 
"Wer ist da?" fragt er als er das Stöhnen hört.
 
Es folgt eine unverständliche Konversation, nachdem der Chef sich entschieden hatte, dem anderen Neugierigen Gesellschaft zu leisten.
 
...
 
>Klick!< >KRACH!<
 
Der PJ brummelt vor sich hin und schüttelt den Kopf.
 
"Wie Motten und Licht!" flüstere ich ihm PJ zu, als ein weiteres Gesicht sich an das Türglas preßt - ein Erbsenzähler.
 
"Bringen Erbsenzähler mehr Punkte?" will der PJ wissen.
 
"Mmmm." antworte ich.
 
Weitere Geräusche folgen dem der sich öffnenden Tür, denn der Erbsenzähler drückt sich an der Wand entlang, statt einfach in den Raum hineinzulaufen ...
 
>Klick!< >KRACH!<
 
"Ein Stolperdraht?" fragt der PJ.
 
"Nein, das klang nach einem umgeworfenen Warnschild", raune ich. "Aber gedulden sie sich, nicht jeder ist so einfältig ..."
 
>KRATZ< >Stolper< >KRACH!!<
 
"... der doch. DAS war ein Cat-5-Kabel!" vollende ich.
 
"HALLO!" rufe ich, um die Leute wissen zu lassen, daß ich da bin.
 
"Wer ist da?" keucht der Chef. "Ich glaube, ich habe mir den Knöchel gebrochen!"
 
"Ich auch!" wimmert der Kerl aus der Nutzerbetreuung.
 
"Wir sind es - wir waren hier, als der Strom ausfiel!" meldet sich der PJ.
 
"Dann helfen sie uns verdammt nochmal!" fordert der Nutzerbetreuer.
 
"Ich würde ja, aber wir haben hier gearbeitet und es liegen überall Kabel herum und die Schächte sind offen. Und es gibt kein Notlicht. Das ist hier eine Gefahrenzone, haben sie die Warnschilder denn nicht gesehen?"
 
"IN DER VERDAMMTEN DUNKELHEIT?!" keucht der Erbsenzähler gereizt.
 
"Stimmt. Wir machen es wie folgt: In unserem Büro haben wir ein paar Taschenlampen. Wir holen sie und kommen dann wieder, um ihnen zu helfen!"
 
"Dann beeilen sie sich!"
 
Der PJ und ich tun so, als ob wir uns mühsam den Weg hinaus ertasteten und entkommen so.
 
...
 
Hier steht, daß es in Zukunft möglich sein wird, Terrabytes an Informationen in einem Handy zu speichern!" begeistert sich der PJ und deutet mit seine Kaffeetasse auf einen Artikel in einem Magazin.
 
"Mmmm. Haben sie den Artikel auf der nächsten Seite schon gelesen, nach dem es schon eine fehlerfreie Version der Windows-Betriebssysteme gibt?"
 
Nachdem wir den gemeinsamen Lachanfall überwunden haben, begeben wir uns bewaffnet mit Taschenlampen zurück in den Rechnerraum ...
 
Einen >Click< des USV-Überbrückungsschalters später ist der Raum erleuchtet, die Rechner laufen an, und die Opfer werden geborgen.
 
"So hatte ich mir das trotzdem nicht vorgestellt ..." seufze ich traurig.
 
"Gewissensbisse?" erkundigt sich der PJ.
 
"Ach was. Ich hatte nur gehofft, jemand würde mit einem Feueranzünder die Brandschutzanlage auslösen ..."
 
"Man kann nicht immer alles haben."
 
"In der Tat."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 20.05.2003, Übersetzung: thomas w., 2003.