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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. und die VAX-Cluster-Bombe ...

Ich sitze nach der Arbeit ruhig bei dem einem oder anderen Bier - ich warte darauf, daß der PJ sich zu mir gesellt, damit ich im ein oder zwei Gläser spendieren kann -, als sich ein Kauz von der Nutzer-Betreuung heranschleicht.
 
Für einen Augenblick bin ich über diese Verletzung der firmeninternen Hierarchieregeln verblüfft, doch der Moment ist schnell überwunden, woran seine faszinierende Frage nicht ganz unschuldig ist.
 
"Ich frage mich", will er verschwörerisch wissen, "ob sie einen Weg kennen, ein paar Geräte, die ich neulich bekam, vor Feuer zu schützen?"
 
"Brandschutz?" frage ich. "Eine ungewöhnliche Frage. Um welche Geräte geht es denn genau?"
 
"Ein VAX-Cluster", antwortet er aufgeregt.
 
"Ein VAX-Cluster?" will ich wissen und unterdrücke den Schauder.
 
"Ja, aber es ist nicht ein irgendein VAX-Cluster - es ist ein Beowoulf-Cluster."
 
"Ein VAX-Beowoulf-Cluster", wiederhole ich und versuche, mir für einen Augenblick eine traurigere Lebensform vorzustellen - vergeblich.
 
"Ja, ich habe drei Alphas, zwei 11/780er, einen 11/730 und vier MicroVAXes."
 
"Ja, ab ..."
 
"Und ich restauriere einen 8530, den ich von einer Firma bekommen habe, die ihn VERSCHROTTEN wollte!"
 
"Schockierend!" pflichte ich ihm bei und mache mich über ihn lustig - jemand, der in seiner Freizeit einen 8530 zusammenbauen will, braucht eine freundliche Behandlung (und das möglicherweise für eine lange, lange Zeit) ... "TECHNISCH betrachtet sind Alphas allerdings keine VAX-Rechner, oder?"
 
"Nein!" erwidert er und identifiziert mich irrtümlicherweise als Gleichgesinnten. "WIE AUCH IMMER, es sind frühe Alphas, die am abwärtskompatibelsten sind."
 
"Ich glaube, sie werden herausfinden, daß die meisten ihrer Geräte ziemlich altmodisch sind." Murmle ich.
 
"Pardon?"
 
"Ich sagte, sie werden herausfinden, daß sie einen wirklich guten Brandschutz brauchen. Wo steht die Technik denn?" frage ich und stelle mir das heißeste, lauteste und vermüllteste Schlafzimmer der Welt vor.
 
"Nun, das ist eine Art Vergütung für eine Teilzeitarbeit - ich schaue nach dem Rechten in einem Datenzentrum, und dafür kann ich meine Rechner unterstellen."
 
"Gut, dann wird es also keine Platzprobleme geben. Und wenn ich an das Alter der Rechner denke, dann befürchten sie einen thermischen Schock?"
 
"Genau!"
 
"Machen die Rechner denn etwas wichtiges?"
 
"Ja, sie sind seit gut einem Jahr damit beschäftigt, einen neuen Rekord bei der Berechnung von Pi aufzustellen."
 
"Also wollen sie nicht, daß sie bei der Installation des Brandschutzes abgeschaltet werden?"
 
Unser Gespräch wird durch die Ankunft des PJs unterbrochen, also bitte ich den Kauz, seine Seelenqual auch dem PJ zu erläutern, den ich als das Genie hinter unserem Sicherheitssystem vorstelle.
 
Als das Problem ausgebreitet ist, leuchten die Augen des PJ erwartungsfroh auf.
 
"Ich würde einen Flüssig-Wärmetauscher empfehlen, der für Raumtemperatur sorgt." kommentiert er, als er mit einem Bier für mich und einem für den Kauz von der Theke zurückkehrt.
 
"Kein Gas?"
 
"Nein - das Gas dehnt sich bei Erhitzung aus - das ist Thermodynamik. Nebenbei, solche Systeme sind teuflisch teuer. Wie auch immer, eine Flüssgkeits-Kühlung dehnt sich nicht aus und kann die Temperatur besser halten."
 
"Aha. Und welche Kühlflüssigkeit empfehlen sie, Wasser?"
 
"Nein, bei Wasser hätten wir das Problem, daß es bei sehr hohen Temperaturen oxidierend auf Metalle wie Magnesium und andere wirkt, die bei Computern verwendet werden."
 
"Also was schlagen sie vor?"
 
"Nun, gegenwärtig dreht sich die Diskussion um semi-dickflüssige Stoffe wie zum Beispiel Öl."
 
"ÖL?!"
 
"Ja - weil Öl einen sehr niedrigen Aufwärm-Koeffizienten hat."
 
"Hä?"
 
"Es dauert ewig, bis Öl die Temperatur wechselt, deshalb ist es ideal für Kühlsysteme."
 
"Wirklich?"
 
"Natürlich! Denken sie nur daran, wie lange es dauert einen Krug Wasser zum Kochen zu bringen."
 
"Etwa fünf Minuten."
 
"Und wie lange dauert es, einen Kessel mit Öl zu erwärmen?"
 
"Das weiß ich nicht."
 
"Nun, es dauert eineinhalb Stunden - sehen sie, worauf ich hinauswill?"
 
"Nein?"
 
"Nun, es dauert viel länger, als einen Wassertopf zum Kochen zu bringen. Und wissen sie wieso?"
 
"Weil der Kessel hundertmal so groß ist wie mein Topf?"
 
"NEIN, weil Öl einen niedrigeren Aufwärm-Koeffizienten hat!"
 
"Oh, so ist das also. Welches Öl wird am meisten genutzt?"
 
"Industrie-Diesel, ganz simpel."
 
"DIESEL!?!! Aber das ist doch brennbar!!" ruft der Kauz.
 
"Nur unter ganz bestimmten Umständen", erwidert der PJ ruhig und spendiert ein weiteres Bier. "Gewöhnlich brennt es nur unter hohem Druck und bei sehr großer Hitze. Beides gibt es aber in der Computertechnik nicht."
 
"Das verstehe ich nicht", antwortet der Kerl zweifelnd.
 
"Wissen sie, wie ein Dieselmotor funktioniert?"
 
"Wie ein Otto-Motor?"
 
"Überhaupt nicht! Diesel hat so niedrige Oktanzahlen, daß der Kraftstoff unter großen Druck gesetzt werden muß, um ihn überhaupt anzünden zu können. Und der Motor muß von außen erhitzt werden, damit die Verbrennung stattfinden kann!"
 
"Wirklich?"
 
"Natürlich. Warum wohl haben die meisten Autos auf der Welt Benzinmotoren?"
 
"Und bei PCs kann es sich nicht entzünden?"
 
"Bei uns jedenfalls nicht. Und wir wenden es schon seit über einem Jahr an."
 
"Tatsächlich?"
 
"Ja, wofür sind wohl sonst die ganzen Dieselfässer im Lager?"
 
"Für den Stromgenerator?"
 
"Mein Gott, nein! Man betreibt doch einen Generator nicht mit Industrie-Diesel! Das ist Unfug. Dafür nimmt man Benzin, wie wir es tun."
 
"Sie betreiben einen Diesel-Generator mit Benzin?"
 
"Genau, und wir benutzen Diesel für unsere Kühlsysteme. Zufällig könnte ich ihnen ein Faß überlassen, daß wir für den Notfall, daß es irgendwo ein Leck gibt, vorhalten."
 
"Nein, das werde ich nicht brauchen - im Datenzentrum gibt es einen Diesel-Generator, dessen Tank ich leeren und mit Benzin auffüllen kann!"
 
"Richtig! Wo ist denn das Datenzentrum?"
 
"Ein paar Blöcke weiter, im Erdgeschoß eines großen Versicherungsgebäudes."
 
"Ein Versicherungsgebäude?" wiederholt der PJ nachdenklich. "Wissen sie was - warum machen sie hier nicht Schluß, bereiten stattdessen alles vor und wir kommen dann vorbei, um zu helfen, wenn wir unser Abendessen verspeist haben?"
 
"In Ordnung!" zwitschert der Kauz und verschwindet.
 
"Noch ein paar Bierchen, bevor wir aufbrechen?" will der PJ wissen.
 
"Jaaa, ich denke, die können nicht schaden. Und erinnern sie mich daran, daß ich ihr Geburtstagsgeschenk nicht vergesse."
 
"Was, die neueste Ausgabe eines Hochglanz-Magazins?" fragt er und erinnert sich an mein letztjähriges Geschenk.
 
"Nein, ich dachte an eine Tüte Marshmallows."
 
"Perfekt!"


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.01.2002, Übersetzung: thomas w., 2002.