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| bastard operator from hell | ||
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Sir B.O.F.H.
"Das klingt übel", kommentiert der Chef, als wir zu einem Treffen mit den Leuten von der Personal-Abteilung trotten. "Es geht um eine ernste Beschwerde, haben sie gesagt." Keine Frage, es wird um ein überlebenswichtiges Problem gehen, die Frage ihres Datenservers etwa oder das Hintergrundbild auf ihren Monitoren ... ... Doch damit liege ich völlig falsch. Die Sache, um die es sich dreht, ist tatsächlich eine besorgniserregende Angelegenheit! "Es geht um seinen Lebenslauf, Ron", beginnt der Personaler und deutet auf einen Stapel Papier, der das Werk der Fantasie des B.O.F.H. ist. "Es gehört zur Firmenpolitik, daß wir recherchieren, ob die Angaben stimmen, die die Angestellten über ihren Werdegang machen." Das ist neu für mich, doch wenn ich an die Sache mit den unwiderbringlich verlorenen Dateien des Personalers denke, der vor uns steht, dann liegt es nahe, daß er sich mit besonderem Eifer an die Recherche gemacht hat. Und die war wirklich gut. "Ah ... Ja - aber das ist doch nun schon einige Zeit her ..." antworte ich. "Wahrscheinlich. Nur ist es uns nicht gelungen, ihre Angaben zu prüfen, da die betreffenden Unternehmen, die sie erwähnten, nicht erreichbar waren - entweder sind sie in Steuerparadise verschwunden oder existieren nicht mehr." "Ah ja, der arme Richard Nixon - wir haben ihn immer Dick genannt. Ein guter Mann, trotz allem, was sie vielleicht über ihn wissen." "Jaaein ..." kommentiert der Personaler zweifelnd. "Wie auch immer, ein Manager eines großen Unternehmen, für das sie gearbeitet haben wollen, war erreichbar, so daß wir ihn nach ihnen fragen konnten, ob sie tatsächlich der große Berater im Hintergrund ihrer Produklinienplanung waren ..." "Gut, das ist doch mal eine positive Überraschung." "Er sagt aber, er hätte niemals von ihnen gehört!" "Wirklich? Nun, ein Schädeltraume ist schon so eine Sache - in dem einen Moment können sie sich erinnern, im nächsten ist alles wieder weg ..." "Und auch keiner seiner Angestellten erinnert sich an sie." "Nun, meine Arbeit lief eher im stillen ab. Trotzdem, es kränkt mich, daß er mich vergessen hat. Vielleicht habe ich deshalb niemals Tantiemenzahlungen bekommen? Nun ja, vergeben und vergessen, wie ich immer sage!" antworte ich großmütig. "Ja, aber dieses geheimnisvolle Vergessen wirft doch einen Schatten auf ihre anderen Angaben." kontert der Personaler. "Welche denn?" frage ich als sei ich Perry Mason. "Ihr Ritterschlag?" "Sie sind ein RITTER?!?" keucht der Chef überrascht. "Natürlich." "Ich habe das überprüft - es ist eine Lüge." plappert der Personaler unfreundlich. "Wirklich? Haben sie www.ritterschlag.com besucht?" antworte ich und lasse mich nicht in die Knie zwingen. "Ritterschlag punkt com?" fragt der Chef. "Ja, die Heimatadresse der Bastard-Ritterschaft!" "Bastard-Ritter zählen nicht!" erwidert der Personal-Kauz. Wirklich kein freundlicher Mensch. "Natürlich zählen die!" ruft der PJ, der draußen herumgetrödelt hatte und erst jetzt das Büro betritt. "Ich bin Sir Steven vom gänsegeblümten Drucker!" "Das ist doch lächerlich!" "Nein, ist es nicht!" rufe ich, der ich wirklich freundlich bleiben wollte. "Das ist - also, das hat doch keine gesellschaftliche Bedeutung!" "Doch, jetzt!" "Und es gibt auch keine offizieller Zeremonie!" "Die gibt es! Ich wurde mit dem Hammer mit der silbernen Spitze zum Ritter geschlagen. Vor dem Publikum meiner geadelten Freunde." ruft der PJ. "Adelige?" "Vom Stamme der strahlenden Monitore!" "Das ist doch Schwachsinn!" schreit der Personaler starrsinnig. "Steven steckt doch mit ihm unter einer Decke!" "SIR Steven", korrigiere ich. "Wie ist das nun mit ihrer Ritterschaft?" fragt der Chef und will mich damit wohl etwas aufziehen. "Gegenwärtig bin ich Ritter des ergonomischen Tisches - wie ein runder Tisch, wissen sie, nur etwas angenehmer, wenn man an ihm sitzt." "Aha. Und welche Zeremonie gab es bei ihnen?" "Ich war leider verhindert - meine Pflichten am Arbeitsplatz. Daher wurde ich nur schriftlich informiert." "So. Und welche Autorität verleiht diese Titel?" "Das ist der König der B.O.F.H.s." "Das sind vermutlich sie?" fragt der Chef trocken ... "Wie es der Zufall will - JA!" "Ja. Nun, dann sehe ich wirklich keinen Grund, der Sache weiter nachzugehen", erklärt der Chef, als er aus dem Büro marschiert. ... "Trotzdem, sowas können sie doch nicht machen!" schnieft der Personaler eine Sekunde später. "Natürlich kann ich! Ich bin der König!" "Ich fürchte, diese Referenz können wir nicht akzeptieren", wirf der Personaler ein. "Was bedeutet, daß ihr Vertrag in Gefahr ist, da sie bei ihrer Bewerbung gelogen haben." "Grenzt das nicht an HOCHVERRAT!?" fragt der PJ, der dafür über eine Minute gewartet hat. "Nein, nein, Hochverrat ist das nur in Kriegszeiten." sage ich und bringe den PJ dazu, den Hammer wieder wegzulegen. "Das ist nur einfacher Verrat ..." "Ach so!" "Aber dieser hilfsbereite Freund aus der Personal-Abteilung hat mich auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht! Es könnte tatsächlich so sein, daß die Informationen in meiner Bewerbung fehlinterpretiert werden könnten. Und deshalb fühle ich mich gezwungen, meinem Beschäftigten zu kündigen ..." ... "Nun, das habe ich getan, aber er hat es nicht akzeptiert." "Er?" "Ja, ich. Als Chef des privaten Unternehmens, das einen Vertrag mit ihnen hat. Ich bin der Meinung, daß mein Beschäftigter seine Angaben hätte präziser gestalten müssen, und ich distanziere mich von seinem Verhalten. Nun, ich werde seinen Lohn einbehalten, damit er etwas daraus lernt. Und für mich werde ich wohl einen kleinen Bonus bewilligen, da ich als Chef so hervorragend eine unklare Situation aufgeklärt habe. Der Bonus wird sich freilich auf den Stundensatz, den ich bei der nächsten Vertragverlängerung fordern werde, auswirken. Womit nur noch der Verrat zu bestrafen wäre ..." ... eine Stunde später ... "Wir sollten besser keine große Sache daraus machen", redet der Chef beschwichtigend auf den Chef der Personal-Abteilung ein und deutet auf die geschwollenen Lippen des PJ. "Aber wenn derartiges zur Normalität werden sollte, dann ..." "Wirklich", stimmt der Personalchef zu. "Und er ist einfach auf ihn losgegangen? Ohne einen Grund?" "Es gab keine Provokation", antworten der PJ, der Chef und ich unisono. "Nun, dann werde ich mich einmal mit ihm unterhalten müssen. Und sie verzichten darauf, eine Entschädigung und Schmerzensgeld zu fordern?" "Nun, ich glaube, das würde letztlich nur der Firma schaden", antwortet der PJ. "Ja, da haben sie recht." seufzt der Personalchef. "Sehr gut." ... "Ich muß zugeben, daß ich nicht gedacht hätte, daß Ron so weit geht - und das nur, um ein paar Pfund in ihrem Stundensatz zu sparen." kommentiert der PJ, als wir in unserem Büro ankommen und uns die Bilder der internen Überwachungskamera auf den Monitor holen, um dem "Feuer-Kommando" bei seiner Arbeit zuzuschauen. "Sir Ron, meinen sie." "Ah", ächzt der PJ, als der Groschen endlich fällt. "Ritter von ...?" "... der OS/2-Installations-CD." "Ein wirklich gewichtiger Titel. Wirklich ..." "Ja, das dachte ich mir auch." |
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© Simon Travaglia, 08.10.2001, Übersetzung: thomas w., 2001. |
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