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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. betreut wieder die Nutzer ...

"Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wie kann ich ihnen helfen?" fragt der PJ - ein Beweis von Hingabe und Selbstlosigkeit - als Antwort auf den siebzehnten Anruf an diesem Morgen.
 
"Es geht um meinen Rechner", jammert der Nutzer durch das gesamte Büro - eine der Segnungen kabelloser Headsets. "Der PC startet nicht."
 
"Probleme beim hochfahren?" fragt der PJ und heuchelt dabei jene Art von tiefer Besorgnis, die man sonst nur in den Reden von Politikern und Wiederholungen von M.A.S.H. spüren kann.
 
"Ja, der Rechner sagt mir, daß N-T-L-D-R nicht gefunden werden kann."
 
"Verstehe", erwidert der PJ ruhig. "Hat ein anderer Nutzer ihren Rechner benutzt?"
 
"Nein."
 
"Haben sie vielleicht ihr System aufgeräumt - möglicherweise ein paar Dateien gelöscht, um freien Speicherplatz zu bekommen?"
 
"Nein", antwortet der Nutzer. "Aber ..."
 
"Aber sie haben ein paar Dateien verschoben?"
 
"Nun, da waren überall Dateien und das war so eine Unordnung, daß ich ..."
 
"Natürlich, das ist verständlich. Und sie haben sich sicher auch versteckte Dateien anzeigen lassen, oder?"
 
"Nun - ja. Denn ich will wissen, was mit meinem System passiert - ob jemand einen Virus installiert und so weiter!"
 
"Ja, man kann gar nicht vorsichtig genug sein. Nun, wir werden Teile ihres Systems wiederherstellen müssen - welche Windows-Version benutzen sie?"
 
"Ah, Windows 2000."
 
"2000? Das haben wir doch noch gar nicht für die Nutzer freigegeben, weil wir noch auf die CD mit dem Aktualisierungspaket warten."
 
"Das ist in Ordnung. Einer meiner Kollegen hat es gekauft, als er in Malaysia Urlaub machte und es für 3 Pfund pro Exemplar bekommen konnte. Er hat uns allen CDs mitgebracht."
 
Der PJ muß wirklich darum kämpfen, seiner Zurückhaltung nicht aufzugeben. Aber irgendwie schafft er es, sich gegen die drohende Explosion zu wehren - das ist alles eine Frage des Willens.
 
"Aha", keucht er mit zusammengebissenen Zähnen. "Dann verbinde ich sie mit unserem Experten für Windows 2000."
 
Es ist raurig aber wahr - der PJ und ich sitzen nach einer tragischen Durchfallepidemie, die dafür sorgte, daß die sonst zuständigen Leute heimgeschickt wurden (wenn man sie aus den Toiletten herausbekommen hat).
 
Der Chef, unnötigerweise rachsüchtig, hat uns in die Nutzerbetreuung geschickt, da wir die letzten gewesen sein sollen, die man vor dem Wasserspender gesehen hat, der als Ursache für den tragischen Ausfall ausgemacht wurde.
 
... Der Fluch, der auf der Nutzerbetreuung lastet, trifft uns alle ...
 
Der PJ und ich haben beschlossen, für ein paar Tage das Guter Kerl/Böser Kerl-Spiel zu spielen, um zu sehen, ob wir die Nutzer völlig Verwirren können - wobei wir unsere Rollen zufällig ändern, damit wir nicht berechenbar sind.
 
Nun, ich muß mich um einen Anruf kümmern.
 
"Hallo, Simon hier. Wo liegt denn das Problem?"
 
"Ich kann meinen Rechner nicht starten?"
 
"IHREN Rechner? Der PC gehört der Firma!"
 
"Ja, gut, aber er startet nicht."
 
"Aha. Was haben sie mit dem Rechner gemacht?"
 
"Nichts."
 
"Lügen sie mich nicht an! Haben sie das Gehäuse geöffnet?"
 
"Nein!"
 
"Irgendwelche Programme installiert?"
 
"Nein."
 
"Haben sie einen dieser Dateianhänge gestartet, die ihnen ihre Freunde geschickt haben."
 
"Nein."
 
"Und was ist mit der monkey.exe, die sie gestern bekommen haben?"
 
"Woher wissen sie ... Nein."
 
"Ich glaube, sie lügen mich an ..."
 
"ICH HABE ES NUR EINMAL GESTARTET!"
 
"Aha - also HABEN sie gelogen!?"
 
"Aber es war doch nur einmal!"
 
"Einmal genügt schon! Nun, haben sie mit ihrem Betriebssystem herumgespielt?"
 
"Nein ..."
 
"Ich glaube, daß sie mich wieder belügen. Ich wette, daß sie mit den Einstellungen für versteckte Dateien experimentiert haben, oder etwa nicht?"
 
"Ich wollte nur seh ..."
 
"Also haben sie wieder gelogen. Wenn Microsoft gewollt hätte, daß sie die Dateien sehen, wären sie doch nicht versteckt, oder?"
 
"Aber ..."
 
"KEIN ABER! Ich verbinde sie mit einem Operator, der ihnen mitteilen wird, wo sie ihren Rechner hinbringen müssen."
 
Ich verbinde ihn wieder mit dem PJ.
 
"Hallo, Systemwartung."
 
"Uh, mir wurde gesagt, ich sollte meinen Rechner irgendwo abliefern - aber ich brauche ihn."
 
"Oh, ich bin sicher, daß wir die Reparatur schnellstmöglich durchführen können. Es dürfte nicht länger dauern als ..."
 
>PIEP!<
 
Das Programm, das auf unseren PCs läuft und uns signalisiert, wann ein Rollentausch fällig ist, meldet sich.
 
"... sechs oder sieben Wochen, bis wir uns durch den Problemberg durchgearbeitet haben."
 
"Aber ich muß den Rechner heute benutzen!"
 
"Nun, daran hätten sie denken sollen, bevor sie mit ihren Programmen herumexperimentiert haben. Apropos Programm - haben sie überhaupt eine LIZENZ für das Betriebssystem?"
 
"Ich ..."
 
"Lügen sie mich nicht an, mein Telefon ist mit einem Stimmenanalysator ausgestattet, so daß ich es sofort merken würde."
 
"Es ist nicht mein Programm."
 
"Nun, das klingt wahr, aber haben sie es installiert?"
 
"Nein, ich habe es jemanden machen lassen."
 
Der PJ drückt eine Taste seines Telefons, um einen Piepton an den Anrufer zu schicken. >PIEP< "Das Telefon sagt, daß sie lügen."
 
"Das wollte ich nicht. Ich dachte, es handele sich um NT 4."
 
>PIEP<
 
"Könnten sie ihre Geschichte vielleicht etwas plausibler gestalten? Und denken sie bitte daran, daß diese Unterhaltung aufgezeichnet wird."
 
"AUFGEZEICHNET?! Wieso denn?!"
 
"Auswertung und Qualitätskontrolle, um herauszufinden, wie gut ich ihnen helfen konnte."
 
"Sie haben mir nicht geholfen! Kann ich bitte den anderen Kollegen sprechen?"
 
"Warum?"
 
"Er wollte, daß ich meinen PC irgendwo abliefern soll ..."
 
"In Ordung, ich verbinde sie."
 
"Hallo, Nutzerbetreuung." melde ich mich.
 
"Ja, ich wollte wissen, wohin ich meinen Rechner bringen soll."
 
"Ihren Rechner?"
 
"Ja, sie sagten mir doch, das Betriebssystem müsse neu installiert werden nach diesem Problem mit den Programmen."
 
>PIEP<
 
"Wie bitte?" will ich wissen.
 
"Nachdem ich irrtümlich Dateien verschoben habe."
 
"So ist es gut. Nun, das klingt simpel, so daß ich auch mit einer Sicherungs-CD bei ihnen vorbeischauen und das Problem lösen könnte. Das sollte in zehn Minuten zu schaffen sein."
 
"Sind sie der Kollege, mit dem ich vorhin gesprochen habe?" will der Nutzer verwirrt wissen.
 
"Ich verstehe nicht?" antworte ich.
 
"Ach - nichts. Mein Fehler. Also können sie mein System mit einem stabilen Betriebssystem wiederherstellen?"
 
"Natürlich kann ich. Dann installiere ich einfach Windows 2000 >PIIIIIEEEEEP<, ich meinte Windows NT 4 >PIIIIIEEEEEP<, ich meine Windows >PIIIIIEEEEEP<. Ich werde irgendetwas machen."
 
"Gut, wann könnten sie vorbeikommen?"
 
"Wenn es ihnen paßt, komme ich gleich zu ihnen, damit das Problem noch vor dem Mittagessen beseitigt ist!"
 
"OHVIELENVIELENDANK!" keucht der Nutzer und legt auf.
 
Ich greife nach der CD und steuere die Tür an, um als Superheld der Nutzerbetreuung in die Geschichte einzugehen, als ich das >BING!< unseres Programms höre, das der PJ offensichtlich manipuliert hat, denn so schnell war noch kein Rollenwechsel fällig.
 
Dieser hinterhältige Kerl.
 
"Könnten sie mir die OS /2-CD geben?" frage ich und werfe die Windows-CD in den Papierkorb.
 
"Sie sind ein grausamer Kerl ..." ruft der PJ fröhlich.
 
Anmerkung: Nachrichten, die OS /2 verteidigen sollen, werden NUR dann vom B.O.F.H. gelesen, wenn sie klar, leserlich und prägnant auf Banknoten verfaßt wurden. Jegliche andere Korrespondenz wird ignoriert. Mit Priorität behandelt werden Nachrichten mit höherem Wert ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.06.2001, Übersetzung: thomas w., 2001.