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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Kauft niemals einen PC von diesem Bastard ...

Ich bin auf der Tottenham Court Road und blicke durch ein Schaufenster auf ein überteuertes System, als ich einen unserer früheren Nutzer in dem Geschäft sehe.
 
Nun, wenn ich von einem "Nutzer" spreche, meine ich jemanden, der mich mit Sätzen wie: ´Der Rechner muß defekt sein.´, ´Das kann ich ja viel besser erledigen.´ nervt. Jemand, der noch immer einen Zweifarbmonitor als moderne Erfindung empfindet.
 
Und er hat mir Löcher in den Bauch gefragt, die er, der kaum weiß, wie er eine Tastatur bedienen muß, aus einem mit Lesezeichen versehenen Computer-Käufer-Magazin hatte. Wie auch immer, Gelegenheiten wie diese sind nicht gerade häufig, also springe ich in den Laden.
 
"KANN ich ihnen behilflich sein?" frage ich und lächle dabei so unterwürfig, wie er das zweigellos von einem Computerverkäufer erwartet.
 
"Ja, können sie mi ... Oh, Simon, sie sind es? Ich habe gehört, daß man ihnen gekündigt hat - jetzt müssen sie für ihren Lebensunterhalt wohl richtig ARBEITEN?" grinst er selbstgefällig.
 
"Ja, wissen sie, manchmal muß man eben von vorn beginnen", murmle ich unterwürfig mit dem gesenktem Blick eines Verkaufsprofis.
 
"Und jetzt arbeiten sie HIER?" fragt er und mustert den Laden mit kritischem Blick, wobei er ein hämisches Grinsen aufsetzt.
 
"Nun, man tut eben, was man kann." murmle ich.
 
"KANN ich ihnen helfen?" fmischt sich ein echter Verkäufer ein, der das Computer-Magazin entdeckt hat, das mein ehemaliger Kollege mit sich herumträgt.
 
"Nein, danke ... ähm ... Ahim", antworte ich mit einer Überdosis Vertraulichkeit im Tonfall, die ihn überzeugt. Seinen Namen lese ich dabei von seinem Anstecker ab. "Ich kümmere mich schon um die Kunden."
 
"In Ordnung, melden sie sich, wenn ich ihnen helfen kann", murmelt er und verschwindet.
 
"Wird gemacht." rufe ich ihm fröhlich hinterher, um mich sogleich wieder meinem Opfer zu widmen. Ich meine natürlich, meinem Kunden. Wo war ich nur mit meinen Gedanken?
 
"Manchmal ist das ein ziemlich aufreibendes Geschäft", sage ich meinem Kunden - George, hieß er, wenn ich den Adressaufkleber auf der Rückseite seines Computer-Magazins richtig deute. "Nun, was kann ich denn für sie tun? Wollen sie sich einen Computer kaufen?"
 
"Nein, nicht für mich", antwortet er ausweichend - unwillig, mir sein Herz auszuschütten - und blickt zu einer etwa gleichaltrigen Frau, die ebenfalls im Laden ist. "Alice wollte ein wenig über PCs wissen, also haben wir uns entschlossen, uns einen anzuschaffen, und ich werde ihr dann beibringen, was ich weiß."
 
Es ist schwer zu entscheiden, aber ich schätze, daß Alice WIRKLICH begeistert sein wird, ihm dabei zuzuschauen, wie er immer die falschen Tasten drückt.
 
"Ausgezeichnet. Also, sie haben schon einiges über Computer gelesen, wie ich sehe? Sie wollen einen solchen Kauf nicht überstürzen."
 
"Nein, nein. Diese Zeitschrift bekomme ich schon seit einigen Jahren. Man muß sich ja über den technischen Fortschritt informieren ..." gibt George scharfsinnig zu.
 
"Ein guter Vorsatz", antworte ich. "Nun, wofür haben sie sich entschieden?"
 
"Ein Pentium III mit 733 Megahertz, 128 Megabyte RAM, 18 Gigabyte Festplatte, Windows 2000, Microsoft Office, ein 56K Modem, einen Farbtintenstrahler und ein internes ZIP-Laufwerk", plappert er los und liest die einzelnen Posten von der handgeschriebenen Liste ab, die er aus dem Magazin holt.
 
"Pentium III. Wirklich? Nun, ich SCHÄTZE, sie wissen, was sie tun."
 
"Wie meinen sie das?"
 
"Sie haben doch sicherlich gelesen, daß der Pentium IV schon fertig ist."
 
"Ja."
 
"Nun, der Preis für einen Pentium III-Prozessor wird erheblich fallen, wenn der Pentium IV in den Handel kommen. Ganz besonders, wenn ..." - ich blicke mich verstohlen um - "... die Öffentlichkeit herausfindet, daß das zwei aufeinandergesetzte Pentium II-Prozessoren sind."
 
"Wirklich?"
 
"Natürlich - dafür werden ja all die zusätzlichen Beinchen gebraucht!!"
 
"Aber sie verkaufen den Pentium IV noch nicht!"
 
"Nein, aber sie KÖNNEN sich selbst auf eine Aufrüstung vorbereiten."
 
"Wie denn?"
 
Wieder schaue ich mich vorsichtig um, als hätte ich ein großes Geheimnis zu hüten. "Nun, sie kaufen einfach einen aufrüstbaren Pentium II und dann, wenn der Pentium IV im Handel ist, löten sie einfach einen weiteren Pentium II auf den anderen Prozessor. Aber es muß sich unbedingt um einen aufrüstfähigen Pentium II handeln ..."
 
"Warum kann ich das nicht schon jetzt so machen?"
 
"Weil die Betriebssysteme das noch nicht unterstützen!"
 
"Oh, natürlich!"
 
"Jetzt hätten wir nur noch eine Sache, die mich nachdenklich stimmt. Weshalb wollen sie kein Diskettenlaufwerk für ihre Sicherungskopien?"
 
"Ich habe doch das ZIP-Laufwerk!"
 
"Ja, die sind gut - aber oft werden sie zusammen mit dem Rechner gestohlen. Deshalb empfehlen wir die normalen Disketten."
 
"Aber für 18 Gigabyte brauche ich ..."
 
"Rund 180 Diskettenpäckchen, ja. Oder 18 ZIP-Disks. Was kann man wohl leichter stehlen?"
 
"Die ZIP-Disks!" ruft George.
 
"Wogegen die normalen Diskettenschachteln den Bösewicht nur abschrecken würden."
 
"So habe ich das noch nie betrachtet."
 
"Da geht es Menschen wie Leuten. Es ist nämlich so", füge ich hinzu und schaue mich wieder sorgfältig um. "Es ist nämlich so, daß die meisten Verkäufer tatsächlich versuchen, den Kunden Disketten auszureden ..."
 
"Wieso?"
 
"Nun, ich will keine Namen nennen", antworte ich. "Aber mit der ´GARANTIE-URKUNDE´ für das ZIP-Laufwerk bekommen die ihren Namen und ihre ADRESSE."
 
"Sie meinen, sie steh ..."
 
"Nein, das habe ich nie behauptet!" rufe ich. "Aber ich schreibe NIEMALS meine richtige Adresse in solche Formulare."
 
"Das stimmt! Aber der Rest von dem, was ich will, ist in Ordnung, oder?"
 
"Nun, das 56K-Modem ist ein wenig ... nun ..."
 
"Was?"
 
"Oh, es wird auf sie sicher nicht zutreffen, aber, nun, EINIGE Modems haben eingebaute Pornographie-Detektoren, die nachts Kontakt zu kostenlosen Rufnummern aufnehmen, um die Regierung darüber zu informieren, daß sie ein Pornos anschauen."
 
"Sie machen Scherze!"
 
"Ich wünschte, es wäre so. Diese Detektoren werden seit den 38K-Modems eingesetzt."
 
Etwa hier fühle ich mich wie ein richtiger Hund, aber dann erinner ich mich an sein Gejammer.
 
"Sagte ich 38K?" rufe ich. "Ich meinte natürlich 19K! Aber man sollte da lieber ganz sichergehen, also ein 9.600er Modem nehmen. Und das beste an der Sache ist, daß diese Ausstattung praktisch nichts mehr kostet - Pentium II, Disketten, 9K-Modems ..."
 
"Ich bin wirklich froh, daß sie mich beraten", erklärt George. "Wie wäre es, wenn sie mir nun einen verkaufen?!"
 
"Momentan bin ich leider nur als Berater eingestellt, aber ich werde einen Verkäufer über ihre Wünsche informieren." antworte ich hilfsbereit.
 
Blitzschnell eile ich davon, um Ahim zu suchen.
 
"Hallöchen, mein Freund sammelt veraltete Technik und sucht nach Bestandteilen, um ein Modell zusammenzubauen, daß den Stand der Computertechnik zum Ende der 90er Jahre widerspiegelt. Könnten sie ihm dabei helfen?"
 
Ich habe den Satz noch nicht ganz beendet, da ist Ahim schon verschunden und denkt offensichtlich an die Prämien, die er von seinem Chef bekommt, wenn er den Müll, den selbst Touristen nicht mehr kaufen, losschlagen kann.
 
Meine Arbeit hier ist getan - ich warte noch bis der Einkaufswagen voller Schrott im Wagen von George verschwunden ist und lenke meine Schritte dann im Licht der untergehenden Sonne auf eine Kneipe, um ein Belohnungs-Bier zu trinken.
 
Das Leben ist süß, aber Rache - noch viel mehr.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.07.2000, Übersetzung: thomas w., 2001.