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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die B.O.F.H.-Argumentier-Schule ...

Das ist kein guter Tag für den Chef - aus zwei Gründen.
 
Zunächst einmal habe ich nichts zu tun und langweile mich - und wir wissen, wer Arbeits für unbeschäftigte Hände schafft (Abgesehen von Software-Pflege). Und dann gibt auch für den PJ keine Arbeit, also langweilt er sich ebenfalls.
 
"Ich denke es ist Zeit für eine Geheimoperation."
 
"Wirklich", frage ich. "Worum soll es dabei gehen?"
 
"Ich könnte in das Büro des Chefs einbrechen, mir seine Sachen anschauen und mitnehmen, was interessant aussieht. Dann lasse ich einen Schrubber herumstehen, damit er die Reinigungskräfte verdächtigt."
 
"In Ordnung - bringen sie mir ein paar Biscuits aus der dritten Schublade von unten auf der rechten Seite seines Schreibtischs mit."
 
"Logisch. Sie lenken ihn ab?"
 
"Darauf können sie sich verlassen!" antworte ich und überlege mir, wie ich den Chef in ein sinnloses Gespräch verwickeln kann, das er nicht mit einem Ergebnis beenden kann ... BINGO!
 
15 Minuten später ...
 
"SIE VERVIELFÄLTIGEN ILLEGAL SOFTWARE!" ruft der Chef verärgert, als mein DVD-Laufwerk startet.
 
"Stimmt nicht, ich fertige Kopien unserer Programme an, um sie in Sicherheit unterzubringen!" antworte ich ihm. "Das ist alles legal und ist in den Lizensbedingungen erlaubt, die den Datenträgern beilagen."
 
"Sicherheitskopien? Aber sie sagten, sie wollen die Kopien mit zu sich in die Wohnung nehmen!" fährt er fort.
 
"Ja."
 
"Aber das ist FIRMEN-Software!"
 
"Natürlich handelt es sich um Firmen-Programme. Aber gibt es einen besseren Platz, um Sicherheitskopien außerhalb der Firma aufzubewahren?"
 
"Ich ... ähm ... ABER WIR HABEN DOCH SCHON EINE AUFBEWAHRUNGSSTELLE AUSSERHALB DES HAUSES!!!" kontert er etwas lauter und meint eine Lüge entdeckt zu haben.
 
"Die uns zehn Pfund pro Jahr und Datenträger kostet. Meine kostet dagegen nichts!"
 
"Das ist aber nicht sicher!"
 
"Natürlich ist es sicher!"
 
"Bei ihnen wurde im vergangenen Jahr eingebrochen!"
 
"Stimmt, aber das WAR nur der PJ."
 
"Ihr Assistent hat ihr TV-Gerät, ihre DVD-Sammlung und ihr Heim-Theater-System gestohlen?!"
 
"Ja."
 
"And sie nicht verärgert über ihn?"
 
"Das habe ich nie gesagt. Wie auch immer, ich bekam die meisten Dinge ja zurück. UND er hat das nur wegen einer Wette getan."
 
"EINE WETTE!" stößt der Chef hervor.
 
"Genau. Er dachte sich: ´Ich wette, ich kann damit entkommen´."
 
"Das ist doch lächerlich!"
 
"Natürlich war es das. Er hätte lieber denken sollen: ´Ich wette, daß mein Vorgesetzter die Wachsreste an seinem Haustürschlüssel bemerkt, mich durchschaut und einen teuflischen Plan ausheckt´. Das wäre besser gewesen."
 
"Sie haben ihn also bewußt einbrechen lassen!?"
 
"Nur bis die Versicherung bezahlt hatte. Dann, ich sagte es ja schon, bekam ich beinahe alles zurück."
 
"VERSICHERUNGSBETRUG!?" schnappt er mit einer auffällig pulsierenden violetten Vene auf seiner Stirn nach Luft.
 
"Nein. Ich habe nur die gestohlenen Gegenstände ersetzt."
 
"Statt sie an die Versicherung zurückzugeben, die für sie bezahlt hat?"
 
"Nichts als hohle Worte: Ausbezahlt, Wertminderung, Überschuß, eine zufällige Zahlenkombination, die dem aktuellen Marktwert entsprechen soll etc. - doch was sollten diese Leute mit den Geräten anfangen?"
 
"? ... Menschen wie sie sorgen dafür, daß meine Versicherungsprämien steigen!" beschwert er sich unfreundlich, einen leeren Sattel auf dem hohen Roß sehend.
 
"Nein, das tun die Versicherungsgesellschaften." beschreibe ich langsam. "Doch zurück zum ursprünglichen Thema - ihre grundlose Befürchtung, ich würde Raubkopien anfertigen ..."
 
"Ja, das tun sie doch!"
 
"Nein, ich würde die Programme unerlaubt kopieren, wenn ich vorhätte sie zu verkaufen oder für nicht genehmigte Zwecke zu nutzen."
 
"... fü ... ge ... Das sind doch nur Spitzfindigkeiten!"
 
"Natürlich, aber ich habe herausgefunden, daß solche Spitzfindigkeiten sehr wichtig sind, wollen sie sich Ärger vom Halse halten. ´Kinder-Model-Website´ zum Beispiel statt ´Pädophilen-Treffpunkt´. Oder ´Unrechtmäßige Kämpfer´ statt ´Kriegsgefangene´."
 
"Worüber REDEN sie?!"
 
"Nun, sie meinten, ich würde Programme illegal kopieren, während ich erklärte, Sicherheitskopien anzufertigen."
 
"Und?"
 
"Bleibe ich bei meiner Erklärung, sind meine Intentionen völlig unschuldig! So wie ich."
 
"Ich glaube, sie werden herausfinden, daß dies nicht der Fall ist. Die Programme wurden für die Firma lizensiert zum Einsatz zu Firmenzwecken."
 
"Ja, aber ich habe gar nicht vor, sie zu benutzen. Ich will sie nur für die Firma sicher aufbewahren, falls eine Katastrophe passiert."
 
"Eine Katastrophe?"
 
"Ja, ein Feuer zum Beispiel. Oder ein Diebstahl. Vorfälle, bei denen wir Daten verlieren könnten, die wir nicht wiederherstellen können."
 
"Also kopieren sie unsere GESAMTEN Programme?!"
 
"Selbstverständlich nicht. Nur die Daten und Programme, deren Wiederbeschaffung schwierig und teuer wäre."
 
"Zum Beispiel?"
 
"OS/2."
 
"Ist das teuer?"
 
"Manche würden sagen, es ist unbezahlbar. Es ist schwierig den genauen Wert für eine Organisation wie unsere zu beziffern."
 
"Und sie glauben wirklich, daß es gesichert werden muß?"
 
"Aber natürlich! So selten wie es ist, ist es ein ideales Objekt für Gelegenheitsdiebe."
 
"Gelegenheitsdiebe?"
 
"Sie wissen schon, eigentlich geachtete Kollegen, die aber der Versuchung nicht widerstehen können, Dinge zu stehlen, wenn niemand auf sie aufpaßt."
 
"Aber hier doch nicht?" will er wissen.
 
"Sie wären überrascht. Einer ihrer Vorgänger hat den kompletten Inhalt seines Schranks gestohlen."
 
"Wirklich?"
 
"Ja, und am nächsten Tag kam er zurück und machte sich über seinen Schreibtisch her."
 
"Konnte er erwischt werden?"
 
"Nein, es löste sich einfach alles in Luft auf. Es verschwand spurlos. Und beweisen konnte man gar nichts." lüge ich.
 
Ich bemerke den Schatten des PJ, der am Eingang unseres Büros vorbeischleicht. Er hat soviel Schmuggelware bei sich, daß er den mit Rädern ausgestatteten Bürostuhl des Chefs stehlen mußte, um sie abtransportieren zu können.
 
"Nun, wenn das so ist ..."
 
"Ach was, sie haben schon recht. Möglicherweise brauchen wir diese Kopien wirklich nicht", antworte ich, als der PJ den Bürostuhl durch die Hintertür des Rechnerraums rollt.
 
"Aber was war nun mit den Gelegenheitsdieben?"
 
"Das war nur ein Gedankenspiel - vielleicht werfe ich die Datenträger einfach in den Mülleimer - auf diese Weise sieht niemand sie und gerät auch nicht in Versuchung!"
 
"Richtig! Ausgezeichnet. Aber was ist ..."
 
ARSCHLOCH! Jetzt muß ich mich mühen, den Chef wieder loszuwerden. Ich signalisiere dem PJ, er möge mir ein paar Biscuits mitbringen.
 
Sehr gute Biscuits. Sie haben eine Schokoladenfüllung.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 02.07.2003, Übersetzung: thomas w., 2003.